Working Mom und die „hilfreichen“ Männer

Bald gehöre ich dazu, zur Gruppe der arbeitenden Mütter. Dass wir Mamas rund um die Uhr arbeiten, eben weil wir Mütter sind, zählt ja leider nicht. Zumindest wird es nicht wirklich anerkannt. Ganz ehrlich: ich habe jetzt schon mehr als genug um die Ohren und das ohne Job. Keine Ahnung wie das also bald werden soll. Vielleicht endet es im Chaos….

„Ach, du bist zu Hause!? „, wird man als Mutter erstaunt gefragt, wenn man nicht arbeiten geht, und das unausgesprochene „nur“ klingt dabei ohrenbetäubend mit. Gefragt nach meinem aktuellen Job antworte ich wahrheitsgemäß „Hausfrau und Mutter “ und fühle auch hier das „nur“ schwer auf meinen Schultern lasten und ich schäme mich beinahe. Aber warum eigentlich? Seit ich Mutter bin habe ich keinen 8 Stunden Job mehr, jetzt arbeite ich locker 14 Stunden oder länger am Tag. Ohne Bezahlung, ohne Lob und oft ohne Anerkennung, denn „du hast es ja so gewollt „. Naja. Ja, ich wollte Mutter sein, aber was das mit einem macht, und wie schwer es einem die Gesellschaft und der Staat machen war mir vorher nicht klar, nicht wirklich. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach einigem hin und her werde ich jetzt also demnächst in Teilzeit wieder arbeiten. Zusätzlich zu meinen Jobs als Mutter und Hausfrau, Köchin, Einkäuferin, Putzfrau, Bildungsbeauftragte, Mama-Taxi und so weiter und sofort. Ganz zu schweigen davon, dass der Mann auch seine Rechte einfordert und Aufmerksamkeit sowie ab und zu ein paar Streicheleinheiten haben will.

Eigentlich möchte ich die Männer ja loben.

Sie sind so toll, so hilfsbereit und unersetzlich. Gäbe es sie nicht,  hätten wir Frauen so viel weniger zu schimpfen, lästern und auch zu lachen.

Da erzählte mir doch kürzlich meine Nachbarin, die jetzt ebenfalls wieder arbeitet, 5 Tage die Woche und so viele Stunden, wie es die Kinderbetreuungszeiten eben zulassen, dass sie ihren Mann um Mithilfe im Haushalt gebeten hat, eben weil sie jetzt auch arbeitet und das alles dann etwas viel wird. Ihr Mann hat sie daraufhin verständnislos angesehen und meinte: “ Ja aber du arbeitest doch nur in Teilzeit. Ich in Vollzeit! “ Da ist es wieder, das „nur“. Mal ganz abgesehen davon, dass nach der Arbeit die Arbeit mit und ums Kind ja weiter geht.

Ein anderes schönes Beispiel: eine Freundin, Anfang 30, 3 Kinder, hatte die Chance auf einen tollen Job, noch dazu in einer leitenden Position. Diese Stelle wollte sie sich nicht entgehen lassen. Aber natürlich spricht Frau sich mit dem Ehegatten ab. Der meinte es sei ein tolles Angebot, eine super Möglichkeit für sie und das zusätzliche Geld wäre natürlich auch von Vorteil. Wenn SIE es also hin bekäme den 30 Stunden Job mit der Kinderbetreuung und dem Haushalt zu vereinbaren, dann könne sie den Job ja annehmen. Das hat er ernst gemeint. Keine Rede davon, dass ER dann mehr unterstützt. Back to the 50s, willkommen in der Vergangenheit, da schlag ich die Hände über dem Kopf zusammen. Man kann aber auch versuchen dem ganzen einen positiven Begriff zu geben, vielleicht Retro. Retro ist ja in und klingt schöner als rückständig. Sie hat den Job jedenfalls angenommen. Und da wir Powerfrauen nicht klein beigeben rödelt sie halt jetzt bis zum Umfallen – was uns nicht umbringt macht uns stark.

Wir können uns auf jeden Fall etwas abgucken von den Männern. Ihre Gelassenheit zum Beispiel. Oder ihre unglaubliche Fähigkeit sich für die kleinsten Selbstverständlichkeiten selbst auf die Schulter zu klopfen.

Da kam neulich der Mann einer Bekannten heim und meinte er und die Kollegen hätten sich darüber unterhalten, dass die Frauen ja nicht mehr das seien, was sie mal waren. Tief durchatmen, das gute kommt erst noch: Früher hätten die Frauen ja alles allein gemacht, heute würden die Männer ja so toll unterstützen. Schmunzel. Er würde im Vergleich mit seinen Kollegen ja auch wirklich viel im Haushalt helfen. Meine Bekannte hatte Fragezeichen in den Augen. Ja, er würde ja schon mal den Müll rausbringen. Das sagte er allen Ernstes mit stolz!  Er würde SCHON MAL den Müll rausbringen! Gott sei´s gedankt, dass wir solche harten Kerle an unserer Seite haben, die es doch tatsächlich auch mal schaffen die schwere Aufgabe des Müllrausbringens zu übernehmen. Nein, wenn wir solche Männer nicht hätten wären wir echt aufgeschmissen. Das eigentlich  Bewundernswerte daran ist ja aber, dass ER sich dafür ernsthaft ein Lob erwartet, der Mann. Frau hingegen rödelt im Haushalt ohne Unterlass, denn, falls Mann das nicht weiß, es ist ein kleines bisschen mehr zu tun, als ab und zu den Müll rauszutragen. Und SIE begrüßt ihren Gatten am Abend nach einem langen Arbeitstag (für beide!) nicht mit den Worten: „Ach Schatz, bitte lob mich, denn heute nachdem ich von der Arbeit heim kam und die Kinder abgeholt habe, habe ich abgewaschen, gesaugt, 3 Ladungen Wäsche gewaschen und aufgehängt, den Großeinkauf gemacht, Essen gekocht, den voll geschissenen Sohn aus der Kacke geklaubt, gewaschen und umgezogen, der verrotzten Tochter gefühlte hundert Mal die Nase abgewischt und deine Hemden gebügelt.“

Nein, nein, wir Frauen machen das halt einfach. Und damit machen wir was falsch! Lasst uns bei den Männern abgucken. Siehe oben. Problem nur, dass das nicht in unseren Genen liegt so vollkommen gelassen die vielen To Dos zu ignorieren und uns für die banalsten Kleinigkeiten selbst zu loben.

Ach ja, mit den Männern ist es schon schwierig. Aber ohne sie wohl noch viel mehr.

 

Das endlose Zubettbringen – Von abendlichem Ballett und Nachtwanderungen

 

„Schlaf jetzt endlich!!!“ Wie oft schon habe ich diesen Satz völlig entnervt dem Sohnemann oder dem Töchterchen entgegen geschleudert.

Manche Kinder schlafen gerne und viel. Nachts und mittags. Ab ins Bett, gute Nacht sagen, Tür zu und dann herrschen an die 12 Stunden Ruhe. Bei uns nicht. Auch wenn ich Dr. Google nach der optimalen Anzahl an Schlafstunden befrage, kann ich nur mit dem Kopf schütteln und mich wundern, denn von diesen sind wir doch sehr weit entfernt. Aber ich kann´s nicht ändern. Ich habe alles versucht.

