Wenn´s mal wieder länger dauert…

 

Kinder haben keinen Zeitbegriff. Solange sie klein sind können sie nicht unterscheiden zwischen 10 Minuten und 10 Stunden. Von daher kennen sie auch keine Eile. Es bringt nichts zu sagen „Jetzt aber schnell, wir müssen in 5 Minuten los.“, da sie keine Ahnung haben was 5 Minuten sind. Kleine Kinder leben in den Tag und erkennen nur am Sonnenauf- und Untergang, dass Tag und Nacht ist. Die Zeit und der Stress, der mit dem Einhalten von Zeiten verbunden ist, kennen (und machen) nur wir Erwachsenen. Und das kollidiert öfters mit dem Nicht-Zeitverständnis der Kleinen.

Es könnte so schön sein, das morgendliche Fertigmachen, die Zeit bis wir zum Kindergarten gehen. Könnte. Ist es aber meistens nicht. In der Regel bin ich übermüdet, ein oder beide Kinder sind schlecht gelaunt und vor allem geht alles immer nur gaaanz langsam und unter viel Protest von statten. Ich weiß nicht, warum das immer so sein muss, aber es ist so. Die etwa zwei Stunden vom Aufstehen bis wir los gehen zum Kindergarten sind oft die anstrengendsten des Tages. Schon paradox, wenn man doch davon ausgeht, dass alle frisch ausgeschlafen sind (also die Kinder, ich natürlich nicht), und in einen neuen spannenden Tag starten. Kürzlich war es wieder besonders schön.

Wie jeden Morgen stehe ich mit dem Vorsatz auf heute weniger zu schreien und zu schimpfen und etwas gelassener zu sein. Ich habe ja keine Eile, muss nicht zur Arbeit, und ob mein Sohn um 8 oder um 9 im Kindergarten ist ist schnurzegal. Das Problem ist nur, dass mir die generelle Grundvoraussetzung fürs Muttersein fehlt: Geduld.  Ich habe einfach keine. Hatte ich noch nie. Und auch wenn ich mittlerweile mehr als genau weiß, dass mit Kindern immer alles ewig dauert, schaffe ich es nicht, das mit Gelassenheit zu sehen und die Kinder eben einfach trödeln zu lassen. (Und ehrlich, ich habe keinen Schimmer wie das alles klappen soll, wenn ich mal wieder arbeiten gehe).

5.50 Uhr Meine Tochter wird wach, was ich an dem Gemotze aus dem Kinderzimmer erkenne. Ich durchbreche meine Regel, nicht vor 6.00 Uhr aufzustehen, weil es die 10 Minuten nun wirklich nicht rausreißen, und weil außerdem seit halb zwei heute Nacht mein Sohn neben mir im Bett liegt, der ruhig noch weiter schlafen soll. Also eile ich verschlafen zu meiner Tochter und hieve sie aus dem Bett. Gut gelaunt grinst sie mich an und ist zufrieden als ich sie im Wohnzimmer auf dem Boden absetze um ihr ihr Frühstück zu machen. Das ist doch was. Ich füttere ihr ihren Haferbrei, und nachdem sie einen Mordsgebrüll startet, als die Schüssel leer ist, schneide ich ihr noch eine Scheibe Brot in kleine Stücke, die sie sich genüsslich nach ihrere Riesenportion Brei auch noch genehmigt. Nebenher frühstücke ich selbst schnell. Die Betonung liegt auf schnell, denn weil ich immer das Gefühl habe, dass die nächste Schreiattacke von Kind 1 oder 2 in Kürze folgt, beeile ich mich. Die Eile darf ich kurz darauf mit Bauchschmerzen bezahlen. Gut gemacht. Während meine Tochter ihre Brotstücke weiter in den Mund stopft oder auch auf dem Fußboden verteilt, fange ich an das Kindergartenvesper für meinen Sohnemann vorzubereiten. Das unterbreche ich, als meine Tochter nichts mehr zu mampfen hat und sie, oh Wunder, trotzdem keinen Schreianfall bekommt. Bisher läuft der Morgen relativ entspannt. Ich schnappe mir also die Madame und gehe ins Kinderzimmer um sie zu wickeln und anzuziehen bevor die Nachtwindel platzt. Irgendwann wird ihr die Anzieherei zu langweilig und sie fängt an zu quengeln. Und es passiert was passieren muss. Mein Sohn wird wach und kommt mit seinem Kissen unterm Arm mit verschlafenen Augen aus dem Schlafzimmer getrappelt.

