Weihnachtszeit, du machst mich fertig

Wusstet ihr eigentlich, dass die Einschulung der Erstklässler und der Beginn der Weihnachtszeit so ziemlich zeitgleich statt finden? Noch während die Stöpsel mit ihren viel zu großen Schulranzen und den in Schwerstarbeit selbst gebastelten Schultüten einem neuen Lebensabschnitt entgegen gehen stehen gleichzeitig schon die ersten Schokoladenweihnachtsmänner in den Läden. Im September!!! Ist das nicht gestört? Da schwitzen die Schokomänner in den Läden vor sich hin und zur gleichen Zeit geht man, ohne sie eines Blickes zu würdigen, an ihnen vorbei direkt zum Grillfleisch, weil man den Herbst nutzen möchte und nochmal den Grill anschmeißen will. Das ist doch wirklich verrückt.

Jedes Jahr frage ich mich aufs Neue: Muss das sein? Aber der Handel sagt: Ja, das muss sein. Die Nachfrage ist da. Also: ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und die Theorie von Angebot und Nachfrage ist mir nicht unbekannt. Aber mal ehrlich: Wer fragt im September denn WIRKLICH nach Weihnachtsgebäck???  Mir geht es eher so, dass ich mit der marinierten Pute, die ich fürs Grillen kaufe, den Schokonikoläusen eins überziehen will. So richtig mit Wucht, dass auch ja alles in Trümmern liegt und die Lebkuchen und Spekulatius gleich mit vom Regal auf den Boden knallen. Denn: Es ist September, verdammt nochmal!

Aber leider, leider hört keiner auf mich und auch in diesem Jahr ging es im September los. Irgendwann wird es dann tatsächlich mal kalt, und meinetwegen auch etwas weihnachtlich. Gaaaanz langsam. So Ende Oktober. Und dann geht der Spaß erst richtig los.

Die Läden sind knüppelvoll mit Weihnachtskram und jeder Menge Zeug, das mein Sohnemann UNBEDINGT haben MUSS. In den Spielzeugläden ist kein Durchkommen mehr und der Terror somit vorprogrammiert. „Mama, das will ich haben!“, ist ein viel gesagter Satz dann. Vor so ziemlich jedem Spielzeug im Laden. Ein „Nein“ wird nicht akzeptiert. Und der Hinweis darauf, dass doch bald Weihnachten ist und der Weihnachtsmann bestimmt tolle Sachen bringt, wird einfach überhört, denn „Mama, das kannst DU doch JETZT kaufen. Ich BRAUCHE das JETZT, Mama.“ Und dann geht´s los. Ich bleibe stur beim Nein und mein Sohn bleibt stur der Meinung, dass er das Spielzeug xy JETZT GLEICH braucht. JETZT. UNBEDINGT. Das Resultat unserer beider Sturheit ist, dass ich meinen Sohn an einer Hand durch das komplette Einkaufszentrum Richtung Ausgang ziehe, während er dabei brüllt und heult, dass wir die volle Aufmerksamkeit aller haben und ich dabei mit der zweiten Hand den Kinderwagen mit Tochter drin durch die Menschenmassen bugsieren muss, was schwer ist, da eben diese Menschenmassen und der brüllenden Sohn das Ganze nicht gerade erleichtern. Klar kann man das Problem umgehen. Man kann einfach in der Weihnachtszeit sämtliche Spielzeug- und Kruschtläden meiden. Ab September dann halt. Spitze.

So circa eine Woche vor dem Ersten Advent fiel mir ein: Mist, bald ist Erster Advent! Und ich habe noch keinen Adventskranz. Und da ich den Kranz der letzten Jahre nicht mehr sehen kann, musste was Neues her. Also habe ich den Mini-Mann bei der Oma abgeliefert, denn bis Mitte Januar gehe ich mit ihm in keinen Laden mehr, Grund siehe oben, und habe nur meine Tochter in den Buggy gesteckt und mitgenommen. Und wieder wurde es spaßig. Ich wollte nur schnell ein paar Sachen für das Adventsgesteck kaufen, also Kerzen, eine Schale, ein paar Zweige o.ä. zum Dekorieren. Alles zu finden in einem einzigen Laden. Easy Peasy also. Ha! Dieser eine Laden war dann prompt so zugeknallt mit allem, was man „braucht“ zur Weihnachtszeit, dass es nahezu unmöglich ist durch den Laden zu laufen wenn man a) eine Konfektionsgröße größer 38 trägt und b) einen Kinderwagen dabei hat. Der Buggy und ich schaffen es gerade so in den Laden hinein zu kommen und dann ist Schluss. Links von uns stehen Schüttelkugeln aus Glas, rechts Kerzenständer aus Keramik, der Weg dazwischen hat etwa 50 cm Breite und ist somit prädestiniert dafür, dass meine Tochter ihre Patschehändchen einfach nur aus dem Wagen strecken muss um den halben Laden in Schutt und Asche zu legen.

