Geburtstagsfeier mit Hindernissen

Schwups, wieder ein Jahr älter. Und dieses Jahr wollte ich das Feiern mal ganz gemütlich angehen lassen. Da mein Ehrentag auf einen Montag fiel, dachte ich, sollen am Nachmittag einfach die kommen, die Zeit haben, sprich die, die nicht arbeiten, was sich somit auf meine Eltern und Schwiegereltern beschränkt. Geplant war einfach eine Kleinigkeit zu essen und „einfach“ ein gemütliches Beisammensein.

Da aber „einfach“ einfach zu einfach ist, habe ich es dieses Jahr dann doch etwas spannender gemacht. Exakt eine Woche vor meinem Geburtstag musste ich mich plötzlich und unerwartet mit dem Krankenwagen in die Klinik fahren lassen. Der Schreck war groß und die Ungewissheit schlimm. Nach vier Tagen im Krankenhaus durfte ich dann wieder heim – der erste Verdacht hatte sich zum Glück nicht bestätigt. Da ich aber ziemlich geschlaucht war und der Schreck noch tief saß, wollte ich die Feier am Montag dann wirklich klein halten. Bis ich sie dann doch ganz absagen musste, weil ich am Nachmittag zum Hausarzt musste. Da ich bereits am Morgen mit meiner Tochter zum Impfen beim Kinderarzt war, hatte ich also mal ein wirklich ungewöhnliches Geburtstagsprogramm: zwei mal am Tag beim Arzt gewesen. Lief also alles nicht wie ursprünglich geplant. Egal.

Am folgenden Samstag dann stand immerhin eine kleine Feier mit ein paar lieben Mädels an. Kaffee, Sekt, Kuchen und gemütliches Quatschen und Tratschen. Und das Beste: Mein Mann hatte versprochen sich mit den Kindern zu verkrümeln, so dass wir Mädels wirklich Ruhe für uns hätten. Juhu!

Am Freitag dann schnell den Boden für die Schwarzwälderkirschtorte gebacken, so wie einen Apfelkuchen. Am Samstag Vormittag dann die Torte fertig machen. Es hätte so einfach sein können…..

Um sechs Uhr hat der Hahn, äh, mein Sohn gekräht. Somit waren wir alle wach und der Tag lang genug um alles geplante zu erledigen: Schnell durchsaugen, Torte fertig machen, Tisch decken, endlich mal wieder die Haare waschen, und nebenher natürlich wickeln, füttern, spielen, lesen etc. Fast entspannt also.

Nachdem ich die Spülmaschine erstmal zwei mal ausgeräumt und wieder beladen habe, den Küchentisch und die Arbeitsplatte von Krümeln und Klebrigem befreit hatte, wollte ich endlich loslegen und „schnell“ die Torte fertig machen. Der Boden hat wider Erwarten super geklappt und ich war happy, dachte ich doch, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann, schließlich habe ich die Schwarzwälder schon ein paar Mal gemacht und die Kirsch-Sahne Mischung hat immer geklappt. Tja, diesmal nicht. Man muss den Kirschsaft mit Speisestärke aufkochen. Easy Peasy. Eigentlich. Denn leider hatte die Stärke beschlossen sich im Topf zu einem großen, zähen Klumpen zu entwickeln, der sich trotz kräftigen Rührens und guten Zuredens leider nicht auflösen wollte. Hilfreich dabei war auch nicht, dass meine Tochter zwischen meinen Beinen herum robbte und mein Sohn die ganze Zeit rief „Mama, darf ich helfen? Darf ich, Mama?“ Ich war ob dieser unerwarteten Entwicklung schon ziemlich genervt und mir bzw. der Kirschpampe war nicht mehr zu helfen. Also beschloss ich wutentbrannt schnell nochmal einkaufen zu gehen um mir ein neues Glas Kirschen zu kaufen. Die Pampe in den Müll gekratzt, angezogen um los zu gehen, da sagt mein Mann doch allen Ernstes: „Du kannst ja ein Kind mitnehmen, ich beschäftige das andere so lange.“ Äh, nein!!!! Ich nehme ganz bestimmt überhaupt gar kein Kind mit! Es schüttet aus Kübeln, es ist windig und a…kalt und ich bin mega genervt. Geht´s noch? Also im ekligsten Wetter schnell zum Laden um die Ecke und wieder heim. Alleine. Zu Hause dann habe ich festgestellt, dass meine Stiefel offensichtlich nicht wasserfest sind. Schnell trockene Socken an, wieder in die Küche. Wieder Kirschsaft mit Stärke kochen, und diesmal, juhu, klappt es ohne Probleme.

