Mama Oktopus

Ich wäre gerne ein Oktopus! Kein dämliches Einhorn mit wallender Mähne, das womöglich noch rosaglitzernd durch die Gegend fliegen kann. Kein eleganter Schwan, der elfengleich übers Wasser gleitet, und auch kein bunter hübsch anzusehender Paradiesvogel oder stolzer Pfau mit schimmerndem Rad. Nee, nee. Ich wäre gerne ein Oktopus.

Acht Arme, das wäre doch was! Was nützen mir bunte Federn oder ein Horn auf der Stirn? Nix, aber rein gar nix! Aber acht Arme, das wäre der Bringer.

Dann könnte ich meiner Tochter ihren Frühstücksbrei füttern, während ich parallel dazu meinem Sohn sein zweites Marmeladenbrot schmiere und gleichzeitig sein Vesper für den Kindergarten vorbereite, während ich mit Arm Nummer vier schon mal die Küche von den Überresten des Abendessens erlöse.

Dann könnte ich später mit einem Arm die Spülmaschine ausräumen und mit den zweiten Madame davon abhalten in eben diese – offenbar unwiderstehlich anziehende – zu kriechen und mir nebenbei ein Kaffee rauslassen um diesen dann genüsslich zu trinken während Arm Nummer eins nunmehr die Spülmaschine wieder einräumt.

Mit acht Armen könnte ich meinem definitiv nicht zum Künstler geborenen Sohn dabei helfen eine Schatzkarte zu malen, während ich gleichzeitig meiner Tochter den Wachsstift entwende BEVOR sie die Hälfte davon aufgegessen hat, und nebenher könnte ich mit einem anderen Arm bereits die Wasserfarben holen, die mein Sohn ankündigt als nächstes haben zu wollen und – welche Wonne – gleichzeitig könnte ich liegen gebliebene WhatsApp Nachrichten beantworten.

Acht Arme wären am Morgen so geschickt, wenn der Sohn sich wiedermal partout weigert sich anzuziehen. Dann könnte Arm Nummer 1 ihn festhalten und Arme Nummer 2 und 3 könnten der faulen Socke eben diese überziehen, während Arm Nummer 4 und 5 sich um das Wickeln und Anziehen der Madame kümmern.

Auch beim Baden wären mehrere Arme sowas von hilfreich. Arm 1 kann die Madame festhalten, wenn sie mal wieder in Panik gerät, sobald die Brause in Sicht kommt um ihr das Shampoo vom Kopf zu spülen, und sie deshalb im Galopp aus der Wanne hüpfen will. Arm 1 hält also das Kind, Arm 2 spült das Haar aus, Arm 3 hält den Lappen bereit, mit dem im Anschluss das böse Wasser vom Gesicht getupft wird. Oder beim Rausholen aus der Wanne. Madame wird rausgehoben, dann mit 2 Armen abgetrocknet, mit einem weiteren wieder eingefangen, sobald sie anfängt nackig durchs Bad zu hüpfen, gleichzeitig können die restlichen Arme das Wickeln, Anziehen und Föhnen übernehmen. Sollte noch ein Arm frei sein, könnte ich mir mit diesem die Schweißtropfen von der Stirn wischen, die unweigerlich bei so viel Arbeit in einem überheizten Badezimmer entstehen.

Oder am Abend. Wenn der Tag wieder mal gefühlte hundert Stunden gedauert hat, die Tochter nach einer halben Stunde Mamas Arm (in diesem Fall dann einen der Acht) festhalten endlich eingeschlafen ist und der Sohnemann nun aufs Vorlesen besteht, dann könnte ein Arm das Buch halten und zwei weitere Arme gleichzeitig den Mini umziehen, während die Arme 4 und 5 bereits ein bisschen Klarschiff im spielzeugüberladenen Wohnzimmer machen und – das beste von Allem – Arm 6 und 7 schenken ein Gläschen Rotwein ein, von dem ich während des Vorlesens genüsslich kosten kann.

Ach wie toll wäre es doch, ein Krake zu sein! Besonders zu Zeiten wie diesen, wenn Madame, die Laufverweigerin, sich den Knöchel verletzt und mit eben diesem in angeschwollen und blau erst Recht nicht laufen sondern – selbstverständlich – und so wie eigentlich immer, getragen werden will. Während ich also den lauffaulen und jetzt noch fußkaputten Mops durch die Gegend schleppe, kann ich gleichzeitig und ohne Probleme dem Sohn, der seiner verletzten Schwester in nichts nachstehen will, seine Augentropfen einträufeln in der Hoffnung, das der virale Augeninfekt so verschwindet und die Augen ihren Weg aus dem blutunterlaufenen Zombiedasein heraus finden. Und was die Kinder können, kann Mann schon lang. Da ich mich mit acht Armen sonst langweilen könnte, legt sich der Mann also noch eine ordentliche Schulterverletzung zu, so dass der rechte Arm mehr oder minder unbrauchbar ist, was besonders toll ist, so als Rechtshänder. Aber zum Glück bin da ich, mit meinen acht Armen. Oh Mist, 6 davon sind ja nur imaginär!

Ach wäre ich doch nur ein Oktopus mit acht Armen! Aber wahrscheinlich wünschte ich mir dann, ich könnte mich klonen und hätte 16.

2 Kommentare zu „Mama Oktopus

  1. Ein sehr amüsanter Artikel, jetzt denke ich unweigerlich darüber nach, was man noch alles mit 8 Armen rocken könnte, herrlich. Ich habe auch viele Parallelen zu unserem Alltag erkannt: Essarien, Anziehdilemma, Duschdramatik…Übrigens kann ich zum Thema Wasser und Schaum im Kindergesicht eine sog. Duschkappe sehr empfehlen. Vielleicht kennst Du das schon, ich habe vor ein paar Monaten endlich mal eine gekauft und alle Beteiligten sind sehr zufrieden. Es ist natürlich auch immer ein bisschen Gefummel bis das Ding sitzt, aber ich erzähle dazu gerne „Jetzt hast du eine Krone auf, wie ein König!“ und was soll ich sagen, mein kleiner Monsieur mit dem großen Ego kauft es mir ab. Hat uns einige Tränen erspart 😉

    Liebe Grüße!

    Jasmin

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    1. Eine Duschkappe und unzählige andere Sachen haben wir schon. Hatten wir schon alles für den sohn und auch da hat’s nichts genutzt. Bei ihm hat nur eins geholfen: warten bis er größer wurde. Heute mit fast 4 gibt’s keine Probleme mehr bei ihm. Mal schauen wie lange das bei Madame dauert….

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