Plätzchen backen und andere Katastrophen

Es könnte so einfach sein, das Plätzchen backen. Teig machen, Plätzchen herstellen und in den Ofen schieben, warten bis sie fertig sind und genießen. Es könnte so einfach sein.

Mit zwei Kleinkindern ist es nicht einfach, aber interessant und definitiv nicht langweilig.

Und so haben wir uns neulich an den Klassiker gewagt, die Mürbteigausstecher. Nachdem ich ewig, obwohl ich das Rezept eigentlich im Kopf habe, nach dem passenden Rezept gesucht habe, bin ich im Internet fündig geworden, da in meinem Plätzchenbackbuch irgendwie das mir bekannte Rezept abhanden gekommen war. Also habe ich den Teig gemacht, mich gewundert, dass er so feucht ist, gedacht, dass die positiven Bewertungen schon stimmen werden und schon alles klappen wird, und dann haben wir uns an den Tisch gesetzt um los zu legen.

Aber nix da. Erstmal brüllt Madame und findet es doof, dass ihr großer Bruder und Mama am Tisch sitzen und sie auf dem Boden bleiben soll. Also ab in den Hochstuhl mit der Dicken. Und da das für sie nur eins bedeutet, nämlich „Juhu, endlich etwas zu essen!“, drücke ich ihr einen Riesen Reiskeks in die Hand und es ist Ruhe. Zumindest kurzfristig. In diesem Fall genau so lange, bis ich den klebrigen Teig halbwegs ausgerollt habe und dabei natürlich laut vor mich hin fluche, weil der Mist eben doch klebt wie die Sau. Also der nun wieder brüllenden Dicken noch einen Keks in die Hand gedrückt, in die Küche geflitzt um Mehl zu holen, zurück zum Tisch geflitzt und nochmal mit Hilfe des Mehls den Teig ausgerollt. Jetzt klappt´s. Zum Glück. Und dann ist mein Sohn ganz im Glück, denn er darf nun endlich ausstechen. Er sticht nun also Sterne und Herzen aus und versaut sich dabei von oben bis unten mit Mehl, während meine Tochter den halben Keks in Krümelform auf dem Boden verteilt. Ich atme tief ein und trinke meinen Kaffee nebenher.

Irgendwann ist alles ausgestochen und ich eile in die Küche um das Eigelb zum Bepinseln zu holen. Und während ich so in der Küche das Ei verquirle sehe ich wie mein Sohn über den Adventskranz greift um was auch immer zu holen und dabei fast seinen Ärmel in die brennende Kerze hält. Ich renne laut rufend zu ihm rüber und reiße seinen Arm hoch, er fängt vor Schreck an zu weinen und meine Tochter schaut ganz irritiert zwischen ihm und mir hin und her – um das lauthals aus Solidarität mit ihrem Bruder mit zu heulen. Ach herrje. Welch Freude. Und im Endeffekt bin ich unachtsame Mama ganz alleine Schuld an der Misere, denn ich habe die Kerze angezündet und dann den Tisch verlassen und damit meine Aufsichtspflicht verletzt. Zum Glück ist nichts passiert.

Dann wird nach dem überwundenen Schreck irgendwann endlich das Eigelb auf die ausgestochenen Plätzchen gepinselt und auf jedes dann etwa 80 Zuckerkugeln gestreut, drunter ist Sohnemann nicht zufrieden. Als die ganze Chose dann endlich im Ofen ist, sind sowohl der Mini-Mann also auch der Tisch und sein Stuhl in Mehl paniert und meine Tochter grinst mich mit Krümeln um den Mund herum an. Toll ist, dass ich erst jetzt das Rezept im meinem Rezeptbuch finde. Es ist urplötzlich doch wieder darin aufgetaucht. Beim nächsten Mal dann gibt´s Plätzchen ohne Klebeteig.

 

An einem anderen Tag waren Haselnussmakronen dran. Die sind so herrlich einfach zu machen und super lecker. Also ran an den Teig. Während Sohnemann im Kindergarten ist backen wir beiden Mädels. Und so stehe ich zunächst in der Küche und trenne Eier. Und während meine Finger voll klebrigem Eiweiß sind hat meine Tochter die super Idee die Schublade mit den Vorräten auszuräumen. Noch bevor ich „NEIN!!“ rufen kann hat sie eine ganze Packung Spaghetti auf dem Küchenboden verteilt. Also wasche ich mir schnell die Hände und sammle die Bescherung wieder ein. Mehrmaliges Ermahnen jetzt bitte nicht mehr sämtliche Schubladen zu öffnen und auszuräumen, lassen sie natürlich kalt und halten sie nicht davon ab ihrem liebsten Hobby nachzugehen.

Und während ich das Eiweiß steif schlage zieht sie erneut die Schublade auf und räumt raus was sie in die Finger bekommt: Nudelpackungen, Fischdosen und MarmeladenGLÄSER. Die Betonung liegt auf Gläser. Also schalte ich schnell das Rührgerät aus und packe den ganzen Kram wieder in die Schublade. Während ich weiter mache stemme ich einen Fuß gegen die Schublade, so dass Madame sie nicht mehr öffnen kann, was mit lauten Motzen und Heulen quittiert wird. Irgendwann gibt sie auf – und krabbelt einen Meter weiter zur nächsten Schublade. Jetzt sind also die Tupperdosen dran. Während ich also die gemahlenen Nüsse zum geschlagenen Eiweiß gebe holt sie eine Dose nach der anderen aus der Schublade und sabbert dabei einige davon genüsslich voll, meine Ermahnungen und Flehen das bitte sein zu lassen gelassen überhörend. Weil ich aber keinen Bock habe nachher von jeder Tupperdose die Sabber zu wischen unterbreche ich mein Treiben wieder einmal und packe alle zurück in die Schublade um diese dann – ich kann zaubern – mit dem Geschirrtuch, das Madame wieder einmal von seiner Halterung gerissen und auf den Boden geworfen hat, zu zu binden. Tuch um den Griff schlingen, um den Griff der Schublade darüber, Knoten rein, fertig. Das Resultat: eine wieder mal schimpfende Tochter. Hach, Plätzchen backen macht so einen Spaß….

Töchterchen hockt frustriert zu meinen Füßen und ich verteile die Eiweiß-Nussmasse auf den Oblaten und schiebe das Ganze anschließend in den Ofen. Geschafft. Nun beschäftige ich mich mit meiner Tochter um sie davon abzuhalten noch irgendetwas in Greifhöhe umzudekorieren, als mir siedend heiß bewusst wird, dass ich vergessen habe auf die Makronen die Haselnüsse zu setzten! Ah! Also schnell zum Ofen flitzen und das Backblech raus ziehen um die Nüsse auf die knallheißen Makronen zu verteilen. Dabei rede ich beschwörend auf meine Tochter ein nicht zu nah zu kommen, weil heiß, und schiebe sie mit meinem Fuß immer wieder vom Ofen weg während ich mit der Hand die Nüsse verteile. Am Ende ist es geschafft. Die Makronen sehen aus wie sie sollen, Madame hat sich nicht verbrannt, dafür ist mir nun knallheiß und ich denke mir wieder einmal: Plätzchen backen könnte so einfach sein. Könnte.

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