Relativitätstheorie – Mit Kindern relativiert sich alles

Keine Angst. Hier geht es nicht um Einsteins Relativitätstheorie. Weder die allgemeine noch die spezielle. Bei sowas macht mein Hirn nicht mit, da steige ich aus. Und das nicht erst seit ich Mutter bin. Hier geht es um etwas ganz anders, nämlich die Tatsache, dass sich ALLES also wirklich ALLES total und komplett ändert, wenn man Kinder hat. In einem Maß, wie man es sich vorher nicht vorstellen kann. Wie auch. Klar kennt man Geschichten von Müttern wie es so ist mit Kindern, und klar meint man, das in etwa nachvollziehen zu können. Meint man. Aber erst, wenn man selbst laufende Meter zu Hause hat, weiß man wirklich wie das ist. Wir können uns ja auch nur grob vorstellen wie es ist den Mount Everest zu besteigen. Dass das ohne Zweifel schwer ist ist wohl allen klar. Aber wie hart es wirklich ist wissen wir nicht. Und sicherlich muss es ein erhabenes Gefühl sein den Oscar überreicht zu bekommen, aber wie es sich wirklich anfühlt werden wir nie wissen. Und so ist das auch mit Kindern. Erst wenn man welche hat, weiß man, wie sie einem das ganze Leben auf den Kopf stellen. Sobald man Kinder hat relativiert sich alles. Hier ein paar Beispiele:

 

Die Liebe

Wir alle lieben. Unsere Eltern, unsere Geschwister, unsere Partner sogar unsere Haustiere. Zum einen mag das Verhältnis etwas intensiver sein als zum anderen, und ja, es gibt auch Geschwisterpaare, die sich hassen. Aber Blut ist dicker als Wasser und im Allgemeinen lieben wir unser Blut. Aber hey, all diese Liebe ist ein Sch…dreck gegen die Liebe, die wir für unsere Kinder empfinden. Bis wir Kinder haben, haben wir nicht wirklich geliebt. Ich würde behaupten, dass wir nur unsere Kinder bedingungslos lieben, also sich richtig ohne Bedingung. Auch wenn sie einen in den Wahnsinn treiben, wenn die strunzdumm sind, hässlich oder Arschlochkinder – wir lieben sie. Und das ist auch richtig so. Sie kommen an erste Stelle. Immer. Punkt. Da können sich alle anderen hinten anstellen. Für unsere Kinder würden wir uns ein Bein ausreißen. Oder uns eine Klippe hinabstürzen, wenn wir damit ihr Leben retten könnten, und zwar ohne zu zögern. Mal ehrlich, bei alle anderen würden wir schon kurz drüber nachdenken. Wahre Liebe lernt man erst kennen, wenn man Kinder hat. Ist so. Die Liebe zu unseren Kindern relativiert jede Liebe, die wir bis dahin empfunden haben.

 

Die Zeit

Zeit ist relativ. Wenn wir in einer schönen Situation sind vergeht die Zeit immer viel zu schnell. Und wenn wir etwas schlimmes erleben, dauert es viel zu lange.

Aber mit Kindern bekommt der Faktor Zeit plötzlich ganz andere Dimensionen.

Früher dachte ich immer, wenn sich Mütter in Elternzeit darüber beschwert haben, wie anstrengend ihr Tag ist: „Stellt euch nicht so an. Ihr seid den ganzen Tag zu Hause, was wollt ihr eigentlich? Klar sind Kinder anstrengend  aber hey, ihr könnt euch den Tag einteilen, wie ihr wollt, das ist doch super! Wir arbeitende Bevölkerung haben nur am Abend oder den Wochenenden Zeit um was zu erledigen.“ Gott, war ich unwissend! Denn es teilt nur einer die Zeit ein: Die Kinder! ICH bestimme gar nichts mehr. Die Kids diktieren, wann ich aufstehe, wann ich Essen mache, was wir spielen, sogar wann ich ins Bett gehe (um nicht zombimäßig am nächsten Tag rumzuschlurfen muss ich früh ins Bett. Wegen der Kinder ). Oder mal schnell was einkaufen, so á la, ups, wir haben kein Brot mehr, selbst das ist eine zeitliche Herausforderung. Denn Töchterchen muss Mittagschlaf machen, danach erstmal essen, dann  muss Sohnemann vom Kinde geholt werden etc. Ihr wisst was ich meine.

Geschweige denn, dass ich in Ruhe dazu komme etwas zu erledigen. Das muss immer irgendwie nebenher gehen. Und oft fange ich etwas an, kriege es aber nicht zu Ende. Oder ich verschiebe es auf den nächsten Tag. Um es am nächsten Tag wieder auf den nächsten Tag zu verschieben.

