Von Pseudo-Bio, unterschiedlichen Kindern und Boxhandschuhen

Der Bio-Boom. Eigentlich eine gute Sache. Nur leider auch etwas verwirrend, wenn man im Supermarkt vorm Gemüsestand steht und die Wahl hat zwischen einer normalen Gurke, natürlich in Plastik eingeschweißt und aus Spanien kommend, und einer Bio-Gurke, ebenfalls im Plastikmantel und auch aus Spanien eingewandert. „Wo ist das noch Bio?“, frage ich mich. Das Plastik ist es definitiv nicht, die weite Anreise aus Spanien trägt sicherlich auch nicht zu einer positiven Umweltbilanz bei. Ist das, was an Bio also übrig bleibt einzig und allein der Preis?

Schlimm, fast schmerzhaft ist auch, was ich nur wenige Schritte von meiner Haustür entfernt schon beobachten musste. Da stehen vor einem Mehrfamilienhaus 2 knorrige Birnbäume, die Unmengen an Früchten trugen, und was geschah damit? Sie faulten langsam und gemütlich vor sich hin bis sie irgendwann vom Baum fielen und am Boden vollends verrotteten. Wahrscheinlich gehen die Hauseigentümer lieber zum Supermarkt und kaufen dort im Plastik eingeschweißte Bio-Birnen aus Spanien. Ich habe mich jedenfalls auch nicht getraut die saftigen Früchte vom Baum zu pflücken – wir sind ja nun mal im kleinbürgerlichen Deutschland ansässig und ich wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt wegen Diebstahls angezeigt worden. So machen wir uns nun alle schuldig, indem wir die Birnen vergammeln lassen und statt dessen CO2 ausstoßen was das Zeug hält, um Obst von sonst wo her zu karren

Ich hatte im Laden schön öfter die Wahl zwischen Äpfeln aus Chile oder Neuseeland und habe dann einfach gar keine gekauft. Ist ja nicht so, als würden in Deutschland keine Äpfel wachsen.

Toll auch, dass der Mann so Bio-bewusst ist. Da hat er doch glatt Bio-Milch gekauft – was immer das auch heißen mag – und an sich ja löblich ist. Wäre besagte Milch nicht aus unserem lieben Nachbarland Österreich. Nichts falsch verstehen, das soll nichts gegen unsere lieben Nachbarn heißen und die österreichischen Kühe geben ganz bestimmt tolle Milch, aber die nicht Bio-Milch, die noch im Vorratsschrank auf ihren Einsatz wartet, ist aus Deutschland. Ist das dann nicht eher Bio als die Pseudo-bio Milch aus Österreich herzuschaffen?

Ganz hörts dann auf, wenn der Mann es zu gut meint und Bio-Mehl kauft – das nicht zum Kuchen backen geeignet ist, da zu dunkel. Somit liegt es jetzt nutzlos rum. Damit ist spätestens in diesem Fall das Bio-Siegel für sie Tonne.

Ich muss mich selbst aber auch schimpfen. Wir haben einen Geflügelhof gleich ums Eck,  bei dem es massenhaft Bio-Eier zu vernünftigen Preisen zu kaufen gibt. Aber ich gehe lieber aus praktischen Gründen in den Laden gleich neben dem Kindergarten. Mea culpa.  Mein Sohn zumindest isst nur eine Sorte Ei: Das Überraschungsei. Und das ist ganz sicher nicht Bio.

Wenigsten Essen meine Kinder ansonsten so ziemlich alles, bio hin oder her. Nach den Mahlzeiten setzte ich meine 1,5 jährige Tochter unter den Esstisch und spare mir da mit das Saugen. Auch sehr umweltbewusst.

Und so schwer es mir manchmal fällt den Unterschied zwischen „bio “ und „normal“ zu erkennen, so groß ist der Unterschied zwischen meinen Kindern. Sie sind beide in meinem Bauch herangewachsen – damit hat sich die Ähnlichkeit auch schon. Ab dann wird alles anders. Eins männlich, eins weiblich und optisch absolut keine Ähnlichkeit zueinander. Das ist manchmal ähnlich konfus wie der Bio-Irrsinn.

Während mein 4 jähriger Sohn es für mutig hält vom Couchtisch auf die Couch zu springen und dafür Applaus und Lob erwartet, besteigt seine Schwester seit sie krabbeln konnte alles was ihr in die Quere kommt (bei Männern darf sie das allerdings nicht vor ihrem 30. Geburtstag). Sie klettert auf Stühle, Tische die Couch – und fliegt natürlich auch mal runter. Ich gucke schon gar nicht mehr hin, weil sie nie am Boden ist sondern immer irgendwo oben. Mein Sohn hingegen hat Angst vor der kleinsten Erhebung. Im Kinderturnen, das wir wegen ihm besuchen, macht er nichts anderes, als über die  am Boden liegenden blauen Matten zu kaspern, während seine kleine Schwester eifrig beturnt wobei Mama ihr hilft.

Dafür brüllt Madame wie unter Folter, sobald ich den Raum verlasse, während Sohnemann schon als Baby problemlos auswärts geschlafen hat, was bei Madame bis heute undenkbar ist. Die Eingewöhnungszeit im Kindergarten hat beim Mini Mann ganze 5 Tage gedauert, ich befürchte bei meiner Tochter werden es 5 Monate werden.

Da fällt mir doch noch eine Sache ein, bei der sie sich ähneln. Beim Austeilen. Sie prügelt, kratzt und zwickt mindestens so gut wie er. Sobald sie ein bisschen größer ist besorge ich für beide Boxhandschuhe und begnüge mich damit am Ring zu stehen und sie bei ihrem Kampf zu beobachten. Und vielleicht esse ich dann nebenher gemütlich eine Bio-Banane vom anderen Ende der Welt.

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