 

Wenn ich die Kids ins Bett bringe, schläft der vom Tag geschaffte Sohn in 1,5 Minuten ein. Madame nicht. Oh nein! Die kann sich schon beim Vorlesen auf der Couch an mich ran kuscheln und winzig kleine Schlafäuglein haben; sobald sie ins Bett muss sagt ihr ihr Gehirn: „Ah, Schlafenszeit. Jetzt muss ich also aufdrehen und rumturnen.“ Und dann geht´s los. Da wird jedes verfügbare Wort, das sie schon sagen kann -und das sind nicht viele- in jeglicher Kombination wieder gegeben. „Mama Eis, Papa Eis, Addu (Auto) Eis, Addu heiß, Papa heiß“….. usw.

Dazu wird gehüpft, dass das Bett bebt. Mit den Armen an den Gittern ihres Bettchens lang – Ratatata, Ratatata – und mit den Beinen auf die Matratze gedonnert, dass es nur so knallt. Wenn ich dann sage: „Hey, es ist Schlafenszeit! Bitte leise sein. Schlaf!“ Kriege ich ein „Ja“ zur Antwort –  und dann geht es unverändert weiter. Herrlich. Der Spaß dauert Minimum 30 Minuten, 45 Minuten sind die Regel, aber es geht auch gerne länger. Und wehe , WEHE, ich versuche den Raum zu verlassen bevor sie schläft, also RICHTIG schläft. Dann ist Polen offen und das Spiel beginnt von vorne.

Ja, es gibt Mamas, die 2 Stunden bei ihren Kleinen im Bett liegen, bis sie endlich pennen. Ehrlich, wie haltet ihr das aus? Ok, ja, man(Mama) muss halt. Aber das ist doch der Horror! Jeden Tag! Was für ein Zeitverlust. Da ist die Zeit, die man für sich hat schon dermaßen begrenzt, dass dieses unnütze Rumgestehe im Kinderzimmer einer absoluten Zeitverschwendung gleich kommt. Was könnte man alles tun statt dessen? Andere spaßige Dinge wie endlich selbst mal was essen, sich die seit Tagen ungewaschen Haare waschen, den abblätternden Nagellack entfernen oder sich einfach mal mit dem Mann unterhalten. Aber hey, statt dessen steht man eben im Kinderzimmer rum und wartet, dass Madame sich geruht endlich einzuschlafen.

Jedes Geräusch, jedes Knarzen, jede zu tiefe Atmen wird mit einen erneuten fordernden „Mama!“ begleitet, und die Minimaus streckt das Patschehändchen aus, dass jetzt also nochmal gehalten werden muss, bevor sie bereit ist endlich ins Reich der Träume zu gleiten. Und wenn ich dann denke, jetzt, JETZT! ist es endlich soweit, dann schleiche ich mich gaaaaanz langsam und vor allem gaaaaanz leise zur Tür –  bis das Laminat knarzt oder ich sonst irgendein minimales Geräusch mache – dann weiß ich, sie schläft eben doch nicht, denn ein erneutes jammerndes „Mamaaaa“ schallt mir entgegen. Was für eine sch…… Könnte ich doch nur fliegen. Also zurück zum Bett und alles auf Anfang. Und wieder warten und horchen, ob Madams Atmung der einer Schlafenden gleicht. Und dann tanze ich wieder so behände wie möglich Ballett bis zur Tür.

3 Schritte sind es vom Bett bis zur Tür. Langsam hebe ich meinen Fuß Millimeter für Millimeter um ja kein schmatzendes Geräusch mit den nackten Füßen auf dem Laminat zu machen. Dann setzte ich den Fuß Millimeter für Millimeter einen Meter weiter wieder auf. Soweit so gut. Der zweite Schritt folgt nach der gleiche Choreografie. Und dann der letzte und schwerste Schritt. Ich muss mich so drehen, dass ich nicht an Sohnemanns Bett hängen bleibe (der brav seit vielen vielen Minuten tief schläft) und mich gleichzeitig dünn genug machen, um mich so durch die Türe zu quetschen, dass ich sie möglichst nur einen schmalen Spalt weit öffnen muss, denn jeder Lichtstrahl, der von irgendwoher ins Zimmer dringt ist gefährlich, denn wehe wehe es ist zu hell, dann….

Es ist einfach ein ganz großer Spaß.

Ist das Ins-Bett-bringen endlich geschafft, dann habe ich noch ganze 2 Stunden bis ich endlich selbst ins Bett muss. Entweder weil ich schon so fertig bin, meist aber aus Vernunft, denn Madame ist nicht nur ein Spät-ins-Bett-Geher sondern auch eine Frühaufsteherin.

Und da ist es vollkommen egal, ob sie einen Mittagsschlaf hatte oder nicht. Auch ohne schläft sie nachts keine Minute länger. Nicht eine!

Und wenn dann endlich beide Monster-Mäuse im Bett liegen, weiß ich, ich habe eine gewisse Zeit, bevor die Nachtwanderungen starten.

Da kann es schon mal sein, dass der Minimann gegen 22 Uhr im Wohnzimmer steht und verlangt jetzt im elterlichen Bett weiter zu schlafen. Da muss dann erst diskutiert werden, dass die Eltern ja noch gar nicht schlafen und es im eigenen Bett doch viel toller ist. Kurze Zeit später folgt dann die Madame (die ja seit gefühlt erst 5 Minuten überhaupt schläft) mit Gebrüll. Also renne ich rein und beruhige sie bis sie weiter pennt. Das kann dann 1 bis  5 mal so gehen. Nur leider ist irgendwann Schicht im Schacht und alles beruhigen hilft nichts mehr : Sie will in Mamas Bett! Und so lange sie dort nicht liegt wird gebrüllt als gäbe es kein Morgen. Hach ist das herrlich.

Dann kommt es also schon mal vor, dass ich mich im Turbogang im Bad fertig mache, damit das brüllende Bündel sich an die Mami in Mamis Bett kuscheln und weiter schlafen kann. Das einzig positive an der Sache: ich bin nach all den Jahren sowas von dauermüde, dass ich zu jeder Zeit in jeder Position schlafen kann. Wenn dann allerdings irgendwann der Sohn noch meint, auch zu mir ins Bett zu wollen, ist Schluss mit lustig. Ich kann mich ja sehr schmal machen, aber ich WILL es nicht.

Wirklich dumm, dass ich relativ viel Schlaf brauche um fit zu sein und meine Kinder beide nach dem Papa kommen, der auch nicht wirklich viel schläft. Schlechte Kombination. Und promt war ich neulich so fertig, dass ich um 18 Uhr völlig am Ende ins Bett gefallen bin. Vor den Kindern!

