Ein ganz normaler Morgen

Ich will euch von einem ganz normalen Morgen bei uns zu Hause berichten.

Meine Baby-Tochter hält anscheinend nichts von Ratgebern und dem, was Babys normalerweise so tun. Sie hat nämlich entschieden, dass die obligatorischen 12 Stunden Schlaf pro Nacht Zeitverschwendung sind, und dass mehrstündiges Schlafen am Tag überbewertet wird. Also ist sie zu ihrer Standardzeit um 6.10Uhr , nach gerade einmal 10 Stunden mehrfach unterbrochenen Schlafs glockenwach und meckert, weil sie aufstehen will. Nochmal umdrehen ist nicht. Gleichzeitig höre ich ein Trap-Trap-Trap im Flur und weiß, meine Sohnemann ist auch schon wach. Herrlich. Ich versuche also die verquollenen Augen zu öffnen, wuchte mich schlaftrunken aus dem Bett, schnappe meinen Brocken von Tochter und gehe ins Wohnzimmer.

„Hallo Mama“, werde ich von meinem Sohn begrüßt. „Ich habe SO einen Hunger. Machst du mir Frühstück?“ Ach was für eine schöne Begrüßung. Ich versuche die verklebten Augen voll zu öffnen und spüre die mehr als volle Windel meiner Tochter an meinem Arm. Mein Hirn will noch nicht so ganz mitmachen, aber ich versuche trotzdem abzuwägen was ich sinnvollerweise als erstes mache: die kurz vorm Überquellende Windel wechseln, meiner mittlerweile auch hungrigen Tochter ihren Brei anrühren oder meinem kurz vorm Hungertod stehenden Sohn sein Frühstück machen. „Schatz, ich mache deiner Schwester schnell eine frische Windel bevor sie platzt“, entscheide ich mich. „NEIN. Das sollst du nicht! Ich habe sooooo einen Hunger, du sollst mir jetzt ENDLICH Frühstück machen!“, schallt es mir entgegen. Es ist 6.20Uhr und ich habe schon jede Menge Spaß.

Zum Glück ist der Papa noch zu Hause, Sohnemann ist also kurzfristig abgelenkt, ich mache meiner Tochter schnell eine Windel und rühre dann ihren Brei an. „Ich füttere schnell deine Schwester und dann frühstücken wir zwei zusammen, ok?“, sage ich zu meinem Sohn. Der findet diesen Vorschlag allerdings nicht so toll. „Du sollst sie nicht füttern, du sollst mir jetzt endlich Frühstück machen! Ich kann nicht mehr warten!“, ist seine Reaktion. Mittlerweile quakt auch meine Tochter, denn sie sieht ihren Brei genau und schimpft jetzt, weil die böse Mama statt sie zu füttern ihrem Bruder sein lauthals verlangtes Marmeladebrot schmiert.

Schließlich sitzen wir am Tisch, ich füttere meine Tochter und mein Sohn schaut sein Brot an. ?! Jap, er schaut es an. „Schatz, warum isst du denn nicht?“, frage ich. „Ich warte auf dich, Mama.“ Häää? Spinn ich jetzt? Erst wollte er keine Sekunde warten, geschweige denn bis seine Schwester gefüttert ist und ich Zeit hätte mit ihm zusammen zu essen und jetzt will er auf mich warten?! Mir fällt nichts ein, was ich dazu sagen könnte und schaufel meiner Tochter weiter den Brei rein. Irgendwann fängt mein halbverhungerter Sohn dann doch an zu essen. Ich schaffe es dann auch noch mir ein Brot zu schmieren und als ich die Hälfte davon gegessen habe nörgelt meine Sohn, der bereits satt ist „Wann bist du denn ENDLICH fertig, Mama? Ich will, dass du mit mir spielst.“ Ich bin einfach nur müde und stopfe mir das restliche Brot rein.