Also lasse ich sie in ihrem Buggy einfach stehen in der Hoffnung, dass sie nicht allzu sehr im Weg ist und versuche mich durch die Menschen- und Sachmassen zu bahnen um schnell meinen Kram zu beschaffen. Aber auch das ist nicht so einfach. Denn sobald ich aus Madames Blickfeld bin fängt sie an lauthals zu brüllen. Ich quetsche mich also zwischen Krutsch und Leuten durch, ignoriere das Gebrüll, und schmeiße mehr oder weniger ohne genau hinzugucken und zu überlegen ein paar Dinge in meinen Korb, von denen ich denke ein einigermaßen hübsches Adventsgesteck hinzubekommen. Irgendwann sehe ich aus dem Augenwinkel wie ein Mann mit großem Ausfallschritt über den Buggy samt Kind steigt, und mir ist es so was von egal, dass sie da offensichtlich voll im Weg steht, denn anders ist es einfach nicht möglich. Nach gefühlten 100 in Wirklichkeit wahrscheinlich 10 Minuten habe ich alles zusammen und manövriere den Buggy um zig Stände mit zerbrechlichem Zeug darauf herum in Richtung Kasse: Mir ist heiß, ich bin platt und genervt und das innerhalb weniger Minuten. Irgendwann darf ich mein Zeug bezahlen, meine Tochter brüllt natürlich längst wieder, weil sie einfach keinen Bock auf all das hat. Tja, was soll ich sagen? Ich auch nicht.

Dekoriert werden muss zu Hause auch. Wie jedes Jahr schaffen wir es Spitz auf Knopf. Gefühlte 800 Dekoartikel und Lichterketten liegen irgendwann in meiner ganzen Wohnung verteilt herum und warten darauf angebracht zu werden. Dummerweise hat mein Mann den ganzen Kram an einem Sonntag aus dem Keller hochgeschleppt und vorm nächsten Wochenende ist einfach keine Zeit zum Anbringen. Also wohnen wir eine geschlagene Woche lang zwischen dem ganze Zeug und laufen Slalom.

Und dann die Schenkerei. Mein Sohn hat F-Ü-N-F Adventskalender!! Was will ich machen, wenn Omas und Freunde die Dinger anschleppen?! Besonders schön an der ganzen Sache finde ich, dass mein Sohn jetzt immer so voller Vorfreude aufs Öffnen des nächsten Türchens ist, dass er gerne mal um 3 Uhr nachts an meinem Bett steht und den Tag starten will. Gerade neulich erst. Da hat sich dann der Papa erbarmt (unsere Aufteilung Papa kümmert sich um den Sohn, Ich mich um die Tochter klappt super) und ist mitsamt Sohnemann ins Arbeitszimmer gegangen um dort gemeinsam auf der Couch weiter zu schlafen. Um 4 Uhr dann wurde es meinem Sohn zu langweilig, denn er wollte jetzt ENDLICH die Kalender öffnen. Ab 4.50 Uhr gab es deshalb eine Dauerdiskussion, woraufhin sich das Aufstehen um 5.20 Uhr nicht mehr umgehen ließ. Allerdings war uns das zu bunt, so dass seit diesem Tag die Kalender erst am Nachmittag geöffnet werden dürfen. Jetzt steht der Mini wieder zur normalen Zeit um 6 Uhr auf.

Aber als ob das nicht genug wäre kam auch der Nikolaus ganze fünf mal! Natürlich in der Nacht zu uns in die Wohnung. Dann an Morgen, als wir los sind zum Kindergarten, haben wir entdeckt, dass er auch etwas an die Türklinke gehängt hat. Im Kindergarten war er auch. Und auf dem Weg in die Bücherei haben wir gesehen, dass er auf dem Marktplatz Audienz hält. Da gab es natürlich auch ein Geschenk. Zu guter Letzt hat er bei der Tante auch noch etwas hinterlegt. Fünf Geschenke vom Nikolaus! Zusätzlich waren wir bei einer kleinen Kinderweihnachtsfeier unter Freunden und da wurde gewichtelt. Und dann gab es doch tatsächlich gleich zwei Geschenke für meine Sohn, die ich als vollwertige Weihnachtsgeschenke einstufen würde, nicht nur irgend eine Kleinigkeit wie ein Pixi-Buch. Bei den Massen an Geschenken, die es bis zum 24. gibt kann der Weihnachtsmann ja nur noch abkacken. Das zu toppen schafft er niemals!

Und den ganzen Dezember hindurch die Frage: Wo feiern wir mit wem und wer bringt was mit? Ex-Mann oder neuer Partner? Wer ist bereit wie weit zu fahren und wer ist bereit sein Zuhause zur Verfügung zu stellen? Können die Hunde mitgebracht oder anderswo untergebracht werden? Um wie viel Uhr sollen wir anfangen, damit es für die Kinder passt? Kaffee und Kuchen vor dem Essen oder lieber Nachtisch danach? Wer ist bereit auf sein traditionelles Essen zu verzichten und mal was anderes zu probieren ober müssen es wirklich ALLE Traditionsrezepte sein, die letztlich sowieso kein Mensch schafft zu essen? Strenge Katholiken versus Atheisten. Kirche ja oder nein? erst Bescherung oder erst Essen? Stresssssss!!!!! Wo bleibt der Spaß, wo die Besinnlichkeit?

Als Kind habe ich Weihnachten geliebt. Daher mache ich jetzt auch alles mögliche um meinen Kinder auch solch ein Gefühl zu vermitteln.

Aber ganz ehrlich, mittlerweile kann ich nur noch sagen: Weihnachtszeit, du machst mich fertig.

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