Liebe Mütter

Liebe Mütter, ihr, die ihr alles so gut im Griff habt, Kinder, Haushalt, vielleicht einen Job, die ihr unter all der Arbeit euch selbst nicht vergesst und regelmäßig zur Kosmetikerin geht, Freunde trefft und Hobbys nachgeht, ihr, die ihr ausgeglichen seid, ihr, die ihr regelmäßig bloggt und Ratschläge gebt, wie all das unter einen Hut zu bringen ist: ich bewundere euch! Und ich habe eine Frage an euch:

Wie macht ihr das?

Ich habe in letzter Zeit viel von euch gelesen. Darüber, wir ihr zu Gelassenheit mahnt und ratet, die Dinge zu nehmen wie sie sind, um sich das Leben zu erleichtern, denn es sei halt nun mal so, nach dem Motto: Nimm´s hin, dann läuft´s.

Ehrlich?

Ich meine, ich gebe euch Recht! Ohne Gelassenheit geht es nicht. Schon klar. Einfach früher aus dem Haus gehen, um den Arzttermin auch wirklich zu schaffen, ok, sich nicht ärgern, sondern es hin nehmen, wenn das Kind sich zum dritten mal am Tag vollpinkelt, weil man es ja eh nicht ändern kann, ok, sich einfach daran freuen, dass man diese über alles geliebten kleinen Menschen aufwachsen sehen darf, auch wenn man dafür seit Jahren an Schlafmangel leidet und sich selbst gefühlt komplett aufopfert, nun gut, aber

Wie macht ihr das WIRKLICH???

Seid ihr wirklich gelassen, nur weil ihr es euch vornehmt. Ist dieser dauerstressige Alltag für euch leichter zu bewältigen, nur weil ihr hinnehmt, dass es nun mal so ist? Seid ihr selbst wirklich zufriedener, wenn ihr die Dinge nehmt, wie sie sind, und euch bewusst versucht nicht darüber zu ärgern? Ehrlich?

Dann bewundere ich euch wirklich! Und dann will ich bitte WIRKLICH WISSEN wie das geht? Denn zu allem was ich lese kann ich ohne zu zweifeln sagen: Ja, ihr habt Recht. Aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie ihr das hinkriegt.

Liebe Mütter, ihr, die ihr mehr als ein Kind habt, die ihr euch aufteilen müsst zwischen den Kindern und deren unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen, zwischen den unterschiedlichen Temperamenten und Gewohnheiten, schafft ihr diesen Spagat wirklich, weil ich euch vornehmt gelassener zu sein? Wie schafft ihr es TATSÄCHLICH gelassener zu sein? Ich versuche es jeden Tag und scheitere jeden Tag kläglich.

Liebe Mütter, ihr, die ihr High Need Babys habt, Schreibabys, oder Kinder, die einfach nicht ohne euch können, wie kann euch das nicht fertig machen? Seid ihr wirklich ehrlich, wenn ihr predigt, die Dinge hinzunehmen sei einfacher, es kommen ja auch andere Zeiten? Wie könnt ihr am Ende eines Tages nicht völlig fertig sein, nachdem euer Kind den ganzen Tag geschrien hat, sobald ihr auch nur dem Raum verlasst? Könnt ihr es wirklich genießen, wenn euer Kind, jede Nacht, also wirklich jede einzelne Nacht in eurem Bett verbringt, weil es sonst nur brüllt? Findet ihr es wirklich immer süß, wenn euer Kind beim Spielen nicht neben euch sondern auf euch sitzt? Ist es für euch wirklich kein Problem, dass euer Kind auch mit 16 Monaten noch nicht abgegeben werden kann, weil es sonst dauerbrüllt, bis ihr wieder zurück seid?

Liebe Mütter, ihr, die ihr arbeiten geht, euch aufreibt zwischen Job und Familie, den Haushalt schmeißen müsst, den Kindern die wohlverdienten Kuscheleinheiten geben wollt, seid ihr ehrlich nicht völlig überfordert mit dieser mehrfach Dauerbelastung?  Setzt es euch ehrlich nicht unter Druck, dass ihr all das wie selbstverständlich bewältigen sollt? Habt ihr kein schlechtes Gewissen, wenn ihr den ganzen Tag arbeitet und erst am Nachmittag die Kinder holt, fühlt ihr euch nicht gestresst, wenn ihr dann natürlich mit den Kindern spielt, dafür aber die Wäscheberge einen weiteren Tag liegen lasst und der Kühlschrank außerdem leer ist?