Natürlich fand Töchterchen es nicht so witzig, heute einmal NICHT von Mama ins Bett gebracht zu werden und ihr 45 Minuten Turnpogramm in meiner Anwesenheit abhalten zu können. Ergo Logo befand sie sich kurze Zeit darauf wo? Genau! In Mamas Bett. Jetzt könnte man ja denken, dass sie dachte „Hey, cool, ich muss heute gar nicht in meinem Bett einschlafen, ich darf direkt zu meiner Mama, da kann ich ja jetzt seelenruhig und entspannt einschlafen.“ Nee, nee. Sie blieb ihrer Routine treu und zog ihr Turn- und Laberprogramm auch im Schlafzimmer ab. Wenn auch „nur“ 20 Minuten lang. Ich halte es ihr mal zu Gute.

Ich freue mich schon auf das, was heute Nacht auf mich zu kommt.

In diesem Sinne: schlaft schön!

Super-Mom Wanted: Stellenausschreibung als Vollzeit-Mutter

Irgendwann möchte ich wieder arbeiten gehen. Ich kann mir zwar aktuell nicht im Entferntesten vorstellen, wie das funktionieren soll, aber es wird so kommen. Und dann müsste ja eigentlich jemand meinen „Job“ übernehmen. Wenn das, was wir Mütter leisten, als Job anerkannt würde, dann müsste die Stellenbeschreibung in etwa so klingen:

 

In einem 4-Zimmer Haushalt mit kleinem Gärtchen und zwei Kleinkindern suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt jemanden zum Managen all der damit verbundenen Dingen.

Ihre Tätigkeit:

  • Ackern rund um die Uhr, also 24/7
  • Kinderbetreuung und -erziehung mit allem was dazu gehört
  • putzen, waschen, bügeln, kochen, aufräumen, einkaufen, abwaschen und einfach alles was man so rund um die Uhr zu tun hat

 

Was Sie mitbringen sollten:

 

  • 100%iges Engagement und die Bereitschaft sich selbst vollkommen aufzugeben
  • viel Humor, auch wenn er schwarz ist
  • möglichst kein Schlafbedürfnis
  • eine enorm hohe Toleranz was eklige Substanzen wie Urin, Stuhl, Rotz, Erbrochenes etc. betrifft
  • Spaß am Aufräumen und Putzen und die Bereitschaft, dies ununterbrochen zu tun ohne am Ende ein Ergebnis zu sehen
  • Erfahrung als Pädagogin, Lehrerin, Streitschlichterin, Psychologin, Krankenschwester, Köchin, Putzfrau
  • eine unmenschliche Geduld
  • Spaß dabei, dieselben Bücher immer wieder und wieder und wieder vorzulesen und dabei auch noch jedes Mal aufs Neue zu erklären, weil die Blagen anscheinend auch beim hundertsten Mal nicht verstanden haben, warum Gretel die Hexe in den Ofen schubst
  • eine nach außen getragene Gelassenheit (auch wenn Sie innerlich kochen) allen ach so gut gemeinten Ratschläge von Mutter, Schwiegermutter und Co. gegenüber
  • die Fähigkeit alle konsternierten Blicke abprellen zu lassen, wenn das Kind im Laden mit seinem Gebrüll die Wände zum wackeln bringt, weil es UNBEDINGT und zwar JETZT SOFORT Spielzeug xy haben muss aber natürlich nicht bekommt
  • Multitasking – Fähigkeiten auf übernatürlicher Weise, sprich 20 Sachen gleichzeitig gleich gut zu machen ist kein Problem
  • Spaß dabei, sich kaputt zu ackern
  • Durchhaltevermögen
  • eine Dicke Haut und die Fähigleit Kritik a la „Du hockst ja eh nur den ganzen Tag zu Hause rum“ an sich abprallen zu lassen
  • Platzangst darf kein Problem sein, denn einer will immer kuscheln, am besten auf dem Schoß, und alleine im Bett zu schlafen ist sowieso nicht drin
  • keine Angst vor Ansteckung was sämtliche gängigen Kinderkrankheiten angeht

 

Was wir bieten:

  • ein Arbeitspensum, das auch mit einer Arbeistzeit von 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche nicht zu erfüllen ist
  • ausgefüllte Tage, die vollkommen unausgefüllt sind
  • keinerlei Bezahlung als ein bißchenKindergeld
  • kein Wochenenden
  • keine Feiertage
  • so gut wie keine Anerkennung
  • alle gängigen pflanzlichen Beruhigungsmittel  wie Johanniskraut, Pascoflair, Neurexan, Alkohol

Wenn Sie diese Stelle anspricht, dann melden Sie sich gerne bei mir.

 

Ich wette, ich kann mich kaum retten vor Zuschriften 😉

 

Mir ist was dazwischen gekommen: das Leben

Ich schreibe kaum noch. Die Anfangseuphorie ist vorbei, der Wille, anderes liegen zu lassen um Zeit zum Bloggen zu haben ist geschwunden. Mittlerweile weiß ich, das Bloggen harte Arbeit ist. Hut ab vor all den Bloggern und Bloggerinnen da draußen, die das zu ihrem Job gemacht haben, die damit Geld verdienen und erfolgreich sind. Ich bewundere und gönne es euch, aber mein Ding ist es nicht. Und ich weiß auch ehrlich nicht wie sie das machen, die Mamas da draußen mit 6 Kindern uns Haushalt, die trotzdem erfolgreich bloggen und Vorträge halten. Und diese Mamas gibt es wirklich! Keine Ahnung wie das geht. Denn ich hingegen muss weniger bloggen.

Ich bevorzuge das echte Leben: meine beiden Mäuse. Denn wenn der Haushalt, der sowieso nie einen auch nur annähernd erledigten Status erreicht, liegen bleibt, weil Mama bloggt und dann anschließend den Stress über den nicht erledigten Haushalt an den Kids auslässt, läuft was schief.

Ja, ich schreibe gerne, und oh mein Gott ja, ich habe Unmengen zu berichten und tausende Ideen für Artikel, ABER: ich habe einfach keine Zeit. Die Nicht-Mütter da draußen werden sich jetzt denken ich spinne und bin eine weitere dieser überforderten Mamis, die ständig jammern wie stressig alles ist aber doch so entspannt „nur“ zu Hause bei den Kindern ist. Wir sprechen uns wieder, sobald ihr Kinder habt.

Nichts für Ungut. Jeder wie er will und kann. Ich WILL gerne öfter schreiben, so häufig wie am Anfang, aber ich WILL es nicht mehr – versteht ihr? Ich könnte so gesehen jeden Tag einen Artikel raushauen, mein Leben bietet genug Material dafür, aber ich ertrinke im Haushalt, der Wäsche, dem Einkauf, dem immer größer werdenden Ablagestapel, meine Blumen vertrocknen langsam aber sicher, für die Kids sollte jeden Tag gekocht werden, abends mal unterhalten mit dem Mann, und die Kinder wollen auch noch bespaßt und erzogen werden – da bleibt von den 24 Stunden am Tag eigentlich ein Minus übrig, denn ich werde irgendwie NIE fertig. Deshalb muss etwas anderes zurückgefahren werden: das Bloggen.

