Das endlose Zubettbringen – Von abendlichem Ballett und Nachtwanderungen

 

„Schlaf jetzt endlich!!!“ Wie oft schon habe ich diesen Satz völlig entnervt dem Sohnemann oder dem Töchterchen entgegen geschleudert.

Manche Kinder schlafen gerne und viel. Nachts und mittags. Ab ins Bett, gute Nacht sagen, Tür zu und dann herrschen an die 12 Stunden Ruhe. Bei uns nicht. Auch wenn ich Dr. Google nach der optimalen Anzahl an Schlafstunden befrage, kann ich nur mit dem Kopf schütteln und mich wundern, denn von diesen sind wir doch sehr weit entfernt. Aber ich kann´s nicht ändern. Ich habe alles versucht.

 

Wenn ich die Kids ins Bett bringe, schläft der vom Tag geschaffte Sohn in 1,5 Minuten ein. Madame nicht. Oh nein! Die kann sich schon beim Vorlesen auf der Couch an mich ran kuscheln und winzig kleine Schlafäuglein haben; sobald sie ins Bett muss sagt ihr ihr Gehirn: „Ah, Schlafenszeit. Jetzt muss ich also aufdrehen und rumturnen.“ Und dann geht´s los. Da wird jedes verfügbare Wort, das sie schon sagen kann -und das sind nicht viele- in jeglicher Kombination wieder gegeben. „Mama Eis, Papa Eis, Addu (Auto) Eis, Addu heiß, Papa heiß“….. usw.

Dazu wird gehüpft, dass das Bett bebt. Mit den Armen an den Gittern ihres Bettchens lang – Ratatata, Ratatata – und mit den Beinen auf die Matratze gedonnert, dass es nur so knallt. Wenn ich dann sage: „Hey, es ist Schlafenszeit! Bitte leise sein. Schlaf!“ Kriege ich ein „Ja“ zur Antwort –  und dann geht es unverändert weiter. Herrlich. Der Spaß dauert Minimum 30 Minuten, 45 Minuten sind die Regel, aber es geht auch gerne länger. Und wehe , WEHE, ich versuche den Raum zu verlassen bevor sie schläft, also RICHTIG schläft. Dann ist Polen offen und das Spiel beginnt von vorne.

Ja, es gibt Mamas, die 2 Stunden bei ihren Kleinen im Bett liegen, bis sie endlich pennen. Ehrlich, wie haltet ihr das aus? Ok, ja, man(Mama) muss halt. Aber das ist doch der Horror! Jeden Tag! Was für ein Zeitverlust. Da ist die Zeit, die man für sich hat schon dermaßen begrenzt, dass dieses unnütze Rumgestehe im Kinderzimmer einer absoluten Zeitverschwendung gleich kommt. Was könnte man alles tun statt dessen? Andere spaßige Dinge wie endlich selbst mal was essen, sich die seit Tagen ungewaschen Haare waschen, den abblätternden Nagellack entfernen oder sich einfach mal mit dem Mann unterhalten. Aber hey, statt dessen steht man eben im Kinderzimmer rum und wartet, dass Madame sich geruht endlich einzuschlafen.

Jedes Geräusch, jedes Knarzen, jede zu tiefe Atmen wird mit einen erneuten fordernden „Mama!“ begleitet, und die Minimaus streckt das Patschehändchen aus, dass jetzt also nochmal gehalten werden muss, bevor sie bereit ist endlich ins Reich der Träume zu gleiten. Und wenn ich dann denke, jetzt, JETZT! ist es endlich soweit, dann schleiche ich mich gaaaaanz langsam und vor allem gaaaaanz leise zur Tür –  bis das Laminat knarzt oder ich sonst irgendein minimales Geräusch mache – dann weiß ich, sie schläft eben doch nicht, denn ein erneutes jammerndes „Mamaaaa“ schallt mir entgegen. Was für eine sch…… Könnte ich doch nur fliegen. Also zurück zum Bett und alles auf Anfang. Und wieder warten und horchen, ob Madams Atmung der einer Schlafenden gleicht. Und dann tanze ich wieder so behände wie möglich Ballett bis zur Tür.

