Ein Tag mit mir – Schlimmer geht immer

Wer Lust hat darf mich hier durch einen beispielhaften Tag begleiten. Achtung, ich übertreibe hier etwas, das hier ist zum Glück kein Standardtagesablauf – dann hätte ich mich schon längst erschossen. Aber alles was ich hier beschreibe ist so schon mal passiert und gehört zumindest teilweise zu meinem täglichen Leben. Los geht´s.

6.02 Uhr Meine Tochter wird brüllend wach und lässt sich durch nichts mehr verleiten noch wenigstens ein bißchen weiter zu schlafen. Ich schnappe sie und wir gehen ins Wohnzimmer.

6.05 Uhr Trap-Trap-Trap  mein Sohn eilt mit seinem Kissen unter dem Arm zu uns ins Wohnzimmer und schmeißt sich auf die Couch, von wo er lautstark nach seinem Frühstück verlangt. Ich bitte ihn erstmal seine Nachtwindel abzulegen, da die kurz vorm Platzen ist, was er vehement verweigert. Der Papa schleicht mit verquollenen, müden Augen ins Wohnzimmer.

6.10 Uhr Je nach Duft- und Völlegrad der Windel meiner Tochter wird diese erst gewickelt oder ich mache ihr ihr Frühstück. Dabei versuche ich meine müden Augen dazu zu bekommen, sich endlich ganz zu öffnen. Egal, ob ich erst die Windel wechsle oder den Brei anrühre, mein Sohn motzt, weil er auf keines der beiden Dinge warten kann sondern sofort zuerst bedient werden will.

6.15 Uhr Mein fast verhungerter Sohn, der schon kurz vor einem Tobsuchtanfall steht, weil er so lange warten muss, bekommt sein Frühstück. Wir diskutieren, während ich es vorbereite, darüber, warum er heute kein Nutella haben darf und warum es jetzt noch kein Eis gibt. Er heult und schimpft, ich bin genervt.

6.40 Uhr Mein Sohn hat in Slow Motion seine 1-3 Toastbrote gegessen und ich nebenher den Tisch abgeräumt, mein Frühstück runter geschlungen und meine warum auch immer motzende Tochter 1 bis 5 mal beruhigt. Wir gehen ins Bad, wo ich die Kinder wasche, was meist unter Protest abläuft und mich viele Nerven kostet. Der Papa ist auf dem Weg in die Arbeit.

6.50 Uhr Ich ziehe die Kids im Kinderzimmer an. Meine Tochter windet sich dabei, so dass wir uns mehrfach in ihren Klamotten verfangen, mein Sohn diskutiert über die Klamottenauswahl. Als ich fertig bin stinkt Madame und ich darf die gerade frisch angelegte Windel direkt wieder wechseln, wobei ich an die 100 Feuchttücher benötige, da sie ihre Windel bis zum Anschlag mit Matsch-Kacke gefüllt hat

7.00 Uhr Beide sind angezogen, ich bin noch immer müde und lechze nach Kaffee. Jetzt gehe ich erstmal ins Bad um mich auch mal zu waschen und anzuziehen, was von einem lauten „Nein, Mama, du sollst nicht ins Bad gehen, du sollst jetzt mit mir spielen“ begleitet wird. Selbstverständlich hocken letztlich beide Mäuse mit im Bad und ich schalte den Turbogang ein um fertig zu werden und versuche dabei auf keine Hände oder Füße zu treten.

7.15 Uhr Ich bin fertig im Bad und eigentlich auch schon mit den Nerven. Jetzt mache ich meinem Sohn sein Vesper für den Kindergarten und ignoriere dabei, dass er im Sekundentakt fragt, wann ich endlich fertig bin um ihm etwas vorzulesen.

7.45 Uhr Wir gehen unserem morgendlichen Ritual nach. Sohnemann bekommt einen Becher Milch oder Kaba, ich eine große Tasse Kaffee. Während wir sie trinken lesen wir ein Buch und versuchen meine Tochter davon abzuhalten, die anscheinend sehr attraktiv erscheinende Kaffeetasse vom Couchtisch zu ziehen. Letztlich ist es aber mein Sohn, der seinen Becher umwirft und die Milch gefühlt im ganzen Wohnzimmer verteilt. Ich bin stocksauer und renne mit dem Wischlappen durch die Bude um die Sauerei zu beseitigen während mein Sohn laut heult, weil er jetzt keine Milch mehr hat. Ich mache ihm also einen zweiten Becher Milch. Und mir noch einen Kaffee.

