Mama streikt! Und zwar wirklich oder zumindest ein bißchen – Und was habe ich davon?

Genug ist genug. Irgendwann reicht´s. Irgendwann ist man an seinen Grenzen angekommen und muss gegensteuern. So. Heul, jammer. Wieder mal… Aber diesmal ziehe ich es durch, nehme ich mir vor.

Dass es bei uns zu Hause nicht aussieht wie in einem Hochglanzmagazin habe ich schon mal erzählt. Wer Lust hat nachzulesen und außerdem mal wieder lachen will, bitte schön, hier geht´s lang.

Aber zur Zeit bin ich davon noch genervter als sonst. Ich bin jemand, der es gerne aufgeräumt mag. Nicht blitzblank und sagrotanrein, aber eben aufgeräumt. Das ist es bei uns nur leider nie. Ist ja eigentlich auch klar, ich habe ja zwei Kinder. Aber weil ich neulich mal wieder genug hatte, war ich so frech, die Mannschaft, sprich Kinder und zugehörigen Papa, zu bitten mir doch mal beim Aufräumen zu helfen. Dass es vergebene Mühe ist die Winzlinge um Hilfe zu bitten ist klar, aber der Herr der Schöpfung könnte ja meine Bitte wenigstens erhören. Aber weit gefehlt. Was bekam ich nämlich als Antwort? “ Wenn´s dich stört, dann räum halt auf.“ Wumm. Einfach so dahin geknallt, hat er den Satz, und gemeint hat er

„Wenn es DICH stört, dann räumt halt DU auf.“

Innerhalb dem Bruchteil einer Sekunde bin ich knallrot angelaufen und habe beschlossen: Es reicht. Ich streike jetzt! Was die anderen können, nämlich nicht aufräumen, kann ich schon lange. Ich bin ja schließlich nicht die einzige, die hier wohnt und Unordnung macht.

Der Startschuss fiel an einem Montag. Mittlerweile hatte ich eine Nacht drüber geschlafen und mich etwas beruhigt, von daher habe ich meine erste Idee, einfach überhaupt gar nichts mehr zu machen, abgeschwächt. Ich bin so nett einzugestehen, dass der Mann ja auch nicht einfach sagt ‚Dann gehe ich jetzt nicht mehr arbeiten‘ oder ‚Ich gehe zwar weiterhin arbeiten, aber du darfst nichts mehr von dem bitter verdienten Geld ausgeben.‘ Die abgeschwächte Variante lautet jetzt also

‚Ich mache alles was nötig ist, damit am Ende keine Kakerlaken Einzug halten.‘

Essensreste beseitigen und Spülmaschine aus- und einräumen: ok, den Kindern und dem Mann etwas zu essen machen: ok, Wäsche waschen, damit wir alle bei knapp über Null Grad nicht demnächst nackt raus müssen: ok. Aber alles andere, no thanks.

Also Montag morgen erstmal entspannt (ich hab ja heute Zeit, muss ja nichts aufräumen) bei Amazon Prime Music die Playlists durchgeguckt und zur Feier des Tages nach was Lustigem, Motivierendem gesucht und siehe da es gibt eine Playlist mit Motivations-Songs. Perfekt. Angeschmissen, aufgedreht und los geht´s. Meine musikfreudige Tochter klatscht in die Patschehändchen und lacht und ich fange an in der Küche herumzuwirbeln, mit den Hüften zu wackeln und zu tanzen. Nebenbei was aufgeräumt, das was weggestellt, kurz mal hier drüber wischen, da was beseitigt, den Stapel mit Unterlagen, der seit Wochen auf der Arbeitsplatte liegt und darauf wartet abgelegt zu werden, schnell abgeheftet, so motiviert war ich und dann ……  stelle ich mit Entsetzen fest: Hey, ich streike doch!!! Jetzt hat die böse Motivationsmusik mich doch tatsächlich dazu gebracht nicht nur alles Ungezieferanziehende zu beseitigen sondern auch noch aufzuräumen und sogar die Ablage zu machen! Das geht ja mal gar nicht! Schnell aus mit der Musik. Uff, gerade noch geschafft. Da wäre ich doch fast schon am ersten Tag zum Streikbrecher geworden. So verinnerlicht habe ich das nebenbei Aufräumen.

Ich halte es jetzt mit den Volks- und Raiffeisenbanken: „Wir machen den Weg frei.“

So mache ich das jetzt eben auch. Mit dem Fuß die Lego Duplo Steine aus dem Weg gekickt, sowie diverse Autos und anderes Spielzeug, das muss reichen. So kann man sich halbwegs sicher in der Wohnung bewegen ohne Gefahr zu laufen über irgendeinen größeren Gegenstand zu stolpern und sich dabei den Hals zu brechen.