Ist ja auch nicht so wild, meine überschaubare Anzahl an Followern wirds mir sicherlich verzeihen 🙂 und da das nur ein Hobby ist, kann ich das auch guten Gewissens tun. Vor kurzem noch schrieb ich jede Woche 2 Artikel, jetzt ist es alle 2 Monate einer. So what? Ganz ehrlich, es kümmert doch keinen und ich bin etwas weniger gestresst von dem „Muss“ mal wieder was zu veröffentlichen. Ganz zu Schweigen vom ‚Connecten‘ mit anderen Bloggern. Auch noch ständig andere Blogs zu lesen, zu folgen, mitzumischen – ein weiterer Zeitfaktor. Und diese Zeit habe ich nicht oder will sie mir nicht nehmen. Nicht böse sein, aber das echte Leben geht vor!

Ich danke jedem einzelnen, der ab und zu bei mir rein schaut und sich über meine Hirnergüsse freut!!!

Aber ich fahre jetzt etwas runter.

 

 

Stay tuned!

Lach- und Kackgeschichten: Pipi, Kacka, Rotz und Sabber – Was dich nicht umbringt, macht dich hart

„Mama,  ich habe Pipi in die Hose gemacht „, sagt mir mein Sohn neulich- aus mir unerfindlichen Gründen freudestrahlend- nachdem wir vom Kindergarten heim kommen und gerade einmal zur Türe rein sind.

„Wie?! Jetzt???“, will ich wissen.

„Nein. Im Kindi“, erklärt er mir.

„aber wieso?“, frage ich. „Wieso bist du dort nicht mehr aufs Klo gegangen?“

„Habs nicht rechtzeitig geschafft“, ist die lapidare Antwort. Und jetzt kommt´s. Mit Stolz in der Stimme sagt er:

„Und ich habe im Kindi Kacka gemacht und mir GANZ ALLEINE den Popo abgewischt.“

Ahhhhhhhhhh! Oh nein! Bitte nicht, denke ich. Denn: wir hatten das schon mal und anschließend war Duschen, umziehen und Wäsche waschen abgesagt, so „gut“ hatte er sich den Hintern abgewischt. Diesmal ist es nicht ganz so schlimm, aber sauber ist anders.

 

Leider kommt es recht häufig vor, dass Sohnemanns Hose nass oder mindestens feucht ist. „Kind!“, platzt es dann oft aus mir heraus, „warum bist du denn nicht rechtzeitig aufs Klo gegangen? Deine Hose ist ganz nass!“ „Das war ich nicht!“, behauptet der Sohn todernst und meint es tatsächlich genau so. Er scheint wirklich selbst ganz verwundert zu sein, dass seine Hose nass ist. „Ja wer war’s denn dann?“, führe ich diese unsinnige Unterhaltung weiter. „Weiß ich nicht „, antwortet der Sohn. Es ernst meinend! Halleluja. Es bringt ja alles nichts. Also werfe ich die nassen Klamotten einfach auf den riesigen Berg Wäsche, der sowieso schon darauf wartet gewaschen zu werden.

Schön auch, wenn es folgendermaßen abläuft.

Ich:“ Schatz, bitte denk dran rechtzeitig aufs Klo zu gehen. “

Er:“ Ja, Mama “

Ich, irgendwann:“Musst du nicht mal aufs Klo?“

Er: “ Nein. “

Ich, etwas später: “ Du musst doch jetzt bestimmt mal Pipi machen,oder?“

Er: „Nein, muss ich nicht!“

Ich :“ Schatz, geh doch bitte mal aufs Klo. “

Er: “ Aber Mama ich muss nicht!!! “

Ich:“ Doch bestimmt. Es ist doch schon lange her.“

Er: „Nein! Ich muss NICHT!“

Ich: „Ok. Denk halt aber rechtzeitig dran.“

Er: “ Mach ich.“

Ich: “ Aber wirklich.“

Er, kurz darauf:“ Mama, ich habe leider gerade in die Hose gemacht.“

Ohne Worte.

 

Zum Glück ist es nur Pipi. Das nervt genug, riecht leider schnell sehr unangenehm und das Dauerwäschewaschen ist auch ätzend. Aber es ist NUR Pipi. Bis auf eine Ausnahme. Da hole ich den kleinen Mann im Kindergarten ab und sehe beim Reingehen, wie er mit drei Freunden im Garten auf einem Baumstamm sitzt und gemütlich spielt. Mein Herz geht auf ihn so glücklich zu sehen und es quillt vor Liebe über, als er mich entdeckt und strahlend vor Freude auf mich zu eilt. Und dann höre ich folgende Worte: “ Mama, ich habe leider Kacka in die Hose gemacht. “ Oh je, denke ich, da hatten die Erzieherinnen aber Spaß und ich wieder was zum Waschen. Na toll. Doch dann legt mein Sohn nach: “ Es ist leidet noch drin.“ „Wie, was, jetzt? In deiner Hose??? „, rufe ich entsetzt und sehe ein kräftiges Kopf auf und ab nicken.

Die herzüberquillende Liebe verpufft so plötzlich wie sie gekommen ist und macht dem sich ausbreitende Ärger Platz. Ärger darüber, dass das überhaupt passiert ist, Ärger darüber, dass es keine der Erzieherinnen gemerkt hat, Ärger darüber, dass ich mich darüber ärgere.

„Warum bist du nicht aufs Klo gegangen?“; Frage ich verwundert. „Hab’s nicht rechtzeitig geschafft „, lautet die mir schon bestens bekannte Antwort.

Also schnappe ich ihn und eile in den Wickelraum um die Sch…. Von seinem Hintern zu kratzen. Und für alle, die es nicht wissen: das ist bei einem fast vierjährigen Kind alles andere als ein Vergnügen, kotz,würg.

 

Toll auch, wenn sie ins Popelalter kommen. Da wird ausgiebigst gebohrt und gefoscht, bis der Finger bis zum Anschlag in der Nase und vermeintlich fast im Hirn steckt. Man freut sich im Nachhinein fast, dass einem die Ausgrabungsergebnisse stolz präsentiert wurden bevor sie im Taschentuch verschwanden, statt, wie jetzt im Popelalter angekommen, diese an jeden beliebigen Ort rotzfrech (wortwörtlich) hingeschmiert werden. Da stehe ich zum Beispiel im Bad und wundere mich was da für eine rötlich schimmernde Schleimspur an den weißen Fliesen direkt neben der Toilette klebt, bis mir klar wird: Logo, das ist eine liebevoll vom Sohnemann hingeschmierte Höhlen- äh Popelmalerei. Dasselbe in jeglicher von Kinderhand erreichbarer Höhe über dem Bett. Lecker. Schön auch, wenn der Sohnemann ausgiebig bohrt, natürlich jegliche Ermahnung es sein zu lassen, ignorierend, um nach beendeter Arbeit dann konzentriert die Zutage geförderten seltenen Erden in die Gegend zu schnippen. Oder in die Couchritze zu schmieren, oder an Mamas Hose, den Tisch, das Kuscheltier oder oder oder. Was freue ich mich schon darauf, wenn meine Tochter dieses spaßige Hobby für sich entdeckt.

