Morgenstund hat Gold im Mund

„Morgenstund hat Gold im Mund“ oder „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Was für Sprichworte.

Allerdings fand ich das heute morgen, als meine Tochter um 5.20Uhr beschlossen hat, wach zu werden, nicht so prickelnd. Der frühe Vogel kann mich mal. Um 5.20Uhr will ich gar nichts fangen, keinen Wurm und auch sonst nichts. Da will ich nur eins: Schlafen! So früh bin ich nicht mal aufgestanden, als ich noch arbeiten gegangen bin. Aber tja, mittlerweile weiß ich, dass „Arbeiten gehen“ im Vergleich zum Kinderhüten manchmal das reinste Zuckerschlecken war. Zumindest schlaftechnisch. Und auch sonst so.

Morgenstund hat Gold im Mund. Was soll das bedeuten? Soll das den Sonnenaufgang bezeichnen? Falls ja, der war heute morgen um 5.20Uhr noch weit entfernt. Und die einzige, die zu dieser grausam frühen Zeit schon etwas im Mund hatte, war meine Tochter – nämlich meine Hand. Dass sie gerne zwickt habe ich ja schon erzählt (siehe meinen Post „Guantanamo“). Aber auf Beißen steht sie auch. Da sie mich aus dem Tiefschlaf gerissen hat, hatte ich die leise Hoffnung sie nochmal beruhigen zu können um noch ein klitzekleines bißchen Schlaf zu ergattern. Allein bei der Hoffnung blieb es. Denn um sie zu beruhigen reicht es oft, wenn ich ihr einfach die Hand auf den Rücken lege und leise irgendetwas vor mich hin murmle, bevorzugt „Alles ist gut, Mama ist da“. Hilft manchmal. Oder sie schnappt sich mit ihren Patschehändchen meine Hand und hält sie fest. Hilft auch. Heute morgen habe ich also genau das probiert und nach 10 Minuten Terror wurde sie plötzlich ruhig und still. Geschafft. Dachte ich. Kurzfristig. Denn als ich gerade dabei war wieder ins Land der Träume abzudriften, da geht der Spaß von vorne los. Nur hilft jetzt Handauflegen nicht mehr, jetzt ist Beißen angesagt. Sie nimmt also meine Hand und beißt rein wo sie kann, ein Stückchen Haut, die Fingerkuppe, egal. Und mit den messerscharfen Milchzähnchen ist das herrlich. Vorsorglich hatte ich ihr nur die linke Hand hingestreckt. Den Mittelfinger meiner rechten Hand ziert nämlich gerade ein Pflaster. Ein buntes Kinderpflaster, das mir mein Sohn freundlicherweise überlassen hat. Die Wunde darunter wiederum hat mir meine Tochter bereitet. Unfreundlicherweise. Da hat sie nämlich mal in einer morgendlichen Beißorgie zu fest zugebissen, so dass die Haut an einer kleinen Stelle weg war. Und da man als Mama am Tag etwa 1.000 Mal die Hände wäscht, will die Wunde nicht wirklich verheilen. Daher das Pflaster.

Aber das Beißen bringt nichts. Außer Schmerzen für mich. Beruhigen will sie sich nicht mehr. Mist, denke ich. Dann muss ich wohl aufstehen. Mein Sohn ist auch schon wieder – Trap, Trap, Trap – auf dem Flur zugange. 5.50Uhr. Klasse.

Sohnemann kuschelt auf der Couch mit dem übermüdeten Papa, der sich ebenfalls noch im Halbschlaf befindet. Ich nutze die Zeit und eile schlaftrunken und noch halb blind mit meiner Tochter ins Kinderzimmer um sie zu wickeln. Aus ihrer Windel duftet es nämlich mittlerweile ziemlich. Sie ist quietschfidel und vergnügt dabei. Wenigstens eine.

Danach der selbe Ablauf wie immer. Erst der Madame den Brei anrühren, dann dem Sohn Frühstück machen. Ähm, der selbe Ablauf wie immer?! Nee, is heute nicht. Mein Sohn hat nämlich beschlossen, dass er JETZT SOFORT seine Haba Kugelbahn aufbauen will. Vor dem Frühstück. Heute scheint er also ausnahmsweise nicht am Verhungern zu sein. Es ist 6.00Uhr. Ich bin noch zu müde um genervt zu sein, mein Puls beschleunigt sich nur minimal. „Schatz, erst frühtsücken, ok?“, versuche ich es. „NEIN! Ich will nicht frühstücken, ich will jetzt meine Kugelbahn haben!“ Das macht Spaß. Ich wuchte ihm also die Verpackung mit der Bahn vom Regal und bitte ihn sie selbst aufzubauen, damit ich wenigstens seine Schwester erstmal füttern kann. „Aber ich will, dass du mit mir spielst, du sollst kein Frühstück machen“, jammert er. Erst nach einiger Diskussion ist er einverstanden. Und ich weiß gleichzeitig genau, dass die Ruhe nicht lange währen wird. Während ich also die Kleine füttere rumpelt es im Kinderzimmer und klappert und irgendwann geht das unvermeidliche Gebrüll los. War ja klar. „MAMAAAAA! Du MUSST mir helfen. Das geht nicht. Ich bin erst drei Jahre, ich bin noch zu klein dafür.“ Ohne scheiß, das hat er tatsächlich gesagt. 6.10Uhr . Zu müde zum Reagieren lasse ich ihn Brüllen und stopfe meine Tochter weiter den Brei rein, die sich dabei in ihrem Hochstuhl immer wieder dreht und windet, weil sie sehen will woher der ohrenbetäubende Lärm kommt.

Irgendwann gibt die Heulboje auf und kommt doch zum Frühstückstisch gelaufen. „Wann kriege ich ENDLICH mein Frühstück“, fragt er. Ich bin zu platt um zu antworten. Wenigstens bleibt mir heute die beinahe täglich stattfindende Nutella-Diskussion erspart. Das gibt es bei uns nämlich nur am Wochenende, woraufhin mein Sohn immer wieder gerne bekundet, dass ER WILL, das JETZT Wochenende ist, egal welcher Wochentag tatsächlich ist, oder dass er HEUTE doch bitte AUSNAHMSWEISE mal Nutella haben will. Und das jeden Tag. Irgendwann sind beide Kinder abgefüttert und ich so langsam wach. Es ist 6.35Uhr.

Guten Morgen.

 

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