Working Mom und die „hilfreichen“ Männer

Bald gehöre ich dazu, zur Gruppe der arbeitenden Mütter. Dass wir Mamas rund um die Uhr arbeiten, eben weil wir Mütter sind, zählt ja leider nicht. Zumindest wird es nicht wirklich anerkannt. Ganz ehrlich: ich habe jetzt schon mehr als genug um die Ohren und das ohne Job. Keine Ahnung wie das also bald werden soll. Vielleicht endet es im Chaos….

„Ach, du bist zu Hause!? „, wird man als Mutter erstaunt gefragt, wenn man nicht arbeiten geht, und das unausgesprochene „nur“ klingt dabei ohrenbetäubend mit. Gefragt nach meinem aktuellen Job antworte ich wahrheitsgemäß „Hausfrau und Mutter “ und fühle auch hier das „nur“ schwer auf meinen Schultern lasten und ich schäme mich beinahe. Aber warum eigentlich? Seit ich Mutter bin habe ich keinen 8 Stunden Job mehr, jetzt arbeite ich locker 14 Stunden oder länger am Tag. Ohne Bezahlung, ohne Lob und oft ohne Anerkennung, denn „du hast es ja so gewollt „. Naja. Ja, ich wollte Mutter sein, aber was das mit einem macht, und wie schwer es einem die Gesellschaft und der Staat machen war mir vorher nicht klar, nicht wirklich. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach einigem hin und her werde ich jetzt also demnächst in Teilzeit wieder arbeiten. Zusätzlich zu meinen Jobs als Mutter und Hausfrau, Köchin, Einkäuferin, Putzfrau, Bildungsbeauftragte, Mama-Taxi und so weiter und sofort. Ganz zu schweigen davon, dass der Mann auch seine Rechte einfordert und Aufmerksamkeit sowie ab und zu ein paar Streicheleinheiten haben will.

Eigentlich möchte ich die Männer ja loben.

Sie sind so toll, so hilfsbereit und unersetzlich. Gäbe es sie nicht,  hätten wir Frauen so viel weniger zu schimpfen, lästern und auch zu lachen.

Da erzählte mir doch kürzlich meine Nachbarin, die jetzt ebenfalls wieder arbeitet, 5 Tage die Woche und so viele Stunden, wie es die Kinderbetreuungszeiten eben zulassen, dass sie ihren Mann um Mithilfe im Haushalt gebeten hat, eben weil sie jetzt auch arbeitet und das alles dann etwas viel wird. Ihr Mann hat sie daraufhin verständnislos angesehen und meinte: “ Ja aber du arbeitest doch nur in Teilzeit. Ich in Vollzeit! “ Da ist es wieder, das „nur“. Mal ganz abgesehen davon, dass nach der Arbeit die Arbeit mit und ums Kind ja weiter geht.

Ein anderes schönes Beispiel: eine Freundin, Anfang 30, 3 Kinder, hatte die Chance auf einen tollen Job, noch dazu in einer leitenden Position. Diese Stelle wollte sie sich nicht entgehen lassen. Aber natürlich spricht Frau sich mit dem Ehegatten ab. Der meinte es sei ein tolles Angebot, eine super Möglichkeit für sie und das zusätzliche Geld wäre natürlich auch von Vorteil. Wenn SIE es also hin bekäme den 30 Stunden Job mit der Kinderbetreuung und dem Haushalt zu vereinbaren, dann könne sie den Job ja annehmen. Das hat er ernst gemeint. Keine Rede davon, dass ER dann mehr unterstützt. Back to the 50s, willkommen in der Vergangenheit, da schlag ich die Hände über dem Kopf zusammen. Man kann aber auch versuchen dem ganzen einen positiven Begriff zu geben, vielleicht Retro. Retro ist ja in und klingt schöner als rückständig. Sie hat den Job jedenfalls angenommen. Und da wir Powerfrauen nicht klein beigeben rödelt sie halt jetzt bis zum Umfallen – was uns nicht umbringt macht uns stark.

Wir können uns auf jeden Fall etwas abgucken von den Männern. Ihre Gelassenheit zum Beispiel. Oder ihre unglaubliche Fähigkeit sich für die kleinsten Selbstverständlichkeiten selbst auf die Schulter zu klopfen.

Da kam neulich der Mann einer Bekannten heim und meinte er und die Kollegen hätten sich darüber unterhalten, dass die Frauen ja nicht mehr das seien, was sie mal waren. Tief durchatmen, das gute kommt erst noch: Früher hätten die Frauen ja alles allein gemacht, heute würden die Männer ja so toll unterstützen. Schmunzel. Er würde im Vergleich mit seinen Kollegen ja auch wirklich viel im Haushalt helfen. Meine Bekannte hatte Fragezeichen in den Augen. Ja, er würde ja schon mal den Müll rausbringen. Das sagte er allen Ernstes mit stolz!  Er würde SCHON MAL den Müll rausbringen! Gott sei´s gedankt, dass wir solche harten Kerle an unserer Seite haben, die es doch tatsächlich auch mal schaffen die schwere Aufgabe des Müllrausbringens zu übernehmen. Nein, wenn wir solche Männer nicht hätten wären wir echt aufgeschmissen. Das eigentlich  Bewundernswerte daran ist ja aber, dass ER sich dafür ernsthaft ein Lob erwartet, der Mann. Frau hingegen rödelt im Haushalt ohne Unterlass, denn, falls Mann das nicht weiß, es ist ein kleines bisschen mehr zu tun, als ab und zu den Müll rauszutragen. Und SIE begrüßt ihren Gatten am Abend nach einem langen Arbeitstag (für beide!) nicht mit den Worten: „Ach Schatz, bitte lob mich, denn heute nachdem ich von der Arbeit heim kam und die Kinder abgeholt habe, habe ich abgewaschen, gesaugt, 3 Ladungen Wäsche gewaschen und aufgehängt, den Großeinkauf gemacht, Essen gekocht, den voll geschissenen Sohn aus der Kacke geklaubt, gewaschen und umgezogen, der verrotzten Tochter gefühlte hundert Mal die Nase abgewischt und deine Hemden gebügelt.“

Nein, nein, wir Frauen machen das halt einfach. Und damit machen wir was falsch! Lasst uns bei den Männern abgucken. Siehe oben. Problem nur, dass das nicht in unseren Genen liegt so vollkommen gelassen die vielen To Dos zu ignorieren und uns für die banalsten Kleinigkeiten selbst zu loben.

Ach ja, mit den Männern ist es schon schwierig. Aber ohne sie wohl noch viel mehr.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s