Oder schreiben. Die Zeit um das hier zu schreiben stehle ich mir von der kurze Phase des Mittagschlafs meiner Tochter (statt aufzuräumen o.ä.) Und selbst während ich schreibe diktiert Madam mir die Zeit, die ich dafür habe. Denn zwischendurch muss ich immer wieder zu ihr, weil sie, warum auch immer, immer wieder weinend aufwacht und beruhigt werden will.

Zeit ist also trelativ. Und seit ich Kinder habe gilt für mich: Meine Zeit ist relativ wenig.

 

Das ICH

Ich. Ich? Was war das nochmal? Wann hab ich zuletzt an mich gedacht? Also wirklich nur an mich? Denn mittlerweile gibt es kein ICH mehr, jetzt bin ich wir. Und seit ich ich zwei Kinder habe bin Ich WIR³. Das Ich wird hinten angestellt und es kommen grundsätzlich immer die kleinen Mäuse zuerst. Ich bin manchmal schon happy, wenn ich es nach drei Tagen endlich mal schaffe meine Haare zu waschen. So viel zu Ich. Geschweige denn, dass ich wirklich mal dazu komme etwas  zu machen, was ICH machen will. Also ausschlafen, drei Stunden in irgendeinem Café sitzen und Leute beobachten, mir die Nägel lackieren, ein Buch lesen, oder einfach mal NICHTS. Geht nicht. Ist nicht drin. Bin ja Mama. Nichts tun gibt´s nicht. Mich fragt auch keiner mehr, wie es MIR geht. Ich werde gefragt, wie es den Kindern geht.

Ich war mal ICH, jetzt bin ich WIR

 

Das Paar-Sein

Früher waren wir zu zweit. Ach wie schön war da das Ausschlafen und Kuscheln an einem Wochenendmorgen im Bett, dann gemütlich frühstücken um anschließend langsam in den Tag zu schlurfen. Das ist passé. Früher haben wir am Abend nach der Arbeit oder am Wochenende beim Frühstück besprochen, was es im jeweiligen Job neues gibt, was wir zusammen machen wollen etc. Heute besprechen wir was es bei den Kindern neues gibt oder was wir mit den Kindern unternehmen können. Früher haben wir die Zeit zu zweit genossen, heute drück ich meinem Mann die Kinder entnervt in die Arme, wenn er Abends heim kommt, um dann in Ruhe und alleine erst einmal durchzuatmen. Am Wochenende bespaßt jeweils einer von uns die Kids, während der andere dringend zu erledigendes erledigt oder einfach mal etwas für sich macht. Früher waren wir zusammen, wenn wir zu zweit waren, heute schieben wir uns die Kinder hin un her und sind auch zusammen, aber eher in dem Sinn, dass wir zusammen in einer Wohnung sind. Klingt schlimmer als es ist. Ist halt einfach alles anders geworden.

 

Die Müdigkeit

Wir alle sind mal müde. Nach einem langen Tag, einer durchzechten Nacht, aufgrund von Jet Leg, wegen eines anstrengenden Jobs usw. Aber hey, bis ich Kinder hatte wusste ich  nicht WIE müde man sein kann. Das sind ganz andere Dimensionen. Als mein Sohn ein Baby war, habe ich mit ihm auf dem Wohnzimmerboden gespielt und bin dabei immer wieder in Sekundenschlaf gefallen. Das kam häufig vor. Und vor noch gar nicht langem ist es mir passiert, dass ich mit ihm auf der Couch saß und etwas vorgelesen habe und davon aufgewacht bin, dass das Buch, aus dem ich vorlas, mit einem lauten Knall auf den Boden fiel und mein Sohn gleichzeitig vorwurfsvoll rief „Mama, nicht schlafen!“. Ich habe mittlerweile so eine Grundmüdigkeit in mir. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal ausgeschlafen habe und vor allem habe ich keine Ahnung, wann ich das letzte Mal aufgestanden, bin, weil ICH aufstehen wollte.

Manchmal bin ich so richtig wie im Nebel. Vor Müdigkeit. Da kann dann schon mal der Zucker im Kochwasser landen statt des Salzes.

„Ich bin müde, Schatz.“ – „Warum? Es ist doch hell draußen.“ , fragt mein Sohn ganz verwundert. Es ist hell, also ist man wach. Und fit. So einfach ist das für ihn. Dass ich müde bin, weil auch die Nächte nicht immer fürs Schlafen da sind sondern ich teilweise im Stundentakt zwischen Schlaf- und Kinderzimmer pendle und daher müde bin, versteht er nicht.

 

 

Mir fiele noch viel, viel mehr ein. Aber kurz gesagt: Kinder relativieren einfach alles. Und das ist nicht negativ gemeint! Es wird einfach alles anders. Und das ist ok so.

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