Es ist 6.30 Uhr. Ich setzte meine Brocken-Tochter wieder im Wohnzimmer auf dem Boden ab um zu meinem Sohn zu eilen, der auf der Couch liegt und verlangt, dass Mama mit ihm kuschelt. Mir fallen etwa 100 andere Dinge ein, die ich jetzt sinnvollerweise lieber tun würde, aber da er wegen seiner anstrengenden Schwester eh zu kurz kommt, gehe ich zu ihm und kuschle mit ihm. Irgendwann merkt der Mini-Mann dann auch, dass er Hunger hat, und es kann ihm plötzlich nicht schnell genug gehen. Also schmiere ich ihm ein Marmeladebrot. Natürlich nicht, ohne dass wir vorher, wieder einmal, ausführlichst darüber diskutiert haben, ob es heute ausnahmsweise Nutella gibt oder nicht.  Irgendwann bin ich genervt und mein Sohn willigt missmutig ein, dann eben Marmelade zu essen. Madame ist derweil ins Badezimmer gekrabbelt, wo der Papa sich für die Arbeit fertig macht, sie ist also gut aufgehoben, denke ich. Denke ich. Denn kurz darauf ertönt ein „Oh nein! Oh Mann, was hast du gemacht? Ach Mist, jetzt schau mal, alles ausgelaufen!“, vom Papa. Eigentlich will ich gar nicht wissen was passiert ist, aber natürlich laufe ich ins Bad um zu sehen, was los ist. Madame hat sich die Wasserflasche ihres Bruders geschnappt, die noch von der Nacht bereit stand, und hat es irgendwie geschafft sie zu öffnen und den Inhalt auf dem Badezimmerboden zu verteilen. Und so wie sie aussieht hat sie sich anschließen darin gewälzt. Sie ist klatschnass. Ich weiß nicht auf wen ich sauerer bin, auf sie oder den Papa, der offensichtlich nicht aufgepasst hat. Also schnappe ich mir das triefende Bündel und ziehe sie, nur etwa eine halbe Stunde nachdem ich sie überhaupt angezogen habe, um.  Mein Sohn isst solange sein Brot weiter, natürlich nicht ohne mehrfach zu rufen, dass er es doof findet, alleine im Raum zu sein. Mit einer frisch umgezogenen Tochter gehe ich wieder ins Wohnzimmer um meinem hungrigen Sohn ein zweites Marmeladebrot zu machen. Er scheint alle Zeit der Welt zu haben, denn während er vor sich hin erzählt, isst er sein Brot nur im Schneckentempo. Mir wird das irgendwann zu langweilig. Ich bin seit 1 1/2 Stunden wach und laufe noch immer in meinem Schlafanzug rum. Also lasse ich Rabenmutter meine Kinder allein und gehe ins Bad um mich zu waschen und anzuziehen. Ich beeile mich, denn aus dem Wohnzimmer höre ich Gequengel. Meiner Tochter passt wieder mal irgendetwas nicht. Als ich zurück komme und meine motzende Tochter beruhigen will, sitzt mein Sohn mit den Resten seines zweites Brots am Tisch und tut mir Kund, dass er jetzt Kacka muss. Und zwar dringend. Also schnappe ich mir schnell ein Feuchttuch und kratze damit die dicke Schicht Marmelade von seinen Händen,  bevor er die überall in der Wohnung verteilt. Er rennt zum Bad, ich höre , ratsch, ratsch, wie er seine Nachtwindel abmacht und warte auf den erlösenden Ruf. Statt dessen höre ich irgendwann ein motziges „Oh Mama, es klappt nicht“. Ich gehe also zu ihm und stelle verärgert fest, dass er die Tür abgeschlossen hat- für diesen Fall liegt eine Geldmünze bereit und damit öffne ich die Tür von außen und ermahne ihn zum gefühlten hundertsten Mal, dass er gefälligst nicht abschließen soll. Er zieht sich die Hose hoch und eilt zurück zum Tisch, wo er nach einem dritten Brot verlangt. Unglaublich. Manchmal isst er mehr als ich. Wir diskutieren erneut über den Belag („Diesmal aber Nutella, Mama!