Ist es nicht Kacka, Pipi oder Rotz, sind es Sabber, Blut oder Eiter. Meine Tochter hat sich neulich das komplette Spaßpacket geleistet, sprich Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung in einem. Während sie also den Schleim in minutenlangen Attacken abhustet – gerne auch auf mich- , reibt sie sich mit ihren Händchen den aus der Nase laufenden Rotz quer übers Gesicht und in die Augen (der Kenner weiß, daher kommt die Bindehautentzündung) um dort dann mit dem aus den Augen quillenden Eiter vermischt zu werden um bei der darauffolgenden notwendigen dicken Umarmung, die die Mama wohl anscheinend jetzt braucht, auf selbiger abgeladen zu werden.

Die Mamas da draußen wissen: all das ekelt eine Mutter ganz schnell nicht mehr, denn es gehört zum Alltag. So wie ein Müllmann auch den Müll kaum noch riecht oder wie man nach dem Probieren von Parfüms nach dem dritten keine Unterschiede mehr erkennt.

Dennoch: Bäh!

Aber trotzdem: Wir lieben die kleinen, dreckigen Kacka- und Rotzmonster trotz allem über alles.

 

 

Ein richtig mega beschissener Kack-Tag

Wenn die Tochter dich nachts vor lauter Husten von oben bis untern voll kotzt und du dich deshalb im Dunkeln umziehen musst, wenn sie dann trotz Müdigkeit am nächsten Tag eine Stunde Theater macht, als du sie zum Mittagschlaf hinlegen willst, und sie vor lauter Geheule noch mehr sabbert und rotzt als sowieso , seit sie so erkältet ist, wenn die Bindehautentzündung besonders heftig ist und auch nach drei Tagen noch der Eiter fließt, das Eintröpfeln der Augentropfen aber immer nur mit Geheul, geheulbedingten Atemaussetztern und einen nassgesprenkelten Gesicht endet, aber nichts von den Tropfen in den Augen landet, wenn Mittags der Sohn ununterbrochen nach Süßem jammert und einfach nicht genug kriegt, wenn man es dann endlich nach draußen zum Ballspielen geschafft hat, aber nach 10 Minuten schon wieder heim muss, weil Madame sich die erkältete Lunge aus dem Leib hustet und der Sohn jammert, weil er unbedingt Süßigkeiten „braucht“, wenn man den ganzen Tag lang Rotz, Sabber, Pipi oder Eiter von den Kindern an sich kleben hat, wenn man am Abend dann wieder eine geschlagene Stunde eine heulende, schimpfende Tochter versucht ins Bett zu bringen und sie sich trotz Müdigkeit lieber heiß schreit, statt endlich einzuschlafen, und man eh schon genervt ist, weil der Sohn wieder mal  „vergessen“ hatte aufs Klo zu gehen und sich deshalb vollgepinkelt hat und abgeduscht werden musste, wenn dann auch noch die verdammten Kartoffeln nach dem Kochen noch hart sind und man sich darüber ärgert, dass man nach so einem ätzenden Tag auch noch zu blöde ist Kartoffeln weich zu kochen, dann war der Tag mal echt richtig mega scheiße.

 

Darauf einen großen Schluck Wein. Prost!

Just married – Meine Hochzeit auf Pillen

„Nicht krank werden!“, habe ich meinen Kindern schon Wochen vor den anstehenden Ereignissen Ostern, Geburtstag und Hochzeit regelmäßig eingebläut. Und das auch noch mit dem pädagogisch unwertvollem Zusatz: „sonst können wir keinen Geburtstag und kein Ostern feiern, und dann gibt’s auch keine Geschenke „. Als würden meine Kinder dann sagen „Ach so, wenn wir krank werden gibt’s nichts geschenkt, ok, alles klar, sagen wir den Viren und Bakterien und dann verschonen die uns.“ Ja, nee, ist klar.

Promt packte meinen Sohn ein hartnäckiger, bellender Husten. Immerhin bleibt er sonst fit. Alles gut soweit. Bis Ostersonntag. Denn da kommt es ganz unerwartet zum hinterhältigen Angriff der Killerviren auf – mich! Die Braut! Perfekt, so 3 Tage vor der Hochzeit und am Vortag vom langersehnten vierten Geburtstag vom „Ich bin dann schon groß“- Mini-Mann. Mein Hals kratzt, und zwar nicht nur ein bisschen sondern richtig heftig und ich mache mich auf einen bald folgenden Schnupfen gefasst.

Aber hey, ich bin eine Frau und kein wegen einer Erkältung kurz vorm Tod stehender Mann, ich packe das, wäre ja gelacht. Gelacht habe ich aber ganz schnell nicht mehr, denn an Ostermontag, dem Geburtstag vom Sohnemann, geht’s mir noch viel schlechter. Der Hals schmerzt, der Kopf drückt und ich bin ziemlich schlapp. Egal. Was muss das muss. Daher am Vorabend noch schnell die Geburtstagstorte fertig gemacht, das Wohnzimmer dekoriert und den Geburtstagstisch gerichtet.  Montag Morgen dann, früh wie immer, werden Geschenke ausgepackt und sich gefreut. Ich halte durch. Noch.

Am Mittag dann, wir sind zum Essen eingeladen, schaffe ich es gerade noch zu Ende zu essen, dann geht nichts mehr. Während alle im Garten im T-Shirt die Sonne genießen, ziehe ich mir meine Winterjacke an und lege mich mit zwei Wolldecken zugedeckt auf die Couch und friere. Mein Kopf hämmert, ich fühle mich scheiße. Um mich rum sind alle fröhlich und die Kinder wollen mir ständig irgendetwas erzählen oder zeigen. Ich will mich in ein dunkles Loch verkriechen und Ruhe haben. Am frühen Abend bin ich durch. Um 18.30Uhr krabble ich in mein Bett und überlasse dem Mann die Kinder. 18 Stunden später stehe ich das erste mal wieder auf. Es geht mir minimal besser. Wie gut, dass an diesem Dienstag noch ca. 100 Dinge für die Hochzeit zu erledigen sind, die ja auch schon in 36 Stunden steigt.

Ich bin ein rigoroser Medikamentenverweigerer, aber da ja nun mal dieses Ding Namens Hochzeit ansteht, nehme ich jetzt dann doch mal eine Paracetamol. Und schlafe weiter. Den ganzen Tag. Der Mann macht sich gut. Er fährt den Mini zur Tante zum dortigen Übernachten, er kümmert sich um Madame, er fährt Sitzordnung, Tischkarten und Gastgeschenke ins Restaurant, meine Schwester bringt die Blumengestecke dorthin und fährt dafür eine Ewigkeit durch die Gegend, die Schwiegereltern fahren die Kuchen und meine Hochzeitstortenbäckerin hat nicht nur ein Kunstwerk gezaubert sondern fährt dieses dann auch noch am späten Abend selbst ins Restaurant. Ich bin gesegnet. Und beruhigt. Und schlafe weiter. Bis zum Mittwoch Morgen. Dem Hochzeitsmorgen.

