Nutella, Überraschungsei und Co.

Kinder lieben Süßigkeiten. Wenn es nach meinem Sohn ginge würde er sich von nichts anderem ernähren, was wohl auf die meisten Dreijährigen zutrifft. Und wir führen deshalb immer wieder und wieder und wieder die selben Diskussionen. Gerne schon morgens um halb sieben. Da hätte er wahlweise gerne mal ein Eis zum Frühstück oder eben irgendetwas Süße, nur nichts „richtiges“. Wobei man, wenn man ehrlich ist, bei dem, was er zum Frühstück bekommt, sowieso nicht unbedingt von etwas „richtigem“ sprechen kann. Er isst Toastbrot mit Marmelade. Normales Brot geht gar nicht. Ab und zu mal Müsli, aber auch nur dann, wenn schön ungesundes Zeug darin ist, wie Froot Loops oder Schokostückchen oder so ein Mist. Und am Wochenende, NUR am Wochenende, darf er auf sein Toastbrot Nutella haben. Ein kleines bißchen Mäßigung muss also sein. Und schon befinden wir uns in der Dauerschleife der Nutella-Diskussion. Ich muss kurz ausholen. Ich habe vor einer Weile eine Zeitleiste an unserem Kühlschrank befestigt, auf die ich jeden Wochentag geschrieben habe, durch einen fetten Strich sind die Tage voneinander getrennt und so unterscheidbar, und die beiden Wochenendtage sind orange unterlegt. Jeden Morgen darf Sohnemann einen kleinen runden Magneten auf den Tag schieben, der beim Aufstehen angebrochen ist, was er mit großer Begeisterung macht. Und dabei sieht er, ob ein normaler Wochentag ist, an dem Papa arbeiten und er in den Kindergarten geht, wie weit das Wochenende, an dem alle zu Hause sind und er Nutella essen darf noch entfernt ist oder ob sogar – jubel, jubel – schon Wochenende ist. Zurück zum Frühstück neulich. Das Nutella-Monster hat den Magneten verschoben, es ist Freitag. Freitag liegt neben dem orange unterlegten Samstag, der, wie mein Sohn an der Farbe erkennt, ein Wochenendtag ist. Freitag, das sieht er, da nicht orange, ist ein ganz normaler Wochentag. So jetzt kommt´s. „Mama, ich will heute Nutella haben“, fordert mein Sohn. Ich erlaube es ihm nicht und weise darauf hin, dass, wie er am Magneten auf der Zeitleiste erkennen kann, heute kein Wochenende ist. „Ich will aber trotzdem Nutella!“, ruft er aufgebracht. Ich bleibe ruhig und wiederhole die Erklärung, warum es heute kein Nutella geben wird. „Aber Mama“, motzt mein Sohn jetzt, „der Magnet ist doch aber schon NEBEN dem Wochenende, da kann man auch heute schon Nutella essen!“ Seiner Logik nach kommt der Magnet ja fast mit dem oragenen Samstag in Berührung, also kann man doch auch heute schon Nutella essen. Klar. Aber nein. Ich bleibe standhaft. Das bringt mir viel Gemotze ein, aber wenn ich jetzt weich werde, hätte die ganze Zeitschiene keinen Sinn mehr und ab und zu versuche ich pädagogisch sinnvoll zu handeln 🙂

Sehr schön verlief da Frühstück auch am Sonntag neulich. Da er sich am Samstag (Freude, Jubel, er durfte Nutella essen) beim Nutella-Toast essen natürlich in einer wahren Meisterleistung wieder von oben bis unten mit der Nusscreme vollgeschmiert hat (seuftz, endlich wieder was zum Waschen), sitzt er am Sonntag morgen mit einem gestern Abend frisch angezogenen Schlafanzug am Frühstückstisch. Und er mampft und labert und erzählt und gestikuliert und …. schmiert sich dabei Nutella quer übers Gesicht und benutzt sein Schlafoberteil als Serviette. Ich könnte ausflippen. Schon wieder was zum Waschen, nach nur einer Nacht tragen. Ich sage ihm, dass er ab jetzt wieder ein Lätzchen anziehen muss. Will er nicht, er sei doch kein Baby. Immer wie´s passt. Denn wenn es darum geht, dass er das Babyspielzeug haben will, mit dem seine Schwester gerade spielt, oder darum, dass er auch Babybrei möchte, wenn seine Schwester gerade welchen bekommt, dann ist er plötzlich wieder ein Baby. Also sage ich ihm einfach, dass er das dann eben nächste mal beim Nutellaessen nackt sein muss. Natürlich wird alles wie immer laufen. Er wird angezogen sein und ohne Lätzchen sein Brot essen und dabei alles im Umkreis von einem Meter vollschmieren. Denn auch diesmal hat er nicht nur sich eingesaut sondern auch den Pulli vom Papa, da er ihm unbedingt irgendwas ganz wichtiges erzählen wollte und den Papa dabei am Ärmel festgehalten hat. Hab mich gefreut wie Bolle, da ich jetzt noch ein weiteres Teil zum Waschen hatte.

