Mein steiniger Weg zur Trauung – Die Katastrophenhochzeit Teil 1

Ich werde heiraten. Hä? Wie? Was? Jap. Wenn ich bisher von meinem Mann gesprochen habe war das genau genommen nicht ganz korrekt, denn wir leben bisher in Sünde. Richtigerweise hätte ich von meinem Freund, meinem Partner oder Lebensgefährten oder wie auch immer man das nennen mag, sprechen müssen. Hab ich einfachheitshalber aber nicht. Außerdem sind wir schon so lange zusammen, dass er für mich bereits mein Mann ist. Mal abgesehen davon, dass wir zwei gemeinsame Kinder sowie gemeinsame Schulden für unsere Eigentumswohnung haben. Die Hochzeit ist also eigentlich das einzige, was bisher fehlt.

So viel zum nicht allzu spannenden Teil. Aber jetzt wirds lustig. Denn  nun – die Familie wartete schon seit Jahren darauf – haben wir beschlossen zu heiraten. Und wie der Weg zu unserer lang erwartetetn Hochzeit bisher läuft, berichte ich nun.

Steinig und holprig. So ist der Weg. Bisher.

Die Idee

In etwa folgender Dialog hat sich im Spätsommer letzten Jahres ereignet:

Ich: „Du, Schatz, was ist denn nun mit der Hochzeit? Machen wir das jetzt endlich mal oder was?“

Er: “ Mh. Ja, ok, wegen mir. Hab ja mal letztes Jahr im Standesamt angefragt wie das mit den Terminen und so ist und das ist kein Thema, da können wir ganz spontan sein.“

Ich: „Ok. Dann ruf ich da jetzt mal an und kläre alles, ja? Dass wir das jetzt auch endlich mal machen, ok?“

Er: „Ja, ja. Mach das.“

 

Romantisch, nicht? So stellt man sich das als Frau doch vor. Kein Antrag, kein Ring, keine Rede seitens des Mannes und anschließende innige Umarmung mit Tränen und Küssen. Nee, nee. Bei uns geht nichts nach Standard (Diejenigen, die wissen, wie meine Schwangerschaften abliefen, ist bereits klar, dass bei uns nichts „normal“ läuft).

Also habe ich im Oktober im Standesamt angerufen. Mit dem Plan noch Ende des Jahres ganz zwanglos und entspannst zu heiraten (Mann: „Das ist dann super wegen der Steuer.“ – ja, ja, die Romantik…)

Das Amt

Die Standesbeamtin ist ebenfalls enspannt was die Terminierung angeht und guckt im PC noch mal eben nach unseren Personalien – um dann zu sagen: „Ach, ihr Partner ist ja in Polen geboren. Da müssen Sie dann eine internationale Geburtsurkunde anfordern.“ Mh, ok. Das hat der Zukünftige offensichtlich damals nicht in Erfahrung gebracht, aber okay, das sollte sich machen lassen.

Ha! Nach einer Woche unzähliger erfolgloser Versuche irgend einen Menschen in der Polnischen Botschaft ans  Telefon zu bekommen (so sollten wirs laut der Dame vom Amt machen), haben wir aufgegeben und waren genervt. Also beschloss der liebe gebürtige Pole im Standesamt seine Geburtsorts in Polen anzurufen. An einem Samstag! Ich bin Urdeutsch und habe ihn  erstmal angeschaut, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank. „Es ist Samstag, Schatz. Samstag!“ „Na probieren kann ich´s ja“, sagt er und ich lache verzweifelt und denke mir, dass er ruhig seine Zeit verschwenden soll, wenn er mag. Aber:  Er war erfolgreich! Unfassbar! Als würde irgend ein Mensch in Deutschland versuchen ein Amt an einem Samstag zu erreichen! Man ist ja schon froh unter der Woche einen Beamte ans Telefon zu kriegen.

Die nette Dame aus Polen jedenfalls war zwar nur die Notbesetzung aber sehr bemüht zu helfen. Mein Mann sollte nur noch schnell alles in eine EMail packen und dann würde sich die zuständige Person bei uns melden. Vorweg: Am Montag morgen um kurz nach 8 Uhr war die Antwort bereits da!!!! So etwas ist in Deutschland absolut unvorstellbar. In Polen ist ja gerade viel in Schieflage, aber hier muss ich sagen: Hut ab!

Kleines Problemchen: Die Email. Polnisch sprechen geht ganz gut, aber schreiben, oh je oh je. Mein Liebster saß also ca. 1 Stunde an der Email, die im Endeffekt etwa 2 Sätze enthielt. Große – und wohl sehr wichtige Frage in Polen – die korrekte Anrede. Denn Titel etc. sind dort wohl heilig. Nun gut. Nächstes Problem: das korrekte Wort für „Heiraten“. Die Polnische Sprache hat es echt in sich und ist meiner Meinung nach unerlernbar. Denn es gibt mehrere Möglichkeiten für das Wort „Heiraten“, je nachdem wen man heiraten will. Echt jetzt. Ob einen Mann oder eine Frau zum Beispiel. Und diese Worte haben dann auch noch gar nichts miteinander gemein. Verrückt.