Zum Frühstück gibt es wieder eine Pille. Mir geht es viel besser, allerdings noch nicht gut. Ich schlurfe durch den Morgen und frage mich mehrfach, ob wir nicht doch hätten verschieben sollen. Aber was das bedeutet hätte! Nee, da muss Frau durch. Wird schon. Eine weitere Pille später und ich mache mich daran, mich brauttechnisch aufzuhübschen. Haare hochstecken – oh, wie anstrengend, Schminken – meine kranken Augen wirken auch durch Farbe nicht gesünder, ins Kleid rein – und so langsam fühle ich mich besser. Sieht ganz gut aus, so in Summe. Und die Sonne scheint, es ist warm. Was will man mehr?! Also. Töchterchen aus dem Mittagschlaf wecken. Und – sie ist mega schlecht gelaunt. Normalerweise ist das nach ein paar Minuten vorbei. Aber da wir etwas unter Zeitdruck stehen, stecke ich sie so müde wie sie ist, in ihr rosa Kleidchen, was ihr gar nicht gefällt und mit schreien quittiert wird. Egal, muss sie durch, so wie ich mich nach 4 Jahren das erste mal wieder in hochhackige Schuhe quetsche. Heute wird schließlich geheiratet!!!

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir mit einer motzigen Maus auf dem Rücksitz zum Standesamt, wo uns unser Sohn vor Freude strahlend nach einer langen Nacht weg von daheim, anspringt – nur um kurz darauf anzufangen zu schimpfen, weil Durst, Hunger, Langeweile….. Es läuft.

Zwei weitere Tabletten später fühle ich mich fast gut! Ich bin jetzt endlich mit dem Vater meiner Kinder verheiratet und glücklich! Der Sohn benimmt sich irgendwann auch, nur die Madame ist leider zum Motzmonster mutiert und will keine Sekunde von meinem Arm, was auf den Hochzeitsfotos nun für die Ewigkeit festgehalten ist.

Alles in Allem aber war es trotzdem ein wunderschöner und fast perfekter Tag, auch dank der Menge an Tabletten, die ich geschluckt habe und die bei mir normalerweise für ein ganzes Jahr gereicht hätten!

P.S. Die Motzmaus war immerhin so brav ihre beidseitige eitrige Bindehautentzündung erst ein paar Tage NACH der Hochzeit zu bekommen.

Die Katastrophenhochzeit – Teil 3 ODER Ein Ring sie zu knechten (und mich zur Verzweiflung zu treiben)

Nun gut. Alles anders als geplant. Keine schnuckelige Trauung nur im Beisein unserer Kinder sondern jetzt dann doch eine kleine Feier mit Freunden und Familie. Ok. wenn da nur der Zeitfaktor nicht wäre!!! Nur noch wenige Wochen und so gut wie nichts steht!

„Ist doch nicht viel zu tun“, sagt der Mann ganz gelassen und ich kann ihn nur ungläubig angucken. Ist nicht viel zu tun???? Mir fallen da ein paar Dinge ein: Kleid, Klamotten für die Kinder, Ringe auswählen, Kuchen und Hochzeitstorte, Einladungen, Tischdeko, Blumenschmuck, Brautstrauß usw. Männer halt! Was will man sagen?

Das Kleid

Ich weiß, was ich will und was ich nicht will. Ein weites wallendes Prinzessinnenkleid im Sisi-Stil definitiv nicht. Etwas, das dem Anlass angemessen ist, aber eben auch passt dafür, dass wir „nur“ aufs Standesamt gehen und danach gemütlich essen. Also durchforste ich das Internet nach Bildern und Ideen. Und dann schnappe ich mir meine Schwester und gehe in einen kleinen Brautladen, der auch Cocktail- und Abendkleider führt. Der netten Dame dort erkläre ich, was ich möchte und zeige ihr ein paar Fotos um sie dann antworten zu hören: “ Oh. Sowas haben wir nicht.“ Na spitze. Das wir also einfach.

Die Dame ist sehr bemüht etwas zu finden, was halbswegs dem entspricht, was ich möchte, und was, wie ich meine, nichts ausgefallenes ist, ist es aber wohl doch. Denn anscheinend heiratet Frau heute gerne frierend, also mit möglichst wenig Stoff obenrum, maximal Spaghettiträger, und das ist so gar nicht mein Ding. Schon gar nicht Anfang April. Sie bringt mir also ein paar Kleider, von denen sie meint, mir zu gefallen, und ich stehe mehrfach ungläubig den Kopf schüttelnd und lachend in der Umkleidekabine. Grauenhaft! Irgendwann fällt der Dame nichts mehr ein und gemeinsam mit meiner Schwester schleppt sie dann doch die von mir rigoros abgelehnten langen Brautkleider an. Da es jetzt auch schon vollends egal ist probiere ich welche an. Meiner Schwester gefällt´s, ich fühle mich nicht wohl. Als ich schon sagen will, ok, das war´s, ich finde nichts, bringt die Verkäuferin noch ein Kleid, das ganz neu geliefert wurde und so halbwegs dem entspricht, was ich mir vorgestellt habe. Ich schlüpfe rein, schaue in den Spiegel und – bin happy. Es passt und es gefällt mir. Und der Preis ist unschlagbar: 199 Euro. Perfekt. Auf dem Weg zur Kasse unterhalte ich mich mit einer anderen Braut und erzähle ihr von meinem Schnäppchen, nur um kurz darauf einen Dämpfer zu erhalten. Im System ist das Kleid nämlich mit 399 satt 199 Euro hinterlegt! Die rosafarbene Variante hängt schon länger im Laden rum und kostet deshalb „nur“ 199€, aber mein Kleid, obwohl identisch und nur in der Farbe anders, kostet schlappe 399 Kröten. Das liegt weit über dem was ich bereit bin zu zahlen, auch wenn der Normalpreis bei Brautkleidern gerne mal bei 1000€ liegt, ich zahle das für unsere klitzekleine Hochzeit mit gemütlichem Essen gehen nicht.

Enttäuscht und frustriert will ich abziehen, da bietet die hilfsbereite Verkäuferin an mit der Chefin zu reden was preislich machbar ist und sich dann bei mir zu melden. Am Abend durchforste ich das Internet ein weiteres Mal nach Kleidern und warte demotiviert auf die Rückmeldung aus dem Laden. Als sie kommt bin ich glücklich. Wir treffen uns in der goldenen Mitte und nun hängt das Kleid in meinem Schrank und wartet auf seinen Einsatz!

Die Ringe

Ich habe ja schon erwähnt, dass der Mann seit dem Kauf des Verlobungsrings Experte ist und jeden Juwelier in die Tasche steckt. Was nun die Eheringe angeht weiß er ganz genau, was er will und was nicht. Ich will: Hübsch. Er will: diese bestimmte Legierung, in jenem Profil, mit dieser Breite und jener Stärke und für meinen Ring einen Stein, der bitte mindestens soundso viel Karat hat. Oh je, es wird also wieder mal einfach. Sollte eigentlich, meint man, wenn Mann genau weiß, was er will. Tja ja, aber MEIN Mann ist halt ein ganz spezieller, also läuft das ganze so:

Juwelier 1: Mann erklärt, was wir wollen, Juwelier hat ganze 4 Paare zur Auswahl da. Zu wenig. Ich will mehr sehen.