8.00 Uhr Wir sind schon zwei Stunden wach und außer dass wir alle angezogen sind und gefrühstückt haben ist nicht viel produktives passiert. In zwei Stunden! Nur das Chaos ist größer geworden, ich freue mich also schon aufs Aufräumen. Zunächst mal stelle ich fest, dass mein Sohn einen dunklen Fleck auf der Hose zwischen seinen Beinen hat und ich ärgere mich, dass er schon wieder nicht rechtzeitig aufs Klo gegangen ist. Also ist – schon wieder – umziehen angesagt. Dann machen wir uns auf den Weg zum Kindergarten. Natürlich muss ich vorher meinen Sohn an die 83 Mal ermahnen sich jetzt endlich die Jacke und die Schuhe anzuziehen. Letztlich übernehme ich das genervt und nachdem wir alle endlich startklar sind geht´s los zum Kindergarten.

8.05 Uhr Im Kindergarten angekommen ziehe ich Sohnemann wieder aus (weil „Mama, ich kann das nicht alleine“) und die Hausschuhe an. Ich bekomme Schweißausbrüche von der tropischen Hitze, die im Kindergarten herrscht. Je nachdem, ob seine Freund schon da sind oder nicht, geht das Verabschieden Ruck Zuck oder artet in Heulen und Diskutieren aus verbunden mit hundert Abschiedsküssen und zig Umarmungen und dem Verspechen, ihn ganz bald wieder abzuholen.

8.30 Uhr Meine Motztochter und ich sind wieder zu Hause, ich atme tief durch und widme mich dann dem Chaos. Tisch abwischen, Küche aufräumen, Spülmaschine ausräumen und dabei meine Tochter davon abhalten in die Maschine rein zu kriechen, Maschine wieder einräumen und Madame auch dabei davon abhalten in die Maschine zu kriechen, was sie natürlich ganz doof findet, weil die Spülmaschine anscheinend ein sehr verlockender Ort ist,  und deshalb heult. Wieder mal.

10.00 Uhr Ich bin in der Wohnung umhergewirbelt und habe mich der niemals endenden Wäscheberge gewidmet, aufgeräumt, geputzt, nebenher meine Tochter immer wieder bespaßt und beruhigt.

10.15 Uhr Madame Nimmersatt bekommt eine Zwischenmahlzeit. Und selbstverständlich heult und motzt sie während ich alles vorbereite, weil die böse Mama natürlich wieder viel zu langsam ist und sie gleich verhungert, wenn ich nicht den Turbo zünde.

10.30 Uhr Die Motzkuh ist gewickelt und bereit fürs Schläfchen. Also stehe ich mit ihr um dunklen Kinderzimmer und schaukle den Brocken hin und her bis sie endlich schläft. Dabei fummelt sie mit ihren kleinen Händchen und den messerscharfen Fingernägeln beständig an mir rum und zerkratzt mir die Haut, was sie seltsamerweise beruhigt und ihr schon zum Ritual geworden ist, mich aber tierisch nervt.

10.45 Uhr Sie schläft und ich habe frei 😉 Frei um in Ruhe weiter der unheimlich spannenden Tätigkeit des Aufräumens und Putzens nachzugehen. Nach einem weiteren Kaffee bereite ich also das Mittagessen vor, lege Wäsche zusammen, wische Staub, mache eine Einkaufsliste und und und.

12.30 Uhr Madame ist wieder wach. Während ihres Schläfchens habe ich im Haushalt gerödelt und war 1 bis 5 mal bei ihre drin um sie zu beruhigen und zum Weiterschlafen zu bringen.

13.00 Uhr Töchterchen wird gefüttert, was ihr, natürlich, wieder nicht schnell genug geht.

13.30 Uhr Die Dicke hat eine frische Windel bekommen und wir haben ein bisschen gespielt und gekuschelt. Jetzt geht es los zum Kindergarten um den Mini-Mann abzuholen.

