Die Katastrophenhochzeit – Teil 3 ODER Ein Ring sie zu knechten (und mich zur Verzweiflung zu treiben)

Nun gut. Alles anders als geplant. Keine schnuckelige Trauung nur im Beisein unserer Kinder sondern jetzt dann doch eine kleine Feier mit Freunden und Familie. Ok. wenn da nur der Zeitfaktor nicht wäre!!! Nur noch wenige Wochen und so gut wie nichts steht!

„Ist doch nicht viel zu tun“, sagt der Mann ganz gelassen und ich kann ihn nur ungläubig angucken. Ist nicht viel zu tun???? Mir fallen da ein paar Dinge ein: Kleid, Klamotten für die Kinder, Ringe auswählen, Kuchen und Hochzeitstorte, Einladungen, Tischdeko, Blumenschmuck, Brautstrauß usw. Männer halt! Was will man sagen?

Das Kleid

Ich weiß, was ich will und was ich nicht will. Ein weites wallendes Prinzessinnenkleid im Sisi-Stil definitiv nicht. Etwas, das dem Anlass angemessen ist, aber eben auch passt dafür, dass wir „nur“ aufs Standesamt gehen und danach gemütlich essen. Also durchforste ich das Internet nach Bildern und Ideen. Und dann schnappe ich mir meine Schwester und gehe in einen kleinen Brautladen, der auch Cocktail- und Abendkleider führt. Der netten Dame dort erkläre ich, was ich möchte und zeige ihr ein paar Fotos um sie dann antworten zu hören: “ Oh. Sowas haben wir nicht.“ Na spitze. Das wir also einfach.

Die Dame ist sehr bemüht etwas zu finden, was halbswegs dem entspricht, was ich möchte, und was, wie ich meine, nichts ausgefallenes ist, ist es aber wohl doch. Denn anscheinend heiratet Frau heute gerne frierend, also mit möglichst wenig Stoff obenrum, maximal Spaghettiträger, und das ist so gar nicht mein Ding. Schon gar nicht Anfang April. Sie bringt mir also ein paar Kleider, von denen sie meint, mir zu gefallen, und ich stehe mehrfach ungläubig den Kopf schüttelnd und lachend in der Umkleidekabine. Grauenhaft! Irgendwann fällt der Dame nichts mehr ein und gemeinsam mit meiner Schwester schleppt sie dann doch die von mir rigoros abgelehnten langen Brautkleider an. Da es jetzt auch schon vollends egal ist probiere ich welche an. Meiner Schwester gefällt´s, ich fühle mich nicht wohl. Als ich schon sagen will, ok, das war´s, ich finde nichts, bringt die Verkäuferin noch ein Kleid, das ganz neu geliefert wurde und so halbwegs dem entspricht, was ich mir vorgestellt habe. Ich schlüpfe rein, schaue in den Spiegel und – bin happy. Es passt und es gefällt mir. Und der Preis ist unschlagbar: 199 Euro. Perfekt. Auf dem Weg zur Kasse unterhalte ich mich mit einer anderen Braut und erzähle ihr von meinem Schnäppchen, nur um kurz darauf einen Dämpfer zu erhalten. Im System ist das Kleid nämlich mit 399 satt 199 Euro hinterlegt! Die rosafarbene Variante hängt schon länger im Laden rum und kostet deshalb „nur“ 199€, aber mein Kleid, obwohl identisch und nur in der Farbe anders, kostet schlappe 399 Kröten. Das liegt weit über dem was ich bereit bin zu zahlen, auch wenn der Normalpreis bei Brautkleidern gerne mal bei 1000€ liegt, ich zahle das für unsere klitzekleine Hochzeit mit gemütlichem Essen gehen nicht.

Enttäuscht und frustriert will ich abziehen, da bietet die hilfsbereite Verkäuferin an mit der Chefin zu reden was preislich machbar ist und sich dann bei mir zu melden. Am Abend durchforste ich das Internet ein weiteres Mal nach Kleidern und warte demotiviert auf die Rückmeldung aus dem Laden. Als sie kommt bin ich glücklich. Wir treffen uns in der goldenen Mitte und nun hängt das Kleid in meinem Schrank und wartet auf seinen Einsatz!