Als nächstes ist die Sahne dran. Also echt, Sahne steif schlagen kann jeder. Wirklich jeder! Sahne in eine Schüssel, Rührgerät rein halten, warten, fertig. Ha! Denkste! Denn offensichtlich hatte sich die Sahne mit der Speisestärke verschworen und sich gedacht „Was die Stärke kann, kann ich schon lange. Ich mache heute nicht mit.“ Ich rühre und rühre und rühre und plötzlich denke ich „Mh, ist ja seltsam. Wusste gar nicht, dass steife Sahne auch krümelig sein kann.“ Hab ich echt noch nie gesehen! Aber meine Sahne war krümelig. Steif und krümelig. Egal, dachte ich, ich hau nachher Schokosplitter drüber, merkt keiner. Nochmal los zum Laden und Sahne kaufen, darauf hatte ich definitiv keinen Bock. Mittlerweile war der Vormittag fast gelaufen, der Tisch noch lange nicht gedeckt, die Tochter müde, hungrig und quengelig und ich, tja, mal wieder genervt. Dann die Krümelsahne auf dem ersten Tortenboden verteilt, die Kirschen drauf, nochmal Sahne drüber und … flup, läuft an den Rändern die ganze Mischung runter! Ahhhhh! Ist auch noch nie passiert. Was ist nur los? Tortenring rumgebastelt. Jetzt geht´s. Zweiter Tortenboden auf die „Nicht-Rutschfeste-Masse“, Kirschwasser drauf, Sahne drauf, dritter Tortenboden drauf … um dann festzustellen, dass die Sahne nicht reicht. Mist. Den minikleinen Rest übriger Sahne also nochmal in die Schüssel gehauen und steif schlagen. War zumindest die Idee. Denn jetzt hat die Sahne komplett gestreikt und beschlossen, einfach gar nicht mehr steif zu werden, so nach dem Motto „Wenn du mich nicht krümelig magst, dann werde ich eben überhaupt nicht mehr steif. Ätsch.“  Also habe ich aufgegeben, mich trotz der frühen Stunde nach einem Glas Sekt gesehnt, die streikende Flüssigsahne in die Spüle gekippt, und den kümmerlichen Rest steifer Krümelsahne über den Boden verteilt. Oben dann die abgezählten Dekokirschen drauf, die, warum auch  immer, jetzt plötzlich zu wenig waren, umpf, Schokosplitter drüber. Fertig. Fertig die halbwegs ansehnliche Torte, fix und fertig ich.

Und weil´s so spitze lief hat sich dann – als die Mädels da waren, der Sekt ausgeschenkt, der Kaffee in den Tassen – der Apfelkuchen auch noch gegen mich verschworen und beim Aufschneiden als nicht ganz durch geoutet. Und der ist sooo einfach, dass eigentlich nichts schief gehen kann! War jetzt aber auch vollends egal. Schnell einen Schluck Sekt auf die Misere getrunken und tapfer rein gebissen. Geschmeckt haben übrigens dann beide Kuchen.

Besonders schön war es neben den unkooperativen Kuchen auch mit meinen beiden Kindern. Dass Mann und Kids aus dem Haus sind, spätestens wenn die Gäste kommen, war eigentlich klar. Eigentlich. Denn als Gast Nummer eins kam beschloss Sohnemann, dass er „überhaut nirgendwo“  hingeht. Er will heute ausnahmsweise bei Mama bleiben. Kein Scherz, er hat wirklich „ausnahmsweise“ gesagt! So als wäre er sonst immer irgendwo nur nicht bei mir. Irgendwann hing er heulend und schluchzend an mir, weil er „gaaar nicht“ weg wollte. Und als ich ihn dann gerade noch davon abhalten konnte, sich die eben neu geschenkte Silberkette wie ein Gummiband über den Kopf zu ziehen und ich sie mir statt dessen umgelegt habe, gingen die Schleusen vollends auf und der Jammer war besonders groß. „Ich will auch so eine Kette haben“, schluchzt er und benutzt dabei einen Zipfel meines Pullis als Taschentuch. „Ok, mein Schatz, kriegst du zum Geburtstag, ja?!“ „Ich will heute Geburtstag haben!“, jammert er weiter und heult gleich nochmal lauter los. Oh je. Wo ist denn nur der Papa um mir das jammernde Elend abzunehmen?? Kurz darauf fing dann auch noch meine Tochter aus vollem Hals an zu brüllen, warum weiß wie immer kein Mensch. Und ganz Rabenmutter, die WIE BESPROCHEN, ihren Geburtstag wohlverdienterweise in Ruhe verbringen will, habe ich beide Kids im Flur abgestellt und die Türe zum Wohnzimmer geschlossen. Schlimm?Immerhin wohl wissen, dass der Papa sie jetzt übernimmt. Der ja VERSPROCHEN hatte mit beiden weg zu sein, sobald die Gäste kommen. Nach mehrmaligem Heulen, an mein Bein klammern, mich voll rotzen, nochmal schnell kuscheln oder Küsschen geben waren sie dann irgendwann endlich weg. Natürlich erst nachdem ich nochmal schnell erklärt hatte, wo eine warme Hose für meinen Sohn zu finden ist, und darauf hinzuweisen, dass für beide Kinder eine Trinkflasche eingepackt werden sollte.

Dann war Ruhe und wir Mädels konnten uns endlich gemütlich über die Nicht-ganz-durch-und Krümelsahne-Kuchen her machen und dazu ein Gläschen Sekt trinken.

Der Nachmittag war dann noch wirklich, wirklich schön und am Abend haben wir zu viert (Mama, Papa, Sohnemann, Töchterchen) noch ein paar kleine Tanzeinlagen im Wohnzimmer hingelegt. Happy Birthday und Prost!

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