“) und bleiben schließlich bei Erdbeermarmelade. Während er Brot Nummer drei im Zeitlupentempo verspeist, mache ich mir schon mal meinen längst überfälligen Kaffee. Plötzlich springt mein Sohn auf und rennt ins Bad mit den Worten „Mama, jetzt muss ich aber Kacka“. Ich warte und trinke noch einen Schluck. Und dann kommt der erlösende Ruf. Es ist geschafft. Ich gehe zu ihm um ihm den Hintern abzuwischen – immer wieder eine Freude – muss aber erst einmal feststellen, dass er die Tür erneut verschlossen hat. Grummel, grummel. Es ist mittlerweile 7.30 Uhr. Mit meiner Kaffeetasse setzte ich mich anschließend zu meinem Sohn an den Tisch, wo er weiter isst, und versuche zu  ignorieren, dass meine Tochter schon wieder heult. Weiß der Kuckuck was jetzt schon wieder los ist. „Vielleicht musst du den Staubsauger holen, Mama“, sagt da mein Sohn und ich denke mir, dass er vielleicht recht hat. Madame wird ihren Schnupfen nicht los und reibt sich immer wieder schimpfend über die Nase. Eventuell ist sie ja voll und das ärgert sie. Also hole ich den Staubsauger und setzte den Nasensauger darauf (dieses Ding ist super!). Klingt brutal, ist es aber nicht, habe ich ausprobiert. Meine Tochter allerdings findet es trotzdem doof und brüllt und windet sich wie eine Gestörte und ich muss sie mit allen Kräften festhalten. Ich bleibe hart (wie gesagt: Rabenmutter) und sauge ihr den Rotz aus der Nase. Anschließend setzte ich mich wieder zu meinem Sohn an den Tisch. Er ist immer noch nicht fertig. Irgendwann blickt er, dass ich Kaffee trinke, und das ohne ihm eine Milch gegeben zu haben! Schlimmes Fehlverhalten. Also stehe ich auf und hole ihm einen Becher mit Milch, den er zu seinem Brot trinkt. Als er endlich mit beidem fertig ist – er für die drei Brote nur 45 Minuten gebraucht ! – erlaubt er mir gnädigst ihn anzuziehen, was mich freut, denn normalerweise muss ich ihn dazu drängen. Also ziehe ich ihn an und wasche beide Kinder. „Jetzt machen wir uns fertig für den Kindergarten“, sage ich. „Nein, Mama! Jetzt lesen wir erst noch was!“, fordert mein Sohn. Ok. Ist mir jetzt auch vollends egal. Ich schenke mir resignierend eine zweite Tasse Kaffee ein und setze mich mit beiden Kids auf den Boden um eine Pixi-Buch zu lesen. Es ist 7.45 Uhr. wir Sind gerade bei Seite zwei angekommen, da grabscht meine Tochter nach dem Buch und zerrt und reißt an den Seiten, was ihrem Bruder gar nicht gefällt, worauf hin er sie schlagen will, was ich mit schimpfen gerade noch verhindern kann. Meine Tochter fängt – wieder mal  – an zu flennen und zwar so laut, dass Vorlesen keinen Sinn mehr macht. Unendlich genervt stehe ich auf und gehe mit meinem Kaffee in die Küche um das Kindergartenvesper endlich fertig zu machen. Um 7.55 Uhr dann ist es soweit. Ich stecke meine Kinder in Jacken und Mützen, schnappe den Kindergartenrucksack, setze meinen Sohn den Helm auf, ermahne ihn endlich seine Schuhe anzuziehen, was er nicht macht, also setzte ich meine Tochter in den Kinderwagen und sage, pädagogisch unwertvoll, dass ich dann halt ohne ihn losgehen, was mit Geheul seinerseits quittiert wird, er aber endlich seine Schuhe anzieht. Um 8.05 Uhr sind wir endlich auf dem Weg zum Kindergarten. Ich bein seit 2 Stunden und 15 Minuten wach, habe noch nichts erledigt und bin bereits fix und fertig mit den Nerven. Ich freue mich auf den Rest des Tages.

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