Die kleine Raupe Nimmersatt

Die kleine Raupe Nimmersatt – ein süßes Buch. Ein Klassiker. Ich habe zwei davon zu Hause. Also nicht vom Buch. Von nimmersatten Raupen. Ich nenne sie auch gerne Fressmaschinen, meine beiden Kids. Denn wenn sie eines gut können (außer wenig schlafen und viel Lärm machen), dann ist das essen. Sie lieben es. Schnell mal ein paar Kekse in die Hand gedrückt, schon herrscht Ruhe. Ist nicht der richtige Weg, um sich etwas Ruhe zu verschaffen, ich weiß, aber manchmal hilft es ungemein. Zum Beispiel im Restaurant, wenn man vermeiden möchte, wegen Lärmbelästigung noch vor der Hauptspeise gebeten zu werden, das Restaurant zu verlassen. Oder wenn Mama mal in Ruhe telefonieren und ihren Gesprächspartner auch hören möchte, unbegleitet von Getöse als würde ein Jumbojet neben mir starten. Da ist Essen das einzige Hilfsmittel, so schlimm es klingt.

Es gibt auch die andere Seite. Mütter, die klagen, weil ihre Kinder einfach nichts essen wollen. Die mit dem Löffel dem Kind hinterher rennen und bitten und betteln, doch wenigstens einen Bissen zu essen. Oder die eine geschlagene Stunde mit ihrem Kind am Tisch sitzen, damit es wenigstens ein paar Kalorien zu sich nimmt. Auch weiß ich von einer Mama, die jedes Essen mit Sahne streckt, damit ihre Tochter nicht direkt wieder ins Untergewicht rutscht. Und es gibt Kinder, die extrem wählerisch sind bei dem was ihnen über die Lippen kommt. Nichts Grünes zum Beispiel, habe ich neulich eine Mutter klagen hören. Verrückt, aber so etwas gibt es. Und ich weiß auch von Kindern, die nur noch essen, wenn das Tablet oder das Handy nebenher laufen. Und dabei handelt es sich um Kleinkinder, wohlgemerkt! Sehr, sehr schlimm, wie ich finde. Aber das waren auch Schlechtesser, und damit überhaupt was ging wurde nebenher eben auf einem der Geräte etwas zur Bespaßung des Kindes abgespielt und schwups, schon lief das mit dem Essen. Nur dummerweise haben sich diese Kinder nun daran gewöhnt mit technischer Unterstützung zu essen und bekommen Schreikrämpfe, wenn es mal ohne gehen soll. Das ist alles furchtbar. Diese Probleme habe ich alle nicht.

Meine Kinder essen gerne. Immer. Und alles. Und viel. Ich frage mich, ob sie überhaupt ein Sättigungsgefühl haben. Und meine Tochter ist gerade erst 1 Jahr alt geworden! Die Mütter der Schlechtess-Kinder sagen mir immer wie gut ich es habe, und ich verstehe diese Sichtweise auch. Und ja, es ist toll, dass meine beiden alles essen, was ich ihnen vorsetzte (mal sehen wie lange das noch so bleibt). Aber es ist dennoch nicht immer einfach. Denn sie verlangen auch ständig nach Essen. Gerade das Haus verlassen, schon wird nach etwas Essbarem verlangt. Isst der eine, will die andere und umgekehrt. Wehe meine Tochter sieht einen von uns essen und hat selbst nichts vor sich – das ist für sie der Supergau, das geht gar nicht. Da wird das eingebaute Megaphone angeworfen und das Gebrüll geht los. Mit meinem Sohn wiederum diskutiere ich ständig, STÄNDIG über die Anzahl der Süßigkeiten, die er UNBEDINGT haben muss oder über die Anzahl der Löffel, die er höchstens noch von seinem „richtigen“ Essen essen will. Das ist auch nicht so spaßig. Das ist nervenaufreibend. Diese ständigen Wiederholungen. Oder morgens, beim Frühstück, was bei uns ja leider sehr früh statt findet, also so gegen 6 Uhr, da kann er nicht mal abwarten, bis ich die Augen richtig auf habe, da wird schon geschimpft was der Wortschatz her gibt, bis ich langsame Mama endlich fertig bin mit den Frühstücksvorbereitungen. Mein Mini-Tochter wiederum gibt sich nicht mit den kleinen kindgerechten Reiswaffeln zufrieden, die man in jeder Drogerie in der Babyabteilung kaufen kein. Nein, nein. Madame braucht schon die größere Version davon, damit es Sinn macht, also die Reiswaffeln für Erwachsene, der Größe wegen. Denn die kleinen Dinger hat sie in Nullkommanichts ratzeputz weggeputzt. Meine kleine Raupe Nimmersatt.

Ich freue mich schon, dass meine Kinder einen gesunden Appetit haben. Und darüber, dass ich mir keine Gedanken übers Essen machen muss, wenn wir das Haus verlassen, weil ich eben weiß, dass sie alles in jeder Form essen. Das ist schon praktisch. Aber erst heute wieder hatte ich jede Menge Geschrei und Theater mit meinem Sohn. „Du doofe Mama!“, hat er mich heute mehrfach angebrüllt. Grund? Ich habe mich um 10 Uhr morgens geweigert, ihm, nach den Smarties, die er bereits hatte, noch ein Überraschungsei zu geben. Es war 10! Und so ging das ewig weiter. Um 12 hab ich dann nachgegeben und er hat sein Ü-Ei bekommen. Nur um gleich danach zu klagen, dass ihm das noch nicht reicht, dass er mehr braucht. BRAUCHT! So drückt er sich aus. Und was mache ich da? Standhaft sein und ihm nichts geben? Wäre eine Möglichkeit. Aber die ist schon hart. Ich meine, ich nasche ja auch immer wieder was, da darf er doch auch, oder? Oder soll ich rationieren? Aber wie? Und wenn die Ration zu Ende ist, was mache ich dann, wenn das Gebrüll weiter geht?

Manchmal ist es wirklich nicht lustig. Wenn Sohnemann mir die Smarties abzählt und dann darauf besteht, dass er noch mehr braucht, weil „Mama, das reicht GAR NICHT!“. (Er kann erst bis 10 zählen, aber um festzustellen, dass die Süßigkeiten seiner Meinung nach nicht genug sind, reicht es anscheinend). Oder meine Tochter. Morgens hat sie Heißhunger. Gleich nach dem Aufstehen. Und während ich den Tisch decke habe ich zwei Möglichkeiten. 1. ich lasse sie brüllen wie eine Gestörte, bis ich endlich fertig bin. Und dann bin ich auch wirklich fertig, fix und fertig, denn das durchdringende Gebrüll macht mich wirklich platt. Oder 2. ich setzte sie schon mal in ihren Hochstuhl und lege ihr eine in Stückchen geschnittene Scheibe Brot hin, die sie schon mal mümmeln kann. Ich entscheide mich meistens für Variante 2. Nur um dann regelmäßig festzustellen, dass die Scheibe Brot schwupp die wupp in Madams Schnabel verschwunden ist noch BEVOR ich fertig bin den Tisch zu decken. Und dann wird natürlich lautstark nach etwas Weiterm zu essen verlangt.

Ihr seht, auch mit Kindern, die gerne essen, hat man es nicht leicht.

Wie ist das bei euch so?

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