Liebe Mütter da draußen, ich will so gerne gelassen sein, also sagt mir wie das WIRKLICH geht! Denn die Gelassenheit wäscht meine Wäsche nicht. Das Hinnehmen von Dingen ändert nichts daran, dass ich dauerhaft am Rotieren bin und den ganzen Tag ackere nur um mich am Ende eines Tages zu fragen, was ich eigentlich heute gemacht habe, so wie die Bude aussieht und mit all den nicht abgearbeiteten Punkten auf meiner To Do Liste. Das Früher aus dem Haus gehen um Termine einzuhalten mag ja eine löbliche Idee sein, aber das ändert doch nichts daran, dass ich vorher wieder Nerven lassen muss, weil der Sohn sich partout nicht anziehen will und ich der Tochter durch die ganze Wohnung hinterher rennen muss, um sie in ihre Jacke zu stopfen.

Ja, ich weiß, dass das Leben mit Kindern nun mal so ist! Und es ist auch ok so, dass es so ist. Aber wie schafft ihr es das alles gelassen zu sehen und jeden Tag glücklich und ausgeglichen ins Bett zu fallen ohne euch regelmäßig zu fragen, wie ihr hier gelandet seid?

Oder, liebe Mütter, die ihr all das scheinbar so leicht bewältigt, habe ich euch falsch verstanden? Dann helft mir doch euch zu verstehen!

4 Kommentare zu „Liebe Mütter

  1. Meine Twins sind acht Monate alt und wenn ich bei Instagram die perfekt inszenierten Bilder sehe, denke ich auch oft: Wie kann das sein?
    Ganz ehrlich, ich dusche manchmal erst mittags, wenn sie ihr Schläfchen machen. Wenn mein Mann nicht regelmäßig waschen würde, hätten wir vermutlich nichts zum anziehen. Mein Haushalt bleibt oft liegen. Am Abend wird die Küche aufgeräumt, die Spielsachen weg geräumt. Aber der richtige Hausputz wird am Wochenende gemacht, wenn der Papa die Kinder bespaßt. Hier kann man nicht vom Boden essen. Aber ich kann damit leben. So passt es für uns und zu uns. So kann ich damit gut leben. Ich weiß noch nicht, wie es sein wird, wenn ich wieder ins Büro muss. Aber das blende ich erstmal aus

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  2. Die Wahrheit ist: einen Scheiß schaffen wir wirklich. Wir lügen uns in die eigene Tasche und heulen abends vor Erschöpfung in’s fette Eis mit viel Eierlikör! Ist jetzt vielleicht auch ein Extrem, kommt aber durchaus ab und an vor 😉 Zwischen dem Vorsatz (oder Traum?) von Gelassenheit und der Realität tun sich manchmal Abgründe auf! Halt die Ohren steif!

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  3. Muhaha…ich muss mir erst mal die Tränen aus den Augen wischen. Tränen vor Glück, dass Du einfach mal aussprichst, was Phase ist. Einstein sagte einmal, „Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen.“ Also alles richtig gemacht.
    Ich glaube tatsächlich nicht daran, dass es diese perfekt frisierten, perfekt angezogenen, perfekt erziehenden, geerdeten, ungestressten Mütter mit Engelsgeduld überhaupt gibt. Ich habe jedenfalls noch nie eine in freier Wildbahn gesehen. Und trotzdem frage ich mich liebend gerne: Warum bin ich nicht perfekt? Eine perfekte Mutter, oder wenigstens eine perfekte Hausfrau? Ein perfektes Irgendwas? Es ist idiotisch. Unmachbar. Also, erster Schritt: Die Ansprüche an sich selbst runterschrauben. Nächster Schritt: Auf’s Bauchgefühl hören. Und das sagte mir zum Beispiel gestern Abend: „Lass die alten Erbsen auf dem Küchenboden liegen, nimm dir ein Eis und setzt dich sofort auf die Couch, sonst gibt’s Kloppe.“ Bitte, ich ergebe mich. Ganz nebenbei knüppert sich so ein längerer Geduldsfaden für den nächsten Tag. Es erhöht sich auch meine Toleranzgrenze dem Haushalt gegenüber. Warum vom Boden essen können? Dafür gibt es Tische! Wir sind ja schließlich zivilisiert.

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  4. Ich denke, es gibt diese guten Tage, wo man alles gelassen nehmen kann und das Leben mit den lieben Kleinen genießen kann und es gibt die anderen, wo JEDE Mutter komplett überfordert ist. Das Gute ist, dass auf jede anstrengende Phase eine Phase folgt, in der man wieder etwas Kraft tanken kann für die nächste Anstrengende.Toll, was? Und irgendwann kommen andere Zeiten. Bis dahin, einfach alle Perfektionsmamas ignorieren und sich solche suchen, mit denen man offen und ehrlich über das echte Leben reden kann. Das hilft immer!

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