Juwelier 2: Alle Trauringe werden gerade einem anderen Paar gezeigt, weshalb wir keine sehen können, was die Verkäuferin aber nicht davon abhält uns eine langen Vortrag über die Vor- und Nachteile der einzelnen Metalle zu halten. Als wir den Laden verlassen sagt der Mann nur : „Die hatte ja gar keine Ahnung, die kennt ja nicht mal den Unterschied zwischen Palladium und Platin.“ Aha. Nun ja.

Juwelier 3: Zeigt uns keine fertigen Ringe sondern nur einfache Silberreifen anhand deren wir die Dicke, Breite, Form etc des gewünschten Rings aussuchen sollen und wir diskutieren ernsthaft darüber, ob der Ring 2,0 oder 1,9 mm dick sein soll. Macht preislich viel aus, ok, aber ICH will den Ring SEHEN bevor ich ihn kaufe und mir nicht einen aus irgendwelchen viel zu großen Silberreifen einen zusammenbasteln, den ich dann fertig maximal am PC sehe. Finde ich doof.

Juwelier 4. Hat schöne Sachen, aber nachdem wir was rausgesucht haben und dann bei der Verkündung des Preises laut schlucken (Mann: „Das geht in gleicher Qualität aber viel günstiger, das weiß ich.“) verspricht die Dame und ein Angebot in verschiedenen Metallen zu machen uns zu schicken. Tage später frage ich nach, wo das Angebot bleibt. Als es dann kommt ist es immer noch viel zu teuer und – da muss ich dem Mann recht geben, denn mittlerweile bin ich auch schon Expertin – das Ganze geht in gleicher Optik woanders günstiger.

Juwelier 3 – Der 2. Besuch: Diesmal mit den Kindern im Schlepptau. Auf der Fahrt schläft der Sohnemann ein und – klar – pinkelt sich voll. Also nach dem Ankommen den quengelnden übermüdeten Sohn im Parkhaus erstmal umziehen. Im Laden dann die nächste Katastrophe: wegen eines Staus waren wir zu spät, unser Termin wurde anderweitig vergeben, wir können warten, wie lange kann uns keiner sagen. Na toll. Den Kindern Brezeln in die Hand gedrückt und dann, Gott sei Dank, hat doch jemand für uns Zeit. Das gleiche Spiel mit Profilen, Stärken etc, doch mittlerweile kennen wir uns ja aus und das Ganze scheint mir nicht mehr ganz so abstrakt wie beim ersten Mal. Dann erreicht ein Duft meine Nase. Madame hat sich eingekackt. Spitze. Der Mann geht die Windel wechseln – und kommt erst gefühlte Stunden später zurück. Wir bestellen noch nicht, wollen nachdenken.

Juwelier 4: „Du, ich habe da zufällig einen Juwelier im Internet entdeckt, der tolle Ringe macht“, sagt der Mann und ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen. Wir werden nie fertig!, denke ich. Aber letztlich bestellen wir tatsächlich dort und nach einigem hin und her Gefahre zur nächsten  Filiale haben wir nun die fertigen Ringe zu einem guten Preis eine Woche vor der Trauung im Haus.

 

So gaaaaanz langsam kommt Land in Sicht.

Von Pseudo-Bio, unterschiedlichen Kindern und Boxhandschuhen

Der Bio-Boom. Eigentlich eine gute Sache. Nur leider auch etwas verwirrend, wenn man im Supermarkt vorm Gemüsestand steht und die Wahl hat zwischen einer normalen Gurke, natürlich in Plastik eingeschweißt und aus Spanien kommend, und einer Bio-Gurke, ebenfalls im Plastikmantel und auch aus Spanien eingewandert. „Wo ist das noch Bio?“, frage ich mich. Das Plastik ist es definitiv nicht, die weite Anreise aus Spanien trägt sicherlich auch nicht zu einer positiven Umweltbilanz bei. Ist das, was an Bio also übrig bleibt einzig und allein der Preis?

Schlimm, fast schmerzhaft ist auch, was ich nur wenige Schritte von meiner Haustür entfernt schon beobachten musste. Da stehen vor einem Mehrfamilienhaus 2 knorrige Birnbäume, die Unmengen an Früchten trugen, und was geschah damit? Sie faulten langsam und gemütlich vor sich hin bis sie irgendwann vom Baum fielen und am Boden vollends verrotteten. Wahrscheinlich gehen die Hauseigentümer lieber zum Supermarkt und kaufen dort im Plastik eingeschweißte Bio-Birnen aus Spanien. Ich habe mich jedenfalls auch nicht getraut die saftigen Früchte vom Baum zu pflücken – wir sind ja nun mal im kleinbürgerlichen Deutschland ansässig und ich wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt wegen Diebstahls angezeigt worden. So machen wir uns nun alle schuldig, indem wir die Birnen vergammeln lassen und statt dessen CO2 ausstoßen was das Zeug hält, um Obst von sonst wo her zu karren

Ich hatte im Laden schön öfter die Wahl zwischen Äpfeln aus Chile oder Neuseeland und habe dann einfach gar keine gekauft. Ist ja nicht so, als würden in Deutschland keine Äpfel wachsen.

Toll auch, dass der Mann so Bio-bewusst ist. Da hat er doch glatt Bio-Milch gekauft – was immer das auch heißen mag – und an sich ja löblich ist. Wäre besagte Milch nicht aus unserem lieben Nachbarland Österreich. Nichts falsch verstehen, das soll nichts gegen unsere lieben Nachbarn heißen und die österreichischen Kühe geben ganz bestimmt tolle Milch, aber die nicht Bio-Milch, die noch im Vorratsschrank auf ihren Einsatz wartet, ist aus Deutschland. Ist das dann nicht eher Bio als die Pseudo-bio Milch aus Österreich herzuschaffen?

Ganz hörts dann auf, wenn der Mann es zu gut meint und Bio-Mehl kauft – das nicht zum Kuchen backen geeignet ist, da zu dunkel. Somit liegt es jetzt nutzlos rum. Damit ist spätestens in diesem Fall das Bio-Siegel für sie Tonne.

Ich muss mich selbst aber auch schimpfen. Wir haben einen Geflügelhof gleich ums Eck,  bei dem es massenhaft Bio-Eier zu vernünftigen Preisen zu kaufen gibt. Aber ich gehe lieber aus praktischen Gründen in den Laden gleich neben dem Kindergarten. Mea culpa.  Mein Sohn zumindest isst nur eine Sorte Ei: Das Überraschungsei. Und das ist ganz sicher nicht Bio.

Wenigsten Essen meine Kinder ansonsten so ziemlich alles, bio hin oder her. Nach den Mahlzeiten setzte ich meine 1,5 jährige Tochter unter den Esstisch und spare mir da mit das Saugen. Auch sehr umweltbewusst.

Und so schwer es mir manchmal fällt den Unterschied zwischen „bio “ und „normal“ zu erkennen, so groß ist der Unterschied zwischen meinen Kindern. Sie sind beide in meinem Bauch herangewachsen – damit hat sich die Ähnlichkeit auch schon. Ab dann wird alles anders. Eins männlich, eins weiblich und optisch absolut keine Ähnlichkeit zueinander. Das ist manchmal ähnlich konfus wie der Bio-Irrsinn.