Die Ringe

Ich habe ja schon erwähnt, dass der Mann seit dem Kauf des Verlobungsrings Experte ist und jeden Juwelier in die Tasche steckt. Was nun die Eheringe angeht weiß er ganz genau, was er will und was nicht. Ich will: Hübsch. Er will: diese bestimmte Legierung, in jenem Profil, mit dieser Breite und jener Stärke und für meinen Ring einen Stein, der bitte mindestens soundso viel Karat hat. Oh je, es wird also wieder mal einfach. Sollte eigentlich, meint man, wenn Mann genau weiß, was er will. Tja ja, aber MEIN Mann ist halt ein ganz spezieller, also läuft das ganze so:

Juwelier 1: Mann erklärt, was wir wollen, Juwelier hat ganze 4 Paare zur Auswahl da. Zu wenig. Ich will mehr sehen.

Juwelier 2: Alle Trauringe werden gerade einem anderen Paar gezeigt, weshalb wir keine sehen können, was die Verkäuferin aber nicht davon abhält uns eine langen Vortrag über die Vor- und Nachteile der einzelnen Metalle zu halten. Als wir den Laden verlassen sagt der Mann nur : „Die hatte ja gar keine Ahnung, die kennt ja nicht mal den Unterschied zwischen Palladium und Platin.“ Aha. Nun ja.

Juwelier 3: Zeigt uns keine fertigen Ringe sondern nur einfache Silberreifen anhand deren wir die Dicke, Breite, Form etc des gewünschten Rings aussuchen sollen und wir diskutieren ernsthaft darüber, ob der Ring 2,0 oder 1,9 mm dick sein soll. Macht preislich viel aus, ok, aber ICH will den Ring SEHEN bevor ich ihn kaufe und mir nicht einen aus irgendwelchen viel zu großen Silberreifen einen zusammenbasteln, den ich dann fertig maximal am PC sehe. Finde ich doof.

Juwelier 4. Hat schöne Sachen, aber nachdem wir was rausgesucht haben und dann bei der Verkündung des Preises laut schlucken (Mann: „Das geht in gleicher Qualität aber viel günstiger, das weiß ich.“) verspricht die Dame und ein Angebot in verschiedenen Metallen zu machen uns zu schicken. Tage später frage ich nach, wo das Angebot bleibt. Als es dann kommt ist es immer noch viel zu teuer und – da muss ich dem Mann recht geben, denn mittlerweile bin ich auch schon Expertin – das Ganze geht in gleicher Optik woanders günstiger.

Juwelier 3 – Der 2. Besuch: Diesmal mit den Kindern im Schlepptau. Auf der Fahrt schläft der Sohnemann ein und – klar – pinkelt sich voll. Also nach dem Ankommen den quengelnden übermüdeten Sohn im Parkhaus erstmal umziehen. Im Laden dann die nächste Katastrophe: wegen eines Staus waren wir zu spät, unser Termin wurde anderweitig vergeben, wir können warten, wie lange kann uns keiner sagen. Na toll. Den Kindern Brezeln in die Hand gedrückt und dann, Gott sei Dank, hat doch jemand für uns Zeit. Das gleiche Spiel mit Profilen, Stärken etc, doch mittlerweile kennen wir uns ja aus und das Ganze scheint mir nicht mehr ganz so abstrakt wie beim ersten Mal. Dann erreicht ein Duft meine Nase. Madame hat sich eingekackt. Spitze. Der Mann geht die Windel wechseln – und kommt erst gefühlte Stunden später zurück. Wir bestellen noch nicht, wollen nachdenken.

Juwelier 4: „Du, ich habe da zufällig einen Juwelier im Internet entdeckt, der tolle Ringe macht“, sagt der Mann und ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen. Wir werden nie fertig!, denke ich. Aber letztlich bestellen wir tatsächlich dort und nach einigem hin und her Gefahre zur nächsten  Filiale haben wir nun die fertigen Ringe zu einem guten Preis eine Woche vor der Trauung im Haus.

 

So gaaaaanz langsam kommt Land in Sicht.

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