13.45 Uhr Im Kindergarten angekommen werde ich mit den Worten „Mama, ich hatte einen Pipi-Unfall begrüßt“. Ich freue mich, dass ich endlich mal wieder was zum Waschen habe. Nachdem ich die vollgesiechten Klamotten und alle anderen Sachen eingesammelt habe ziehe ich meinen Sohn an, der mir dann, als er im voller Montur ist, erklärt, dass er jetzt nochmal dringend Pipi muss. Also nochmal aufs Klo und danach flitzt er mit dem Laufrad, ich den Kinderwagen schieben, wieder nach Hause, wo ich die vollgepinkelten Klamotten erst einmal direkt in die Waschmaschine stecke zu den anderen urinverseuchten Sachen.

14.00 Uhr Mein Sohn und ich diskutieren wie eigentlich jeden Tag darüber, ob er erst Schokolade bekommt oder zuerst sein Mittagessen essen muss. Mein Tag dauert gefühlt schon 100 Stunden, und ich weil ich weiß, dass er gefühlte weitere 100 Stunden dauert, beende ich diesen Kampf recht schnell und lass ihm seinen Willen. Nach der Schokolade isst er dann sein Mittagessen nur um anschließend lautstark nach einer weiteren Süßigkeit zu verlangen, weil, warum auch immer, für meinen Sohn alles unter der Zahl drei nicht akzeptabel ist. Nachdem er in Summe drei verschiedene Süßigkeiten bekommen hat, treibe ich ihn ins Bad um seine klebrigen Hände und sein verschmiertes Gesicht zu waschen.

14.30 Uhr Ich mache mir einen weiteren Kaffee und während ich ihn ttinke stopfe ich mir heimlich einen Schokoriegel rein. Nervennahrung. Die Kinder schubsen, piksen und ärgern sich nebenher.

14.45 Uhr Wir spielen Eisenbahn im Kinderzimmer wobei meine Tochter immer wieder die mühsam zusammengesetzten Schienen auseinander baut was meinen Sohn zur Weißglut treibt woraufhin er sie wahlweise beißt oder schubst was mich wiederum dazu bringt ihn anzubrüllen während meine Tochter nebenher aus Wut und/oder Schmerz ebenfalls brüllt. Ich sehe auf die Uhr und weiß nicht wie ich bis zum Abend, bis mein Mann kommt und mir mit den Monstern hilft, überstehen soll.

15.50 Uhr Wir, na ja, ich, ziehe uns alle an und wir gehen raus zum Frisbee spielen. Mein Sohn hat einen Mordsspaß während meine Tochter motzend im Kinderwagen rumturnt und einfach nicht zufrieden sein will.

16.15 Uhr Meine Tochter hat gesiegt und mich soweit gebracht, dass wir wieder drinnen sind, wo sie zufrieden umher robbt und voller Wonne immer wieder Schranktüren öffnet und zu knallt. Mein Sohn erklärt mir, dass er unbedingt eine Süßigkeit braucht, weil er ja sooo Hunger hat. Das Angebot einen Apfel oder eine Birne zu essen lehnt er strikt ab, weil er ja schließlich nur Hunger auf Süßigkeit habe.

16.30 Uhr Ich habe nachgegeben, weil ich diese ständige Diskutiererei satt habe. Natürlich will meine Tochter auch etwas zu essen. Kann ja nicht sein, dass ihr Bruder etwas bekommt und sie nicht. Während sie also bestialisch brüllt schnipple ich schnell eine Banane in kleine Scheiben, damit sie sich die dann in den Mund schieben oder auch gerne in die Haare schmieren kann. Jeder Versuch meinerseits sie davon abzuhalten wird mit Motzen quittiert. Ich überlege, ob es noch zu früh für ein Glas Wein ist.

16.45 Uhr Wir pendeln zwischen Spiel spielen, vorlesen, Eisenbahn bauen, Arzt spielen. Während dessen muss ich meine zwei Monster immer wieder voneinander trennen, weil sie natürlich immer haben will, was er hat, und er nicht erlaubt, dass sie nimmt, womit er gerade spielt. Natürlich motzen und heulen deshalb beide abwechselnd.

17.30 Uhr Sie Bude sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, weil wir so ziemlich jedes Spielzeug im Haus mal in Betrieb hatten, da mein Sohn eine Aufmerksamkeitsspanne von drei Minuten hat und deshalb genau in diesem Rhythmus die Spielsachen gewechselt werden müssen. Ich zähle die Sekunden bis der Papa der beiden Chaoten endlich heim kommt.