Während mein 4 jähriger Sohn es für mutig hält vom Couchtisch auf die Couch zu springen und dafür Applaus und Lob erwartet, besteigt seine Schwester seit sie krabbeln konnte alles was ihr in die Quere kommt (bei Männern darf sie das allerdings nicht vor ihrem 30. Geburtstag). Sie klettert auf Stühle, Tische die Couch – und fliegt natürlich auch mal runter. Ich gucke schon gar nicht mehr hin, weil sie nie am Boden ist sondern immer irgendwo oben. Mein Sohn hingegen hat Angst vor der kleinsten Erhebung. Im Kinderturnen, das wir wegen ihm besuchen, macht er nichts anderes, als über die  am Boden liegenden blauen Matten zu kaspern, während seine kleine Schwester eifrig beturnt wobei Mama ihr hilft.

Dafür brüllt Madame wie unter Folter, sobald ich den Raum verlasse, während Sohnemann schon als Baby problemlos auswärts geschlafen hat, was bei Madame bis heute undenkbar ist. Die Eingewöhnungszeit im Kindergarten hat beim Mini Mann ganze 5 Tage gedauert, ich befürchte bei meiner Tochter werden es 5 Monate werden.

Da fällt mir doch noch eine Sache ein, bei der sie sich ähneln. Beim Austeilen. Sie prügelt, kratzt und zwickt mindestens so gut wie er. Sobald sie ein bisschen größer ist besorge ich für beide Boxhandschuhe und begnüge mich damit am Ring zu stehen und sie bei ihrem Kampf zu beobachten. Und vielleicht esse ich dann nebenher gemütlich eine Bio-Banane vom anderen Ende der Welt.

Mama Oktopus

Ich wäre gerne ein Oktopus! Kein dämliches Einhorn mit wallender Mähne, das womöglich noch rosaglitzernd durch die Gegend fliegen kann. Kein eleganter Schwan, der elfengleich übers Wasser gleitet, und auch kein bunter hübsch anzusehender Paradiesvogel oder stolzer Pfau mit schimmerndem Rad. Nee, nee. Ich wäre gerne ein Oktopus.

Acht Arme, das wäre doch was! Was nützen mir bunte Federn oder ein Horn auf der Stirn? Nix, aber rein gar nix! Aber acht Arme, das wäre der Bringer.

Dann könnte ich meiner Tochter ihren Frühstücksbrei füttern, während ich parallel dazu meinem Sohn sein zweites Marmeladenbrot schmiere und gleichzeitig sein Vesper für den Kindergarten vorbereite, während ich mit Arm Nummer vier schon mal die Küche von den Überresten des Abendessens erlöse.

Dann könnte ich später mit einem Arm die Spülmaschine ausräumen und mit den zweiten Madame davon abhalten in eben diese – offenbar unwiderstehlich anziehende – zu kriechen und mir nebenbei ein Kaffee rauslassen um diesen dann genüsslich zu trinken während Arm Nummer eins nunmehr die Spülmaschine wieder einräumt.

Mit acht Armen könnte ich meinem definitiv nicht zum Künstler geborenen Sohn dabei helfen eine Schatzkarte zu malen, während ich gleichzeitig meiner Tochter den Wachsstift entwende BEVOR sie die Hälfte davon aufgegessen hat, und nebenher könnte ich mit einem anderen Arm bereits die Wasserfarben holen, die mein Sohn ankündigt als nächstes haben zu wollen und – welche Wonne – gleichzeitig könnte ich liegen gebliebene WhatsApp Nachrichten beantworten.

Acht Arme wären am Morgen so geschickt, wenn der Sohn sich wiedermal partout weigert sich anzuziehen. Dann könnte Arm Nummer 1 ihn festhalten und Arme Nummer 2 und 3 könnten der faulen Socke eben diese überziehen, während Arm Nummer 4 und 5 sich um das Wickeln und Anziehen der Madame kümmern.

Auch beim Baden wären mehrere Arme sowas von hilfreich. Arm 1 kann die Madame festhalten, wenn sie mal wieder in Panik gerät, sobald die Brause in Sicht kommt um ihr das Shampoo vom Kopf zu spülen, und sie deshalb im Galopp aus der Wanne hüpfen will. Arm 1 hält also das Kind, Arm 2 spült das Haar aus, Arm 3 hält den Lappen bereit, mit dem im Anschluss das böse Wasser vom Gesicht getupft wird. Oder beim Rausholen aus der Wanne. Madame wird rausgehoben, dann mit 2 Armen abgetrocknet, mit einem weiteren wieder eingefangen, sobald sie anfängt nackig durchs Bad zu hüpfen, gleichzeitig können die restlichen Arme das Wickeln, Anziehen und Föhnen übernehmen. Sollte noch ein Arm frei sein, könnte ich mir mit diesem die Schweißtropfen von der Stirn wischen, die unweigerlich bei so viel Arbeit in einem überheizten Badezimmer entstehen.

Oder am Abend. Wenn der Tag wieder mal gefühlte hundert Stunden gedauert hat, die Tochter nach einer halben Stunde Mamas Arm (in diesem Fall dann einen der Acht) festhalten endlich eingeschlafen ist und der Sohnemann nun aufs Vorlesen besteht, dann könnte ein Arm das Buch halten und zwei weitere Arme gleichzeitig den Mini umziehen, während die Arme 4 und 5 bereits ein bisschen Klarschiff im spielzeugüberladenen Wohnzimmer machen und – das beste von Allem – Arm 6 und 7 schenken ein Gläschen Rotwein ein, von dem ich während des Vorlesens genüsslich kosten kann.

Ach wie toll wäre es doch, ein Krake zu sein! Besonders zu Zeiten wie diesen, wenn Madame, die Laufverweigerin, sich den Knöchel verletzt und mit eben diesem in angeschwollen und blau erst Recht nicht laufen sondern – selbstverständlich – und so wie eigentlich immer, getragen werden will. Während ich also den lauffaulen und jetzt noch fußkaputten Mops durch die Gegend schleppe, kann ich gleichzeitig und ohne Probleme dem Sohn, der seiner verletzten Schwester in nichts nachstehen will, seine Augentropfen einträufeln in der Hoffnung, das der virale Augeninfekt so verschwindet und die Augen ihren Weg aus dem blutunterlaufenen Zombiedasein heraus finden. Und was die Kinder können, kann Mann schon lang. Da ich mich mit acht Armen sonst langweilen könnte, legt sich der Mann also noch eine ordentliche Schulterverletzung zu, so dass der rechte Arm mehr oder minder unbrauchbar ist, was besonders toll ist, so als Rechtshänder. Aber zum Glück bin da ich, mit meinen acht Armen. Oh Mist, 6 davon sind ja nur imaginär!

Ach wäre ich doch nur ein Oktopus mit acht Armen! Aber wahrscheinlich wünschte ich mir dann, ich könnte mich klonen und hätte 16.