Ich liebe auch Überraschungseier. Da hatte Ferrero eine Millionenidee. Die Kids lieben diese überteuerten Dinger, die aus extrem süßer Schokolade aber hauptsächlich aus viel Müll bestehen. Wenn man den Müll um das Ei herum entfernt hat, holt man aus dem bißchen Schokolade eine Plastikkapsel (Müll) in der Warnhinweise auf zig Sprachen stehen (Müll), eine Anleitung (Müll) und ein meist ziemlich dämliches Spielzeug (Müll), das a) manchmal eine Funktion haben soll wie hüpfen, sich drehen, fliegen oder so, was meist nicht funktioniert, b) ein kleines Stück Plastik ist, mit dem nichts anzufangen ist außer es irgendwo rumliegen zu lassen (und man hat alles irgendwann doppelt und dreifach) und c) hochgefährlich ist für meine  gerade1 Jahr alte Tochter. Ganz abgesehen davon, dass ich beim Zusammenbauen meistens ausflippe. Daher fliegt das Zeug oft noch am selben Abend, wenn Sohnemann schläft, in die Tonne, oder, ups, es verschwindet leider irgendwie und wir finden es seltsamerweise nicht mehr. Komisch. Ich habe mich so auf die Ü-Ei Sommerpause gefreut, aber Ferrero ist clever. Da gibt es dann die noch schlimmeren Kinder Joy Eier, die noch süßer sind (doch, das geht), noch teurer und noch dümmeres Spielzeug enthalten. Herrlich. So. Und natrülich liebt mein Sohn diese Eier, egal welche, denn er liebt Schokolade, und er liebt die Überraschung darüber welches Spielzeug enthalten ist. Also will er diese Dinger immer wieder haben. IMMER. Das heißt jeden Tag.  Neulich, beim Abholen vom Kindergarten, fragt er mich als allererstes: „Mama, hast du mir ein Überraschungsei gekauft?“Ich verneine. „OH, waruuuum nicht?“. Heul, Verzweiflung.“NIE kaufst du mir eins“, wirft er mir vor. „Man kann nicht jeden Tag ein Überraschungsei haben“, erkläre ich. „Doch! Ich will immer was Neues haben“, sagt er und meint damit, dass er jeden Tag ein neues Spielzeug haben will. Ist klar. Oder auch folgendes. Zu Hause angekommen, nach dem Kindergarten ist oft die erste Frage, ob er ein Überraschungsei haben kann. Wenn ich dann sage, dass wir keins da haben, weil alle aufgegessen sind, folgt lautes Geheul samt Brüllattacke. Immer wieder schön. Danke, Ferrero. (Übrigens, wer es nicht weiß, Nutella ist auch von Ferrero).

Überhaupt habe ich beim dem Thema, wann es Süßigkeiten gibt, vor oder erst nach dem Mittagessen, aufgehört zu kämpfen. Manche Dinge sind diesen Stress nicht wert. Wir machen es jetzt so, dass Sohnemann nach dem Kindergarten erst einmal eine kleine Süßigkeit bekommt, dann sein Mittagessen isst und dann nochmal Süßigkeit als Nachtisch bekommt. Damit können wir beide Leben, das ist manchmal das Wichtigste.

Allgemein ist eine Süßigkeit ja keine Süßigkeit. So sieht das zumindest mein Sohn. Unter der Zahl drei geht gar nicht. Wenn ich sage, dass es mit Süßkram jetzt reicht, da er ja bereits einen Schokokeks und eine Hand voll Gummibärchen hatte, dann kriege ich zur Antwort „Das waren aber nur zwei Sachen, ich brauche aber viele.“ Dass die Hand voll Gummibärchen schon „viel“ waren, also mehr als zwei, zählt in diesem Fall nicht. Er will viele verschiedene Süßigkeiten. Schokokeks und Gummibärchen waren erst zwei Sachen. Die Menge macht´s. Auch bei etwa den Gummiviechern an sich. Mit einem oder zwei Bärchen braucht man ihm nicht kommen, da müssen es mindestens deri aber eher mehr sein. Da wird um jedes Bärchen gefeilscht. Manchmal ärgere ich mich darüber, aber ich versuche es positiv zu sehen: So lernt er das Zählen 🙂

Ich habe auch schon das genaue Gegenteil von dem was vernünftig ist gemacht, um ihn zur Vernunft zu bringen. Auf seine Bitte nach Süßigkeiten habe ich mal zu ihm gesagt „Klar, iss so viel du kannst, stopf alles duchreinander in dich rein, bis dir schlecht wird, bis dein Bauch weh tut und du dich übergeben musst. Mach ruhig, nimm so viel du willst.“ Er hat mich ganz verdattert angeschaut und nur gesagt „Nee, Mama, ich nehme nur ein bißchen, zu viel ist ja nicht gesund.“ Und so hat er´s gemacht. Und es blieb hängen. Zu Hause würde weiter Maßlosigkeit herrschen, wenn man ihn ließe, aber andernorts nicht mehr. Wenn er etwa von Oma 1 etwas Süßes bekommt, und Oma 2 ihm auch etwas anbietet, dann lehnt er ab mit dem Hinweis, dass er ja schon etwas Süßes gegessen hat. Oder Wenn er gleich mehrere Lutscher von der Oma bekommt, dann nimmt er einen und gibt die anderen mir und sagt „Die sind für ein anderes Mal, sonst wird mir schlecht. Zu viel Süßigkeiten sind nicht gut für mich.“ Na also, es geht doch.

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