3 Schritte sind es vom Bett bis zur Tür. Langsam hebe ich meinen Fuß Millimeter für Millimeter um ja kein schmatzendes Geräusch mit den nackten Füßen auf dem Laminat zu machen. Dann setzte ich den Fuß Millimeter für Millimeter einen Meter weiter wieder auf. Soweit so gut. Der zweite Schritt folgt nach der gleiche Choreografie. Und dann der letzte und schwerste Schritt. Ich muss mich so drehen, dass ich nicht an Sohnemanns Bett hängen bleibe (der brav seit vielen vielen Minuten tief schläft) und mich gleichzeitig dünn genug machen, um mich so durch die Türe zu quetschen, dass ich sie möglichst nur einen schmalen Spalt weit öffnen muss, denn jeder Lichtstrahl, der von irgendwoher ins Zimmer dringt ist gefährlich, denn wehe wehe es ist zu hell, dann….

Es ist einfach ein ganz großer Spaß.

Ist das Ins-Bett-bringen endlich geschafft, dann habe ich noch ganze 2 Stunden bis ich endlich selbst ins Bett muss. Entweder weil ich schon so fertig bin, meist aber aus Vernunft, denn Madame ist nicht nur ein Spät-ins-Bett-Geher sondern auch eine Frühaufsteherin.

Und da ist es vollkommen egal, ob sie einen Mittagsschlaf hatte oder nicht. Auch ohne schläft sie nachts keine Minute länger. Nicht eine!

Und wenn dann endlich beide Monster-Mäuse im Bett liegen, weiß ich, ich habe eine gewisse Zeit, bevor die Nachtwanderungen starten.

Da kann es schon mal sein, dass der Minimann gegen 22 Uhr im Wohnzimmer steht und verlangt jetzt im elterlichen Bett weiter zu schlafen. Da muss dann erst diskutiert werden, dass die Eltern ja noch gar nicht schlafen und es im eigenen Bett doch viel toller ist. Kurze Zeit später folgt dann die Madame (die ja seit gefühlt erst 5 Minuten überhaupt schläft) mit Gebrüll. Also renne ich rein und beruhige sie bis sie weiter pennt. Das kann dann 1 bis  5 mal so gehen. Nur leider ist irgendwann Schicht im Schacht und alles beruhigen hilft nichts mehr : Sie will in Mamas Bett! Und so lange sie dort nicht liegt wird gebrüllt als gäbe es kein Morgen. Hach ist das herrlich.

Dann kommt es also schon mal vor, dass ich mich im Turbogang im Bad fertig mache, damit das brüllende Bündel sich an die Mami in Mamis Bett kuscheln und weiter schlafen kann. Das einzig positive an der Sache: ich bin nach all den Jahren sowas von dauermüde, dass ich zu jeder Zeit in jeder Position schlafen kann. Wenn dann allerdings irgendwann der Sohn noch meint, auch zu mir ins Bett zu wollen, ist Schluss mit lustig. Ich kann mich ja sehr schmal machen, aber ich WILL es nicht.

Wirklich dumm, dass ich relativ viel Schlaf brauche um fit zu sein und meine Kinder beide nach dem Papa kommen, der auch nicht wirklich viel schläft. Schlechte Kombination. Und promt war ich neulich so fertig, dass ich um 18 Uhr völlig am Ende ins Bett gefallen bin. Vor den Kindern!

Natürlich fand Töchterchen es nicht so witzig, heute einmal NICHT von Mama ins Bett gebracht zu werden und ihr 45 Minuten Turnpogramm in meiner Anwesenheit abhalten zu können. Ergo Logo befand sie sich kurze Zeit darauf wo? Genau! In Mamas Bett. Jetzt könnte man ja denken, dass sie dachte „Hey, cool, ich muss heute gar nicht in meinem Bett einschlafen, ich darf direkt zu meiner Mama, da kann ich ja jetzt seelenruhig und entspannt einschlafen.“ Nee, nee. Sie blieb ihrer Routine treu und zog ihr Turn- und Laberprogramm auch im Schlafzimmer ab. Wenn auch „nur“ 20 Minuten lang. Ich halte es ihr mal zu Gute.

Ich freue mich schon auf das, was heute Nacht auf mich zu kommt.

In diesem Sinne: schlaft schön!

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