Jedenfalls wurde die Email also letztlich in Polen verstanden und ruck zuck beantwortet. Man könne ja alles per Online Formular bestellen. Ok. Easy! Easy? Nöp. Denn ohne polnische Steuernummer ist das nicht möglich. Und die haben wir natürlich nicht. Also wieder in Polen angerufen, wieder gebeten worden eine Email zu schreiben, wieder stundenlang am Entwurf der Email gesessen, vorab Geld für die Urkunde überwiesen und ca. 3 Wochen später war sie dann da. In vielen Sprachen aber sehr kurz. Zu kurz. Ohne Zusätze wie ob bereits verheiratet etc., was das deutsche Amt eben eigentlich wissen will. Also wieder in Polen angerufen und wieder erklärt was notwendig ist. Ups, mh, so was haben wir nicht in internationaler Form, hieß es. Schreibt doch bitte eine Email. Halleluja. Schon wieder. „Schickt was ihr habt“, haben wir gesagt, und weitere 3 Wochen später kam dann eine weitere Urkunde. Diesmal nur auf Polnisch aber mit allen benötigten Infos. Seit meinem ersten Anruf auf dem deutschen Standesamt waren jetzt bereits läppische zwei Monate vergangen. Kleines Schmankerl: Die hochwertigen Urkunden aus Polen kamen per Einschreiben mit Unterschrift und waren günstiger! als die billige Kopie meiner per Handschrift!  ergänzten Geburtsurkunde, die mit normaler Post aus dem Nachbarort kam.

So, und dann war Weihnachten. Erreicht mal ein deutsches Amt zwischen den Feiertagen, ach was, vor dem 6. Januar! Ich liebe deutsche Ämter. Irgendwann aber hatten wir dann den Termin zur Anmeldung zur Eheschließung. Die schnelle Heirat noch im alten Jahr war allerdings schon leider nicht mehr möglich.

Die Anmeldung zur Eheschließung

Früher hieß das so nett „das Aufgebot bestellen“. Heute macht man schnell einen Termin zur „Anmeldung der Eheschließung“. Wenn alle Unterlagen da sind könnte man dann sogar sofort heiraten. Wir wollten aber zunächst mal nur die Anmeldung hinter uns bringen.

Großbaustelle rund ums Amt. Abend, da der Mann zwecks Unterschrift mit musste. Daher auch beide übermüdeten Kinder dabei. Feierabendverkehr, daher statt 5 Minuten 25 gebraucht. Also zu spät. Wegen der Baustelle keine Parkplätze weit und breit. Also lässt der Mann mich irgendwo an der Straße raus und ich renne mit dem Sohn durch Schlamm und Matsch im Regen über die Baustelle zum Amt, um dann, trotz Termin! und der und Verspätung eine Nummer ziehen zu dürfen! Hab ich schon erwähnt, dass ich deutsche Ämter liebe?

Die gute Ute, mit der ich den Termin vereinbart hatte, war nicht da, also durfte die Kollegin ran. Die hat offensichtlich solch einen Bock darauf, dass sie mir weder die Hand gegeben noch mich angeschaut hat, als sie uns ins Standesamtzimmer gebeten hat. Während mein Sohn müde jammert, dass er solch einen Hunger hat und es ihm außerdem langweilig ist, startet die Beamtin in beamtischer Lichtgeschwindigkeit ihren Job. Sprich sie war Null vorbereitet und musste erstmal wieder zurück laufen, um ihren Kalender zu holen um überhaupt schauen zu können, wann Termine für die Trauung frei sind. Nachdem sie weiß der Himmel was in ihrem PC geprüft hat, gefühlte zig Stundenlang, und mein Sohn sich mittlerweile auf den Boden in einem schlafähnlichen Zustand befand, fing die Gute dann mal an alles zu fragen und zu erklären. Der Mann hatte mittlerweile einen Parkplatz, dummerweise schlief die Tochter bereits im Kindersitz. Pech. Der Mann muss kommen zwecks Unterschrift. Auch er bekommt keine Hand gereicht. Die schnarchige Beamtin schreibt und guckt und macht und  – naja. Hab ich schon gesagt, wie toll ich deutsche Ämter finde?

Irgendwann waren wir dann beim Thema Nachname. Also ich werde, klassisch langweilig, den Namen meines Mannes annehmen. Dann heiße ich wie meine Schwiegermutter. Nichts gegen meine Schwiegermutter. Aber: DANN HEIßE ICH WIE MEINE SCHWIEGERMUTTER! Ihr versteht was ich meine. „Bei der Scheidung können Sie ja wieder Ihren Mädchennamen annehmen“, sagt die Unsympathische vom Amt. Meine Fresse, wo bin ich hier gelandet?! Da bin ich noch nicht mal verheiratet und schon geht´s  um die Scheidung.

Irgendwann waren wir fertig. Die Kinder fix und fertig.

Und dann ging es daran, es der Familie zu sagen. Auch dieser Teil lief bei uns nicht normal ab.

Fortsetzung folgt…..

3 Kommentare zu „Mein steiniger Weg zur Trauung – Die Katastrophenhochzeit Teil 1

  1. Bei den internationalen Urkunden muss ich die deutschen Ämter aber mal in Schutz nehmen. Wir erfuhren eine Wiche vor Umzug, dass wir internationale Urkunden benötigen oder wesentlich teurere amtliche Übersetzungen in Polen anfertigen lassen müssen. Ich musste vier verschiedenen Ämter in ganz Deutschland anschreiben/anrufen und hielt alle Urkunden nach wenigen Tagen in den Händen, noch vor Umzug. Und ja, die polnischen PESEL-/NIP-Nummern können sehr nerven, wenn man keine hat, weil das ganze System hier darauf abgestellt ist… ohne ist man eine Ausnahme, die begleitet von viel Augenrollen einiges Getippe am Computer erfordert.

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