Guantanamo

Immer wieder denke ich, dass meine Kinder perfekt ins Gefangenenlager Guantanamo passen würden. Nicht als Insassen, als Folterinstrumente.

Klingt das fies? Vielleicht. Hier aber die Begründung.

Es gibt bekanntermaßen unendlich viele Foltermethoden und meine Kinder haben ein paar davon perfektioniert. Okay, Waterbording ist nicht dabei (Wobei?- Meine Tochter sabbert derzeit soviel, dass das zumindest theroetisch möglich wäre) , aber sie haben eine Menge anderes drauf. Zu viel Lärm erhöht bekanntlich den Stresspegel und macht auf Dauer krank. Meine beiden Kinder sind – warum auch immer- lauter als andere. Ehrlich. Ich höre die beiden immer. Zum Beispiel wenn wir auf dem Spielplatz sind, dann kann ich am anderen Ende als mein Sohn sein, außer Sichtweite, und ich höre ihn! Und damit meine ich nicht, wenn er schreit oder heult, sondern einfach so, wenn er redet. Dass meine Kinder so laut sind passt so gar nicht, denn ich höre leider gut. Sehr gut. Kennt ihr das, wenn man sein Handy per Ladekabel aufflädt und das Summen des Kabels hört? Nein? Ich schon! Mein Sohn ist LAUT. Und meine Tochter hat sich das offensichtlich abgeguckt und gemerkt „Aha, so geht das, immer so laut sein wie man kann. Das krieg ich hin.“ Die zwei sitzen manchmal da und brüllen sich einfach so gegenseitig mit einem lauten „Ahhhhh!“ an. Und haben Spaß dabei 😦 Bei uns geht leider nichts in normaler Lautstärke ab. Nichts. Schlimm…..

Und meine Tochter ist Sadistin. Als mein Sohn ein Baby war, hat er oft zum Einschlafen eine Hand in meine Haare gesteckt und genüsslich in meinen Haaren rumgewurstelt oder daran gezogen. Das hat mal mehr mal weniger weh getan aber genervt hat es immer. Und wehe ich habe seine Hand aus meinen Haaren entfernt, dann war das Gemotzte sofort riesig und das Einschlafen wieder weit entfernt. Es gibt Kinder, die stecken, wenn sie müde sind, eine Hand in den Ausschnitt ihrer Mutter. Ok, sicherlich nicht schmerzhaft aber wahrscheinlich auch nicht das Schönste. Aber meine Tochter toppt alles. Ehrlich. Sie zwickt nämlich. Und zwar nicht nur einmal sondern DIE GANZE ZEIT. Sobald ich sie auf dem Arm habe, sie müde ist und ich sie hinlegen will legt sie los mit ihren kleinen Fingerchen und den messerscharfen Fingernägeln (Nein, regelmäßiges Schneiden hilft nicht) und zwickt mich. Am liebsten in die besonders dünne und empfindliche Haut am Dekolltè, wenn sie da nicht ran kommt (Mama ist schlau und zieht hochgeschlossene Sachen an, wenn sie´s nicht vergisst), dann in die Oberarme, und wenn die böse Mama was langärmliges anzieht, dann in den Hals. Für Rollkragen ist es jetzt im August noch zu warm. Und wehe, wehe ich ziehe ihre Hand weg, halte sie fest oder biete ihr nicht wenigstens einen Quadratzentimeter Haut zum Kneifen an, dann ist das Gebrüll groß und ich kann das Einschlafen vergessen. (Warum trage ich sie, warum lege ich sie nicht einfach ins Bett? Gute Frage. Aber viele Mamas wissen, dass es ein „einfach“ nicht gibt.) Und dann zwickt und zwickt sie – gerne bis zu 45min, bis sie endlich beschließt die Müdigkeit siegen zu lassen und einzuschlafen. Kleine Wunden und gerötete Haut gehören bei mir seitdem standardmäßig dazu.

Warum? Warum, Mama, warum? Ok, das ist nichts besonderes, das kennen alle Mamas kleiner Kinder. Man hört ca. 1 Mio mal am Tag die Frage „Warum?“. Und das TREIBT EINEN IN DEN WAHNSINN! Folter durch Dauerfragerei. Diese Foltermethode mag Google vielleicht nicht kennen, aber es gibt sie. Ich weiß es. Ich bin ihr täglich ausgesetzt. Besonders schön ist die Variante, wenn man am Ende der Fragerunde wieder am Anfang, also bei der Ursprungsfrage ankommt, und sich denkt, warum habe ich das alles nur erklärt, wenn doch offensichtlich eh keiner zugehört hat. Beispiel: „Mama, warum sind die Dinosaurier ausgestorben?“ Mein Versuch es für einen dreijährigen verständlich zu erklären „Weil ein Stück von einem Stern auf die Erde gefallen ist und dann sind sie gestorben.“ „Warum?“ „Weil der beim Aufprall auf die Erde so viel Staub in die Luft geschossen hat, dass die Sonne durch den Staub nicht mehr durchscheinen konnte, dann sind die Pflanzen gestorben, und dann die Dinosaurier.“ „Warum?“ „Weil sie ohne Pflanzen nichts zu Essen hatten und verhungert sind“. „Und das hat alles der Stern, der vom Himmel gefallen ist gemacht?“ „Ja.“ „Hat der auch die Dinosaurier getötet?“ „Ja“ „Warum?“ Uff.

Schlafentzug. Das kennt jede Mutter. Kinder führen zu Schlafentzug. Bringt meine Kinder nach Guantanomo und die Gefangenen sind durch den Schlafmangel irgendwann so fertig, dass sie alles gestehen, nur um endlich mal wieder schlafen zu dürfen. Meine Kinder schlafen soooo wenig. 10 Stunden max. Mit Unterbrechungen. Im Falle meiner Tochter mit vielen. 10 Stunden sind doch ok, sagt ihr? Naja, man darf nicht vergessen, dass die ab 19Uhr gelten, wenn ich also nicht auch schon um diese Zeit im Nest liegen will, sondern vielleicht erst um 22 Uhr, dann fallen schon mal drei Stunden weg. Bleiben sieben. Unterbrochene. Jede Nacht. Auch am Wochenende. Das bedeutet NIEMALS ist Ausschlafen angesagt. Nie. Nie kann ich selbst entscheiden wie lange ich schlafe. Und das zehrt an den Nerven….

Bin ich eine Rabenmutter meine Kinder als Folterknechte darzustellen? Ich bin halt ehrlich. Und mit einem bißchen Humor müsst ihr das Ganze hier schon auch lesen 🙂 Sollte jemand aus Guantanamo anfragen, ob meine Kinder zur Verfügung stehen – nein, das tun sie nicht, ich behalte meine kleinen Nervbolde lieber selbst. :-))

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