Den Weg frei zum Essen mache ich auch, und das geht so: Alles, was sich auf dem Esstisch befindet und nicht zum Essen ist, wird soweit zur Seite geschoben, bis genug Platz ist, damit wir in Ruhe speisen können. Und da die holde Weihnachtszeit ja jetzt mit riesen Schritten angetrabt kommt, steht da so einiges auf unserem Tisch. Mein nicht-aufräumfreudiger Mann ist nämlich sehr dekorationsfreudig. Bisher leider nur in der Theorie. Denn er hat es bisher nur geschafft, sämtlichen Dekokrempel aus dem Keller zu holen und überall in der Bude zu verteilen. Also nicht dekoriert, sondern einfach erstmal irgendwo abgestellt. Und so tummeln sich auf unserem Esstisch neben diversen Filzstiften, Büchern, Autos und Papierfliegern gerade auch ein Leuchtschlauch-Rentier sowie eine Lok. Warum es eine Leucht-Lok gibt hat sich mir auch noch nicht  ganz erschlossen. Ist der Weihnachtsmann jetzt modern geworden und hat vom Rentierschlitten auf die Lok umgesattelt? Wie auch immer, eine eben solche steht jetzt also auf meinem Tisch. Zwischen Rentier und Lok tummeln sich außerdem noch vier Packungen mit Lichterketten, die Mann irgendwann gedenkt im Garten anzubringen. Aber hey, es ist erst Montag vor dem Ersten Advent, da bleibt ja noch massig Zeit.

Mein besonderes Highlight an meinem ersten Streiktag war, dass mein Mann für den Abend einen Termin mit einem Markisenhersteller vereinbart hatte. Schnell im Garten ausmessen und dann aufs Angebot per Post warten, so dachten wir. Ha! Weit gefehlt. Der gute Mann kam bepackt mit Musterkoffern und stiefelte, diverse Spielsachen sowie im Flur auf dem Boden rumliegende Jacken und Schuhe umschiffend (Mama streikt), direkt in unser Wohnzimmer, wo er erstmal nach einem Kaffee verlangte. Um 18.45Uhr, 15 Minuten bevor unsere Tochter ins Bett geht. Konnte ja keiner ahnen, dass der Herr vor hat sich bei uns häuslich nieder zu lassen, aber ok. Mein Mann hat dann erstmal blitzschnell an die achthundert Sachen vom Couchtisch auf den noch freien Platz auf dem Esstisch verfachtet, damit der Mensch seine Unterlagen ablegen konnte, um anschließend mit einem groben Schubs den ganzen angesammelten Kram von der Couch auf den Boden zu fegen, damit der Herr sich dann auch noch setzten konnte. Normalerweise wäre mir sowas ja fast peinlich, aber hey, Mama streikt. Zu guter Letzt ist er dann doch noch fast über den Hochstuhl von Madame geflogen. Wobei, der da stand, wo er immer steht, und damit eigentlich nicht im Weg.

Passend zur Vorweihnachtszeit hat die Konsumgüterindustrie uns voll im Griff. Es gibt den Black Friday und den Cyber Monday. Herrlich. Und weil die Industrie genau weiß, wie sie uns die Kohle aus den Taschen zieht, werden daraus gleich ganze Wochen gemacht, also die Black Friday Week und die Cyber Monday Week. Noch herrlicher. Zwar hat mein Mann definitiv keinen Spaß am Aufräumen, dafür aber umso mehr am Shoppen. Verkehrte Welt bei uns. Während ich nur einkaufen gehen, wenn es sein muss und ich jede Art von Shopping meide, ist mein Mann ein Shoppoholic. Zu besagten oben genannten Tagen, äh, Wochen, haben die Tasten unseres PCs geglüht vom vielen Online-Shopping meines Mannes.

Das Ergebnis: unsere Wohnung sieht jetzt aus wie ein Amazon Warenlager.

Über und über voll mit Kartons. Kartons, mit Sachen, die wieder zurück gehen, Kartons, die noch keiner aufgemacht hat, weil schlicht noch keine Zeit war und Kartons, die leer sind und dringend in die Papiertonne müssten. Mein Job? Nee. Mama streikt. So umschiffen wir mittlerweile also nicht nur Spielsachen in allen Größen und Drauftret-Schmerzarten sondern auch unzählige Tüten mit noch nicht dekoriertem Weihnachtsschmuck sowie einer LKW-Ladung Kartons. Im Sommer gibt es Maislabyrinthe zum Durchlafuen aus Vergnügen, wir haben derzeit also auch ein Labyrinth zu Hause. Das ist aber weniger vergnüglich.