18.00 Uhr Der Papa steht im Stau. Das Gläschen Wein kommt jetzt zum Einsatz. Die Kinder bekommen ihr Abendessen. Beide sind mittlerweile hundemüde und die Laune ist entsprechend im Keller.

18.30 Uhr Der Papa ist endlich da, was beide mit Begeisterung honorieren und mich aufseufzen lässt. Ich treibe meinen Sohn an mir zu helfen seine überall verstreuten Spielsachen aufzuräumen, was er gar nicht einsieht und deshalb heult und motzt während er mir erklärt, dass ihm das zu anstregend ist. Letztlich habe ich 90% aufgeräumt und er 10% und man kann wieder laufen ohne Angst haben zu müssen über irgend etwas zu fallen und sich den Hals zu brechen.

19.00 Uhr Die Kinder sind gewaschen und haben – natürlich unter Protest – Zähne geputzt. Ich bin fix und fertig. Sohnemann ist jetzt Papas Sache und ich bringe meine Tochter ins Bett.

19.30 Uhr Obwohl Madame todmüde ist hat sie 30 Minuten gebraucht um einzuschlafen. Und selbstverständlich durfte ich in der Zeit nicht den Raum verlassen, denn sonst geht das Gebrüll wieder los. Ich bin jetzt wirklich platt und will nur noch eins: Mich auf die Couch setzten und nichts tun. Statt dessen starte ich mit den Vorbereitungen für das Abendessen für mich und meinen Mann.

19.45 Uhr Ich unterbreche die Essensvorbereitungen, da mein Sohn unfreiwillig und unter Gemotze aus dem Arbeitszimmer kommt, wo er mit dem Papa Feuerwehrmann Sam o.ä. geschaut hat. Ich lese ihm etwas vor und während er kaum noch die Augen offen halten kann diskutiert er mit mir darüber, dass er noch ein letztes, und dann noch ein letzte und dann noch ein letztes Buch vorgelesen haben möchte. Irgendwann mache ich Schluss und versuche meinen Sohn in seinen Schlafanzug zu kriegen, was gar nicht so leicht ist, da er nicht mit macht und wie ein nasser Sack auf der Couch liegt und sich gegen das Umziehen wehrt. Ich schimpfe und ärger mich, dass ich schimpfe, kann aber nicht anders, weil ich einfach nicht mehr kann. Endlich ist er umgezogen und Papa bringt ihn ins Bett. Ich widme mich wieder dem Essen.

20.15 Uhr Beide Kinder schlafen. Wir essen endlich. Platt vom Tag erzählen wir uns was heute so los war während nebenher irgendein Schwachsinn im Fernseher läuft.

21.00 Uhr Meine Tochter motzt. Ich gehe ins Kinderzimmer um sie zu beruhigen.

21.25 Uhr Meine Tochter motzt. Wieder. Ich gehe ins Kinderzimmer um sie zu beruhigen.

22.00 Uhr. Ich bin todmüde. Den ganzen Tag war ich am Schuften und Machen und habe am Ende kein Ergebnis. Ich bin frustriert. In Gedanken gehe ich die tausend Dinge durch, die ich morgen unbedingt erledigen muss. Überfällige Rechnungen bezahlen bevor die Mahnungen eintrödeln, einen Brief zur Post bringen, Einkaufen, da der Kühlschrank fast nichts Essbares mehr her gibt und dann natürlich wieder aufräumen und putzen und aufräumen und putzen. ich freue mich schon auf den nächsten Tag, der denselben Trott bringt wie immer.

22.05 Uhr Ich gehe ins Bett. Auf dem Weg dahin husche ich nochmal schnell ins Kinderzimmer, da meine Tochter jammert und wieder einmal beruhigt werden will.

22.10 Uhr Ich liege im Bett. Fertig und platt und unausgefüllt. Morgen wieder alles von vorne. Ich mache die Augen zu uns schlafe in Sekunden ein mit dem Gedanken bei meiner Tochter, da ich weiß, dass sie mich schon bald aus dem Schlaf motzt und ich rüber muss um sie zu beruhigen.

6.02 Uhr siehe oben

 

Am Ende eines endlosen Tages stelle ich mir wieder einmal die selbe Frage wie so oft: Wie soll ich es da noch schaffen jemals wieder arbeiten zu gehen??

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s