Dann ziehe ich meine Kinder an und starte mit dem Mama-Wellness-Programm: Duschen UND Haare waschen. Wahnsinn, oder? Während ich also in der Dusche stehe (Sohn: „Mama, warum musst du IMMER duschen?), spielen die Kinder auf dem Badezimmerboden. Es ist fast entspannt, ich muss nur drei mal aus der Dusche rufen. „Schubs deine Schwester nicht ständig um!“ „Das Kleid will ich gleich anziehen, bitte schleif es nicht über den Boden!“ „Nimm deiner Schwester doch nicht die ganze Zeit ihre Rassel weg!“ Ich seife mich also ein und schaue dabei ab und zu durch die gläserne Duschtür um zu prüfen, ob auch ja keiner Gefahr läuft sich den Kopf gegen die Badewanne zu knallen oder die Klobürste einer genaueren Inspektion zu unterziehen (ist alles schon passiert). Während ich den Schaum abdusche („Mama, wann bist du ENDLICH fertig?“) bedauere ich, dass wieder einmal keine Zeit zum Rasieren oder für eine Haarspülung ist.

Als ich aus der Dusche steige suche ich mir eine Platz zwischen den Kindern und diversen Spielsachen und trockne mich ab. Der Handtuchturban auf meinem Kopf verleitet meine Tochter wieder einmal dazu lauthals loszuheulen. Ich rubbel mir also schnell die Haare trocken und gehe in Turbogeschwindigkeit mit der Bürste einmal durch. Föhnen oder gar frisieren ist selbstverständlich nicht drin.

Dann schmiere ich Brote und schäle einen Apfel und bereite das Kindergartenvesper für den immer hungrigen Sohnemann vor. Meiner Tochter ist langweilig oder sie will einfach nur mal wieder auf den Arm, egal, auf jeden Fall schreit sie. Und hört nicht auf. Ich lege noch einen Zahn zu, was kaum noch geht und packe in Lichtgeschwindigkeit alles zusammen, schmeiße mich noch schnell in Klamotten, mit denen man auch das Haus verlassen kann, und creme meinen Sohn mit Sonnencreme ein. Währenddessen hat das Stimmchen meiner Tochter Presslufthammer-Lautstärke erreicht und meine Nerven liegen blank. Mein Sohn hat keinen Bock sich eincremen zu lassen also mache ich es nur rudimentär und beschmiere dabei natürlich meine Hose und den Boden. Schnell die Schuhe an. „Mama, du MUSST mir helfen, ich bin noch zu klein dazu“, jammmert der faule dreijährige, der Dinge nur dann kann, wenn er Lust dazu hat. Kindergartenrucksack geschnappt, Helm auf, Laufrad geschnappt und die Sirene in den Kinderwagen gesetzt, die jetzt endlich Ruhe gibt. Einmal tief durchatmen und los geht´s.

Im Kindergarten angekommen hängen wir den Rucksack an die Garderobe, ziehen Söhnchens Schuhe aus und gehen zum Spielzimmer, wo ich ihn verabschieden will. „Aber Mama, der M. ist noch nicht da? Wo ist er bloß?“. Sein bester Freund ist nicht im Zimmer und ohne den geht gar nichts. Ich bin durch, mir ist heiß und ich will einfach nur heim und mich den Krümeln auf dem Küchentisch widmen, aber mein Sohn ist kurz vorm Weinen. „Der ist bestimmt beim Frühstück und kommt gleich“, sage ich. „Dann will ich auch zum Frühstück“. War ja klar. Also Rucksack wieder geholt, zum Frühstücksraum gegangen und dann – „Mama, der M. ist schon fertig mit frühstücken, dann will ich jetzt auch nicht mehr“. Oh Mann! Also den Rucksack wieder zurück an die Garderobe gebracht, den Sohn wieder zum Spielzimmer begleitet und dabei immer die mittlerweile wieder nörgelnde Tochter im Schlepptau. Kuss und Umarmung und ich komme endlich los.

Ich bin ziemlich genervt, kaputt und wieder verschwitzt. Die Dusche hätte ich mir sparen können. Meine Tochter motzt auf dem Heimweg im Kinderwagen und ich mache im Kopf einen Plan was ich zu Hause alles machen muss: Marmelade vom Esstisch kratzten, zwei Ladungen Wäsche waschen, und, und, und. Genervt, gestresst. Seit dem Aufstehen sind gerade einmal zwei Stunden vergangen und es ist erst 8.15Uhr. Wie schön.

Erstmal einen Kaffee.

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