Meine Tochter liebt es dagegen schon aufzuräumen. Leider in einem wenig produktiven Sinn. Sie zieht alle Schubladen auf und öffnet alle Schränke, an die sie nur irgendwie ran kommt und räumt alles, was sie in die Patschehändchen kriegt, aus. Theoretisch müssten wir also alle Schränke in einer Höhe bis etwa 1 Meter leer lassen, geht natürlich nicht. Also müssen wir mit den Konsequenzen leben. In einer Schublade befinden sich Kabel. Ummengen von Kabel. Weiß der Kuckuck wofür alles. Ich weiß es nicht. Egal. Sie öffnet diese Schublade täglich mehrfach und zieht die Kabel raus, schleift sie durch den Raum, lässt sie dann irgendwo liegen und freut sich dabei einen Wolf. Anfangs habe ich die Kabel immer wieder eingesammelt und in die Schublade zurück verfrachtet. Hätte ich mir sparen können. Hab ich dann recht bald auch. Ich lass sie jetzt halt machen. Was soll´s, denke ich mir, sie ist beschäftigt und hat Spaß, und ich habe meine Ruhe. Aber dem Mann gefällt das gar nicht. Die heiligen Kabel für weiß der Geier wofür („Schatz, weißt du wozu dieses seltsame Kabel hier gehört?“ „Mh. Nee, keine Ahnung.“) Also hat er alle Kabel geschnappt – und sie Mitten auf die Herplatte gelegt?!?! Das ist definitiv ein super Platz dafür, dachte ich mir. Und da ich aufräumtechnisch streike, habe ich sie liegen lassen. Wie ich jetzt koche? Ganz einfach. Kabel zur Seite schieben, kochen, danach Kabel wieder zurück schieben. Der Mann hat ja wohl gedacht, dass das der richtige Ort dafür ist. Also. Nach drei Tagen dann hat er allerdings auch eingesehen, dass der Platz eher weniger geeignet ist als Kabelablageort – und hat sie zurück in die Schublade verfrachtet!!!! Da fehlen mir die Worte. Und meine Tochter , die freut sich. 🙂

Da ich vor lauter Krempel auf dem Boden gar keinen Sinn darin sehe, den Staubsauger aus seiner Ecke zu holen und mal schnell durch die Bude zu flitzen, lasse ich das einfach. Ich müsste so viel Slalom laufen und so viele Spielsachen aus dem Weg kicken, da macht saugen gerade keinen Sinn. Und mein kleiner Freund und Helfer, die Miniaturausgabe eines Staubsaugers, der Staubsaugerroboter, den ich in der Not ganz gerne mal durch die Räume flitzen lasse, um zumindest die größten Krümel aufzusaugen, der stößt jetzt auch an seine Grenzen. Nachdem er sich zwischen zwei Duplo-Steinen, einem Auto und dem blinkenden Spielzeughandy immer wieder im Kreis gedreht hat, ist Schluss. Er kommt nicht weiter und guckt mich traurig an. Ich habe Erbarmen mit ihm, schalte ihn aus und stelle ihn in seine Ecke, wo er jetzt schmollt. „Nur weil Mama streikt darf ich meiner Bestimmung nicht nach gehen und muss jetzt traurig und alleine in meiner Ecke ausharren, bis wieder Normalzustand herrscht“, denkt er sich wahrscheinlich. Ach ja, mein lieber Freund, sobald wieder Platz ist, darfst du wieder flitzen. Aber jammer dann nicht, wenn die Kinder dir wieder hinterher robben und dir auf den Popo klopfen. Hat also doch auch Vorteile, wenn Mama streikt, oder?

Das sind nur ein paar Beispiele wie es hier bei uns gerade so zu geht. Ich könnte noch viel mehr berichten, aber das sprengt dann den Rahmen.

Was hat mir das ganze gebracht? Mh, gute Frage. Letztlich kam es so, wie ich es erwartete hatte:

  1. Mein Mann hat irgendwann mal tatsächlich den Müll raus gebracht und die Spülmaschine beladen. Von ganz alleine. Mehr aber auch nicht.
  2. Meine Kinder merken keinen Unterschied, freuen sich aber, dass Mama zur Zeit irgendwie mehr Zeit für sie hat
  3. Mein Mann beschwert sich nicht! Er sagt keinen Ton. Denn: es stört ihn schlicht nicht!

–> Fazit: es wird sich nichts ändern und alles bleibt wie immer: ich bin fürs Aufräumen zuständig.

Was hat mir jetzt also das Ganze gebracht?

Eigentlich nichts. Und ehrlich, ich habe auch nicht erwartet, dass sich nach meinem Streik etwas ändert. Dafür kenne ich meine Familie zu gut. Aber

Ich habe erkannt, dass ich es schaffe, gelassener mit dem Chaos umzugehen

und das ist doch auch viel wert. Irgendwann war das Durcheinander so normal, dass es mir egal war. Nur zum Normalzustand werden darf es natürlich auch nicht werden.

Also, ihr Lieben, jetzt muss ich aufhören zu schreiben. Ich werfe jetzt die Playlist mit den Motivationssongs an, schmeiße mich in mein Putz-Dress und lege hoch motiviert los, die Wohnung wieder halbwegs in Normalzustand zu versetzten. Was eine Weile dauern wird. Bis in circa zwei Wochen dann 😉

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