Just married – Meine Hochzeit auf Pillen

„Nicht krank werden!“, habe ich meinen Kindern schon Wochen vor den anstehenden Ereignissen Ostern, Geburtstag und Hochzeit regelmäßig eingebläut. Und das auch noch mit dem pädagogisch unwertvollem Zusatz: „sonst können wir keinen Geburtstag und kein Ostern feiern, und dann gibt’s auch keine Geschenke „. Als würden meine Kinder dann sagen „Ach so, wenn wir krank werden gibt’s nichts geschenkt, ok, alles klar, sagen wir den Viren und Bakterien und dann verschonen die uns.“ Ja, nee, ist klar.

Promt packte meinen Sohn ein hartnäckiger, bellender Husten. Immerhin bleibt er sonst fit. Alles gut soweit. Bis Ostersonntag. Denn da kommt es ganz unerwartet zum hinterhältigen Angriff der Killerviren auf – mich! Die Braut! Perfekt, so 3 Tage vor der Hochzeit und am Vortag vom langersehnten vierten Geburtstag vom „Ich bin dann schon groß“- Mini-Mann. Mein Hals kratzt, und zwar nicht nur ein bisschen sondern richtig heftig und ich mache mich auf einen bald folgenden Schnupfen gefasst.

Aber hey, ich bin eine Frau und kein wegen einer Erkältung kurz vorm Tod stehender Mann, ich packe das, wäre ja gelacht. Gelacht habe ich aber ganz schnell nicht mehr, denn an Ostermontag, dem Geburtstag vom Sohnemann, geht’s mir noch viel schlechter. Der Hals schmerzt, der Kopf drückt und ich bin ziemlich schlapp. Egal. Was muss das muss. Daher am Vorabend noch schnell die Geburtstagstorte fertig gemacht, das Wohnzimmer dekoriert und den Geburtstagstisch gerichtet.  Montag Morgen dann, früh wie immer, werden Geschenke ausgepackt und sich gefreut. Ich halte durch. Noch.

Am Mittag dann, wir sind zum Essen eingeladen, schaffe ich es gerade noch zu Ende zu essen, dann geht nichts mehr. Während alle im Garten im T-Shirt die Sonne genießen, ziehe ich mir meine Winterjacke an und lege mich mit zwei Wolldecken zugedeckt auf die Couch und friere. Mein Kopf hämmert, ich fühle mich scheiße. Um mich rum sind alle fröhlich und die Kinder wollen mir ständig irgendetwas erzählen oder zeigen. Ich will mich in ein dunkles Loch verkriechen und Ruhe haben. Am frühen Abend bin ich durch. Um 18.30Uhr krabble ich in mein Bett und überlasse dem Mann die Kinder. 18 Stunden später stehe ich das erste mal wieder auf. Es geht mir minimal besser. Wie gut, dass an diesem Dienstag noch ca. 100 Dinge für die Hochzeit zu erledigen sind, die ja auch schon in 36 Stunden steigt.

Ich bin ein rigoroser Medikamentenverweigerer, aber da ja nun mal dieses Ding Namens Hochzeit ansteht, nehme ich jetzt dann doch mal eine Paracetamol. Und schlafe weiter. Den ganzen Tag. Der Mann macht sich gut. Er fährt den Mini zur Tante zum dortigen Übernachten, er kümmert sich um Madame, er fährt Sitzordnung, Tischkarten und Gastgeschenke ins Restaurant, meine Schwester bringt die Blumengestecke dorthin und fährt dafür eine Ewigkeit durch die Gegend, die Schwiegereltern fahren die Kuchen und meine Hochzeitstortenbäckerin hat nicht nur ein Kunstwerk gezaubert sondern fährt dieses dann auch noch am späten Abend selbst ins Restaurant. Ich bin gesegnet. Und beruhigt. Und schlafe weiter. Bis zum Mittwoch Morgen. Dem Hochzeitsmorgen.

Zum Frühstück gibt es wieder eine Pille. Mir geht es viel besser, allerdings noch nicht gut. Ich schlurfe durch den Morgen und frage mich mehrfach, ob wir nicht doch hätten verschieben sollen. Aber was das bedeutet hätte! Nee, da muss Frau durch. Wird schon. Eine weitere Pille später und ich mache mich daran, mich brauttechnisch aufzuhübschen. Haare hochstecken – oh, wie anstrengend, Schminken – meine kranken Augen wirken auch durch Farbe nicht gesünder, ins Kleid rein – und so langsam fühle ich mich besser. Sieht ganz gut aus, so in Summe. Und die Sonne scheint, es ist warm. Was will man mehr?! Also. Töchterchen aus dem Mittagschlaf wecken. Und – sie ist mega schlecht gelaunt. Normalerweise ist das nach ein paar Minuten vorbei. Aber da wir etwas unter Zeitdruck stehen, stecke ich sie so müde wie sie ist, in ihr rosa Kleidchen, was ihr gar nicht gefällt und mit schreien quittiert wird. Egal, muss sie durch, so wie ich mich nach 4 Jahren das erste mal wieder in hochhackige Schuhe quetsche. Heute wird schließlich geheiratet!!!

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir mit einer motzigen Maus auf dem Rücksitz zum Standesamt, wo uns unser Sohn vor Freude strahlend nach einer langen Nacht weg von daheim, anspringt – nur um kurz darauf anzufangen zu schimpfen, weil Durst, Hunger, Langeweile….. Es läuft.

Zwei weitere Tabletten später fühle ich mich fast gut! Ich bin jetzt endlich mit dem Vater meiner Kinder verheiratet und glücklich! Der Sohn benimmt sich irgendwann auch, nur die Madame ist leider zum Motzmonster mutiert und will keine Sekunde von meinem Arm, was auf den Hochzeitsfotos nun für die Ewigkeit festgehalten ist.

Alles in Allem aber war es trotzdem ein wunderschöner und fast perfekter Tag, auch dank der Menge an Tabletten, die ich geschluckt habe und die bei mir normalerweise für ein ganzes Jahr gereicht hätten!

P.S. Die Motzmaus war immerhin so brav ihre beidseitige eitrige Bindehautentzündung erst ein paar Tage NACH der Hochzeit zu bekommen.

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